Traumatisierungen im Berufsalltag können für Betroffene eine schwere Belastung darstellen und ihre psychische sowie auch ihre körperliche Gesundheit deutlich beeinträchtigen. Der Weg zurück in den Berufsalltag kann für Menschen mit Traumaerfahrung daher eine große Herausforderung darstellen.
Berufliche Traumatisierungen im Öffentlichen Dienst stellen ein wichtiges und aktuelles Thema dar, das in den letzten Jahren in verschiedenen Studien untersucht wurde.
Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Jahr 2018 hat gezeigt, dass Beschäftigte im Öffentlichen Dienst, insbesondere in sozialen Berufen wie Polizeiangehörige, Feuerwehrleuten, Rettungskräften und Pflegepersonal, ein erhöhtes Risiko haben, eine berufliche Traumatisierung zu erleiden.
Dies ist auf die häufige Konfrontation mit belastenden Ereignissen, wie Gewalt, Tod und Verletzungen, zurückzuführen.
Eine aktuelle Studie, die im „European Journal of Psychotraumatology“ veröffentlicht wurde, hat gezeigt, dass Maßnahmen wie die frühzeitige Erkennung von psychischen Belastungen, die Bereitstellung von Unterstützungsangeboten, wie psychotherapeutischen Behandlungen und Supervision, sowie die Schulung von Führungskräften im Umgang mit psychischen Belastungen, dazu beitragen können, das Risiko einer beruflichen Traumatisierung zu verringern und die Wiedereingliederung von betroffenen Mitarbeiter*innen zu unterstützen.
Ein möglicher erster Schritt, um nach einer Traumatisierung wieder beruflich Fuß zu fassen, ist die Anerkennung der eigenen Belastungen und Bedürfnisse.
Betroffene sollten sich bewusst sein, dass sie Zeit und Unterstützung benötigen, um die erlittenen Verletzungen zu verarbeiten. Sie sollten sich nicht unter Druck setzen, schnell wieder arbeitsfähig zu sein, sondern sich in Abstimmung mit ihren Behandler*innen die Zeit nehmen, die sie benötigen.
Eine wichtige Rolle bei der Wiederaufnahme des Berufsalltags spielt, wie in den Studien betont, die Unterstützung durch das Umfeld. Betroffene sollten sich an ihren Arbeitgeber wenden und um Unterstützung bitten.
Dies kann beispielsweise in Form von flexiblen Arbeitszeiten oder auch einem Arbeitsplatzwechsel oder Wechsel des Einsatzortes bestehen. Auch die Unterstützung durch Kolleg*innen und Freund*innen kann in dieser schwierigen Zeit wichtig sein.
Eine psychotherapeutische Behandlung kann ebenfalls eine wichtige Unterstützung darstellen. Traumatisierte Menschen können in der Therapie lernen, mit ihren belastenden Erfahrungen umzugehen und ihre Symptome zu lindern.
Eine wirksame Therapie nach beruflicher Traumatisierung sollte eine Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie und Traumatherapie beinhalten. Diese Ansätze helfen den Betroffenen, ihre Gedanken und Gefühle über die traumatische Erfahrung zu verarbeiten und sie in einen Kontext zu bringen, in dem sie sich sicherer und weniger bedroht fühlen.
In einer kognitiven Verhaltenstherapie können Therapeut*innen Traumatisierten dabei helfen, negative Gedankenmuster zu erkennen und zu ändern. Dies kann dazu beitragen, dass sie sich weniger ängstlich und gestresst fühlen.
In einer Traumatherapie werden die Betroffenen aufgefordert, über ihre Erfahrungen zu sprechen, um ihnen dabei zu helfen, sich von ihnen zu distanzieren und eine neue Perspektive zu gewinnen.
Eine Traumatherapie stellt jedoch auch eine emotionale Herausforderung dar, da sie die Auseinandersetzung mit den angstbesetzten Themen und Situationen beinhaltet. Die Behandlung kann prinzipiell ambulant vor Ort erfolgen, in schweren Fällen kann jedoch eine stationäre Behandlung notwendig werden. Eine medikamentöse Behandlung kann in manchen Konstellationen auch sinnvoll sein.
Es ist wichtig zu betonen, dass der Weg zurück in den Berufsalltag für jeden Betroffenen individuell ist. Betroffene sollten daher ihren eigenen Weg finden und sich möglichst nicht mit anderen vergleichen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Akzeptanz ihrer eigenen Grenzen und die Realisierung, dass Genesung ein Prozess ist und dauert.
In vielen Behörden und Institutionen gibt es mittlerweile Angebote zur Prävention und frühzeitiger Erkennung von psychischen Belastungen sowie Unterstützung für betroffenen Mitarbeiter*innen. Betroffene sollten sich darüber informieren und diese Angebote in Anspruch nehmen.
Zurück in den Job?
Eine Entscheidung, ob Du in den Beruf zurückkehren solltest oder nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hier sind einige wichtige Überlegungen:
- Stabilität: Stelle sicher, dass Du körperlich und emotional in der Lage bist, Deine Arbeit wieder auszuführen.
- Unterstützung: Überprüfe für Dich, ob Du die notwendige Unterstützung und Ressourcen hast, um erfolgreich in den Beruf zurückzukehren.
- Arbeitsumgebung: Überprüfe, ob Deine Arbeitsumgebung gesundheitsförderlich ist und Du dort ein Gefühl von Sicherheit hast.
Es ist wichtig, Deine Entscheidung gründlich zu überdenken und gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, bevor Du dich endgültig entscheidest.
Ein Jobwechsel nach einer beruflichen Traumatisierung kann Vorteile bieten, zum Beispiel kann ein Wechsel in eine neue Arbeitsumgebung helfen, Stress und Angstzustände abzubauen, die durch die Traumatisierung verursacht werden. Ein erfolgreicher Jobwechsel kann das Selbstbewusstsein stärken und das Gefühl von Kontrolle und Macht über die Karriere wiederherstellen.
Ein Jobwechsel ist nicht für jeden die ideale Lösung, gerade im Erkrankungsfall bietet der Öffentlicher Dienst einen vergleichsweise sicheren Arbeitspatz und eine relativ hohe soziale Absicherung und Bezahlung.
Durch den Versicherungsstatus in Beihilfe und privater Krankenversicherung gibt es geringere Beiträge und gleichzeitig oft ein breiteres medizinisches Leistungsspektrum als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Dies kann im Falle einer längerfristigen psychischen Erkrankung enorm wichtig sein.

Sven Steffes-Holländer ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und leitet als Chefarzt die Heiligenfeld Klinik Berlin.
Er ist als Experte im Betrieblichen Gesundheitsmanagement in Behörden und Institutionen aktiv und u.a. Supervisor der Einsatznachsorgeteams der Polizei Berlin.
Erfahrt mehr auf: www.steffeshollaender.de, Heiligenfeld Klinik Berlin, Linkedin, Instagram



