Samstag, 13. April 2024

Get STAATed – wie du als Pionier*in im Staat durchstartest

Der Anfang mit dem Ende

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Neue Kolleg*innen im Staat fallen mit ihrem neugierigen Blick, den frischen Ideen und ihrem ansteckenden Optimismus auf. Sie merken, wie man Dinge einfacher, schneller oder innovativer macht. Ich sage gerne: Man kann nicht aufs Etikett schauen, wenn man in der Flasche ist; von außen geht das besser. Deshalb sind neue Kolleg*innen ideale Pionier*innen für die Modernisierung des Staates auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene. Das gilt für Neueinsteiger im Staat genauso wie nach einem Stellenwechsel.

Wir brauchen Pionier*innen dringender denn je, um den Staat an die Veränderungen unseres Zeitalters anzupassen. Ich höre oft, dass Menschen, die im Staat etwas bewegen wollen, frustriert sind, ausbrennen, nicht die richtige Aufgabe finden oder aussteigen. Sie berichten mir, dass sie zwar Zuspruch für den frischen Wind erhalten, den sie reinbringen. Jedoch vermissen sie Unterstützung, kämpfen gefühlt gegen Windmühlen und fühlen sich mit ihren Aufgaben alleingelassen. Das geht uns langjährigen Pionier*innen im Staat nicht anders.

Vor drei Jahren, nachdem ich ein neues Projekt erfolgreich umgesetzt hatte, aber das Projekt nicht leiten durfte, fühlte ich mich nicht wertgeschätzt und ausgebrannt. Ich liebe es, anderen dabei zu helfen, ihre Ziele zu erreichen. Dafür habe ich im Laufe der Zeit kreative Arbeitsmethoden entwickelt, die richtig gut funktionieren, aber von denen ich niemandem erzählte.

Ich musste mich also entscheiden: Will ich meine Arbeitsmethode weiter still und heimlich einsetzen, oder mache ich sie sichtbar und gestalte mit anderen einen neuen Weg des Arbeitens im Staat, für den ich auch geschätzt werde? Ich habe mich für Zweiteres entschieden und bin darüber sehr glücklich.

Heute helfe ich nebenberuflich als Verwaltungs-Coach anderen Menschen, ihren Weg schneller zu finden, um im Staat oder mit dem Staat zufrieden und innovativ zu arbeiten. In meinem Podcast „Let´s Staat – Inspirationen aus dem Staatsapparat“ interviewe ich inspirierende Kolleg*innen, die genauso ticken wie ich. Um dorthin zu kommen, musste ich selbst tun, was ich heute anderen beibringe. Das hat mein Leben verändert:

Togetherness-Mindset. Wenn du in einer Behörde etwas ändern willst, ist es so, als ob du eine Schneise durch den Dschungel schlägst. Der Behördendschungel ist ein komplexes, System mit ungeschriebenen Gesetzen, unbekannten Bewohner*innen und unsichtbaren Fallstricken. Auch geübte Kolleg*innen können sich darin verfangen. Wenn du mit der Haltung startest, dass du das allein machen kannst, übernimmst du dich und brennst aus. Menschen und Systeme verharren gerne in Gewohnheiten.

Um bei dem Bild zu bleiben: die Dschungelschneise wächst zu, wenn sie nicht genutzt wird. Um neue Gewohnheiten zu etablieren, braucht es Unterstützung von den richtigen Menschen aus deinem Umfeld, die zusammen mit dir den neuen Weg gehen. Für die Genehmigung, als einzige aktive Beamtin nebenberuflich einen Podcast über die Verwaltung zu starten, habe ich mir Unterstützung geholt und ihn so gestaltet, dass er von Kolleg*innen als Bereicherung empfunden wird. Ein Einsamer Wolf-Mindset verhindert Transformation und führt in die persönliche Überforderung. Das Togetherness-Mindset macht dich zufrieden im Job und erfolgreich.

Be the change. Vielfach wird der enorme Einfluss unterschätzt, den jede*r Einzelne im Staat hat. Dabei wissen wenige, dass sie ihre Stellenbeschreibung so interpretieren dürfen, wie es ihren Talenten und Leidenschaften entspricht. Ich habe auch heute nicht immer die Traumstelle und die tollsten Aufgaben, aber ich gestalte mir meine Aufgaben immer auf die „Dorit-Art“. Daraus ergeben sich viele Möglichkeiten. Pionier*innen aus meinem Podcast erschließen sich Spielräume, die andere ungenutzt lassen, und erschaffen dadurch etwas Neues, das für den Staat nützlich ist. Das, was du erschaffst, zieht Menschen an, die genauso denken wie du und dir helfen. Meine Interviewgäste und Zuhörer*innen finden teilweise über den Podcast zueinander und setzen ihre Ideen gemeinsam um. Eigenverantwortung ist für mich der Schlüssel zu mehr Zufriedenheit. Du bist kein Opfer eines großen Systems, sondern Gestalter*in deines beruflichen Wegs.

Zeig Dich. Wenn du ein Talent oder eine Leidenschaft hast, mit dem du deine Aufgabe im Staat auf deine Art besser erfüllen kannst, dann wende sie an. Beschwerden über Missstände im System oder unverständige Vorgesetzte frustrieren und ziehen dich runter. Es braucht den Mut des Einzelnen, sich selbst mit all den Talenten und Leidenschaften zu zeigen. Die Angst hervorzutreten und die Sorge vor Ablehnung, wenn wir gegen den Strom schwimmen, hält uns davon ab. Doch das ist genau das, was Pionier*innen tun. Es ist wichtig, dass du dir selbst treu bleibst. Nicht jede*r möchte mit der Machete zuerst den Weg freischlagen. Manchen Kolleg*innen gefällt es besser, wenn sie erschlossene Dschungelpfade ausbauen. Das ist ok. Erst wenn du dich zeigst, setzen Erfolge ein, die dich ermutigen, es immer wieder zu tun. Die Erfolge steigern sich und damit auch dein Selbstvertrauen und die Größe der Aufgaben. Nachdem mein Podcast so erfolgreich ist, gehe ich meinen nächsten Schritt und gebe Onlinekurse, um mehr Menschen unterstützen zu können.

Was hier vielleicht so easy klingt, fordert viel von jedem/jeder Einzelnen und auch mich hat es herausgefordert und tut es immer noch. Ich habe großen Respekt für jede*n, der/die sich mit allem, was er oder sie geben kann, einbringt. Ganz gleich, ob dich dein beruflicher Weg tiefer in den Behördendschungel, zu einem Unternehmen oder in die Selbständigkeit führt: Die Zeit im Staat ist eine gute Investition in dich selbst, deine berufliche Entwicklung und in das Land, in dem du gerne leben möchtest. Du kannst es gestalten.


(Foto: David Strassburger)

Dr. Dorit Bosch ist stellvertretende Referatsleiterin im Bundesministerium des Innern und für Heimat sowie nebenberuflich Coach und Podcasterin von „Let´s Staat – Inspirationen aus dem Staatsapparat“. In ihrem Podcast interviewt sie inspirierende Menschen, die den Staat mit Mut, Offenheit und Kreativität verändern. In ihren Coachings begleitet sie Pionier*innen im Staat und Menschen, die mit dem Staat innovativ kooperieren möchten. Das nächste kostenlose Get STAATed Seminar findet kann am 3. und 4. April statt. Anmeldungen unter www.drdoritbosch.de.

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