Kriege und bewaffnete Konflikte in Europa und weltweit, die damit verbundene Debatte um die Wehrpflicht, steigende Lebenshaltungskosten, die Rentendebatte, zunehmend schwierige Job-Einstiege, ein aggressives Klima in den sozialen Medien sowie stetige Schreckensmeldungen aus den USA unter der Regierung Donald Trumps, die zahlreiche zukunftsrelevante Dauerkrisen wie den Klimawandel überlagern: Die Gegenwart verlangt insbesondere jungen Menschen viel ab. Mit ihren Sorgen und Ängsten bleiben sie häufig allein. Das wirkt sich nicht nur auf ihre psychische Gesundheit aus, sondern auch auf ihre Einstellung zur Demokratie.
Mit dem Bildungsangebot „Demokratie-Sprechstunde – Alles Krise oder was?!“ setzt die Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung hier an und bietet Schulen kurzfristige Unterstützung in politisch und gesellschaftlich turbulenten Zeiten.
„Wie geht es dir, wenn du an den Zustand der Demokratie denkst?“ Diese Frage stellen wir jungen Menschen in und um Hamburg seit einigen Monaten immer wieder. Viele blicken mit gemischten Gefühlen auf die aktuelle Situation. Einige sorgen sich über die zunehmende Verbreitung rechtsextremer Positionen und fragen sich, wie gut demokratische Institutionen geschützt sind. Andere fühlen sich von der Politik nicht ausreichend wahrgenommen.
Jugendstudien zeigen, dass die Belastung junger Menschen durch die Gleichzeitigkeit vieler Krisen zugenommen hat. Der permanente und oft ungefilterte Nachrichtenkonsum in sozialen Medien wirkt sich zusätzlich spürbar auf das psychische Wohlbefinden aus. Auch Hamburger Schüler*innen sind hier keine Ausnahme. Viele gehen jedoch reflektiert damit um, reduzieren ihren Nachrichtenkonsum bewusst oder können Inhalte kritisch einordnen. Freie Medien werden grundsätzlich als wichtig für die Demokratie angesehen, auch wenn der Zusammenhang zwischen Medien und demokratischen Prozessen nicht allen klar ist. Demokratie bleibt für manche ein abstrakter Begriff, der erst durch Austausch, Wissen und Erfahrungen greifbar wird.
In der Demokratie-Sprechstunde diskutieren Jugendliche, was Demokratie für sie ausmacht – etwa Meinungsfreiheit, Parteienvielfalt oder politische Beteiligung. Sie bestimmen selbst die Themen und bewerten gemeinsam den aktuellen Zustand. Der offene Austausch hilft, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen, eigene Positionen zu entwickeln und andere Meinungen auszuhalten.
Viele Schüler*innen zeigen dabei ein solides Verständnis für die Grundlagen des demokratischen Systems. Sie benennen Wahlen, Parlament, Grundgesetz und unabhängige Gerichte als tragende Säulen und bewerten deren Funktion überwiegend positiv. Das ist ein ermutigendes Zeichen: Nicht jede politische Krise bedeutet einen Zusammenbruch demokratischer Ordnung. Die Demokratie verfügt über Regeln und Verfahren, um mit Konflikten umzugehen.
Gleichzeitig äußern Jugendliche Verunsicherung und Frustration. Sie haben häufig das Gefühl, dass ihre Interessen in politischen Debatten zu wenig berücksichtigt werden. Diese Wahrnehmung spiegelt sich auch im Wahlverhalten wider. Bei der Bundestagswahl 2025 verloren etablierte Parteien in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen deutlich an Zustimmung, während unter anderem Parteien mit klaren sozialen Schwerpunktsetzungen wie Wohnen, Lebenshaltungskosten und Bildung Stimmen gewinnen konnten.
Die Jugend ist politisch interessiert, aber zunehmend polarisiert. Zugleich zeigt sich ein starkes Bedürfnis nach Mitbestimmung. Dieses Potenzial gilt es ernst zu nehmen und jungen Menschen Räume zu bieten, in denen ihre Perspektiven sichtbar werden und sie demokratische Prozesse mitgestalten können. Nicht nur ist das grundsätzlich wichtig, sondern bietet auch eine produktive und demokratiestärkende Alternative zu denjenigen politischen Kräften, die aus der Krise nur politisches Kalkül schlagen wollen.
Die Demokratie-Sprechstunde ist ein kostenloses Angebot der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung. Interesse? Einfach per Mail Kontakt aufnehmen: buchung@helmut-schmidt.de.

Merle Strunk, M.A., ist Referentin für Bildung und Vermittlung bei der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind historisch-politische Jugendbildung, Demokratiebildung und Visual History.

Alisa Rieth, M.A., ist Referentin Wissenstransfer „Frieden und Sicherheit“ bei der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind politische Jugendbildung, Demokratiebildung sowie Friedens- und Konfliktforschung.



