Digitalisierung ist für viele von uns selbstverständlich. WLAN einrichten, Apps installieren oder mal eben etwas googeln – das läuft nebenbei. Für viele Senior*innen sieht das allerdings ganz anders aus. In der täglichen Arbeit im Familienbüro der Stadt Winsen wurde immer deutlicher: Hinter technischen Problemen steckt oft viel mehr. Unsicherheit, Rückzug und nicht selten Einsamkeit. Genau daraus ist die Idee zu „Jung hilft Alt“ entstanden.
Viele Senior*innen äußerten den Wunsch nach Unterstützung in den eigenen vier Wänden. Die Hemmschwelle, externe Angebote zu besuchen, ist hoch – aus Scham, Unsicherheit oder schlicht, weil der Weg zu kompliziert erscheint. Gleichzeitig gibt es viele junge Menschen, die sich mit Technik selbstverständlich auskennen und Lust haben, sich sinnvoll zu engagieren. Diese beiden Welten zusammenzubringen, lag nahe.
Bei „Jung hilft Alt“ unterstützen Jugendliche und junge Erwachsene Senior*innen direkt zu Hause. In Zweierteams helfen sie ganz praktisch: Fernseher einstellen, WhatsApp einrichten, Fotos sichern, WLAN verbinden oder den Drucker wieder zum Laufen bringen. Vorab werden die Jugendlichen intensiv geschult – technisch, aber auch sozial. Zuhören, geduldig erklären, auf Augenhöhe begegnen. Genau das macht den Unterschied.
Was das Projekt so besonders macht: Aus einem Techniktermin wird fast immer ein echtes Miteinander. Die Senior*innen sind erleichtert, dankbar und oft richtig stolz, wenn Dinge funktionieren, die lange Angst gemacht haben. Die Jugendlichen erleben Wertschätzung und nehmen viel mehr mit, als nur eine gelöste Aufgabe. Gespräche über frühere Berufe, gesellschaftliche Veränderungen oder Zukunftspläne gehören fast immer dazu. Viele Termine dauern länger als geplant – einfach, weil der Austausch so guttut.
Was als Pilotprojekt gestartet ist, läuft inzwischen erfolgreich weiter. „Jung hilft Alt“ ist heute fest etabliert. Allein im Jahr 2025 wurden 65 Hilfeanfragen von Senior*innen gestellt und von den Jugendlichen zuverlässig umgesetzt. Besonders erfreulich: Zwölf Jugendliche engagieren sich mittlerweile einmal im Monat fest in der Handysprechstunde. Andere sind weiterhin bei „Jung hilft Alt“ aktiv und besuchen Seniorinnen regelmäßig zu Hause. Aus einzelnen Begegnungen sind Vertrauen und in manchen Fällen sogar dauerhafte Kontakte entstanden.
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie nachhaltig generationenübergreifendes Engagement wirken kann. Es geht längst nicht mehr nur um Technik, sondern um Beziehung, Teilhabe und gegenseitige Unterstützung. Beide Seiten profitieren – und wachsen daran.
Eine Stadt für alle bedeutet, dass niemand abgehängt wird – auch dann nicht, wenn sich Technik, Verwaltung und Kommunikation verändern. Projekte wie „Jung hilft Alt“ zeigen, wie niedrigschwellige, menschliche Lösungen aussehen können. Der Wunsch ist eine Kommune, in der Hilfe selbstverständlich ist, Generationen sich gegenseitig unterstützen und Angebote dort ankommen, wo sie gebraucht werden: bei den Menschen zu Hause. Genau hier kann kommunales Handeln Nähe schaffen – und Teilhabe für alle ermöglichen.

Julia Meinel ist Leiterin des Familienbüros der Stadt Winsen (Luhe) und Initiatorin des Projekts „Jung hilft Alt. Sie engagiert sich für generationenübergreifendes Ehrenamt, soziale Projekte und eine lebendige Kommune.



