Freitag, 20. Februar 2026

Gewalt gegen Blaulicht-Berufe

Blaulicht hinter den Kulissen

Must read

„Gewalt gegen Rettungskräfte“, „Bierflasche trifft Busfahrer“, „Polizisten werden attackiert – Passanten jubeln“, „Maskierter geht auf Lehrer los“, „Anstieg der Gewalt gegen Politiker“: Diese Schlagzeilen sind Realität. Sie machen eine alarmierende Entwicklung sichtbar. Sicherlich kennt ihr solche Geschichten, habt vielleicht Vergleichbares erlebt. Es ist in einigen Bereichen des Öffentlichen Diensts mittlerweile Alltag, dass Mitarbeiter*innen angepöbelt, beschimpft und angegriffen werden.

Jede*r Vierte im Öffentlichen Dienst erlebt Gewalt. Die Anzahl dieser Vorfälle und die Qualität der Gewalt haben zugenommen. Die Hemmschwelle, Menschen in Uniform anzugehen, ist gesunken. Bundesweit wurden vergangenes Jahr 110.155 Polizeivollzugsbeamt*innen, Beschäftigte des Zolls oder in Justizvollzugsanstalten sowie Einsatzkräfte bei der Feuerwehr und im Rettungsdienst Opfer einer berufsbedingten Straftat – das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Wieso werden diejenigen angegriffen, die beruflich Hilfe leisten und Unterstützung anbieten wollen? Gewaltausbrüche können plötzlich sein oder sich über längere Zeit ankündigen. Beschäftigte im öffentlichen Dienst sind für Bürger*innen oft das Gesicht des Staates. Umfragen zeigen, dass das Vertrauen in den Staat sinkt. Wer sich von der Verwaltung benachteiligt sieht, für den werden Bedienstete dann schnell zum Feindbild. Häufig wirkt Alkohol wie ein Verstärker und die gespannte Stimmung entlädt sich. Auch bei vermeintlich unbedeutenden Anlässen eskaliert die Gewalt.

Hilfe und Unterstützung

Solche Vorfälle machen etwas mit den betroffenen Menschen. Einzelne Erlebnisse können sehr belastend sein. Manchmal ist es aber auch die Masse der Ereignisse: Wenn man immer wieder mit Aggression konfrontiert wird. Gewalt kann mehr als nur körperliche Verletzungen verursachen, auch seelische Erkrankungen können die Folge sein.

Wir stehen vor der Herausforderung, mit diesem Problem umgehen zu müssen. Und es wird viel gemacht. Zum Beispiel werden Polizist*innen bereits in der Ausbildung gut auf solche Situationen vorbereitet, oder die Ausrüstung wird verbessert: So tragen Mitarbeiter*innen beim Kommunalen Ordnungsdienst häufig Bodycams, die das Geschehen im Notfall aufzeichnen. Je nachdem, in welchem Beruf und Umfeld du arbeitest, sind die Maßnahmen verschieden. Wichtig ist es in jedem Fall, dass gefährliche Situationen am besten gar nicht entstehen. Grundlage dafür ist die so genannte Beurteilung der Gefährdungen am Arbeitsplatz – vielleicht kann man den Zugang zum Dienstgebäude kontrollieren oder dafür sorgen, dass keine gefährlichen Gegenstände auf dem Tisch liegen. Im Notfall helfen Alarmknöpfe und Kolleg*innen, die zur Unterstützung kommen. Aber es läuft noch mehr: Es gibt Kampagnen für mehr Respekt gegenüber Einsatzkräften. Die Politik diskutiert über härtere Strafen. Und es wird zu den Ursachen von Gewalt geforscht.

Was kannst du tun?

Das Motto ist: Schütze dich und dein Team! Sprecht über das Thema bei der Arbeit. Und es gibt Empfehlungen, die für alle gelten:

  • Sei gefahrenbewusst!
  • Fordere Gefährdungsbeurteilungen ein!
  • Qualifiziere dich ausreichend!
  • Achte auf deine Kommunikation!
  • Hinterfrage Einzelarbeit!
  • Mach zum Thema, wer zur Hilfe kommt!
  • Melde jeden Vorfall!
  • Fordere Unterstützung ein!

Klar ist: Jeder Vorfall ist einer zu viel. In der Summe machen sie deutlich: Gewaltschutz geht uns alle an. Deshalb haben wir uns im Netzwerk #sicherimDienst zusammengeschlossen. Wir tauschen uns aus, geben Best Practice weiter und arbeiten daran, den Schutz und die Sicherheit aller zu erhöhen. Und hier können sich auch alle aus dem Öffentlichen Dienst anmelden. Wir haben zum Beispiel Trainings entwickelt für den Umgang mit Gewaltvorfällen, kennt ihr die schon? www.sicherimdienst.nrw


Andre Niewöhner, Polizeioberrat, ist Direktionsleiter Gefahrenabwehr/Einsatz in der Kreispolizeibehörde Coesfeld. Im Nebenamt koordiniert er das ressort- und behördenübergreifende Präventionsnetzwerk #sicherimDienst in Nordrhein-Westfalen. Foto: Stephan Albrinck, KPB Coesfeld

Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
- Werbung -

More articles

Latest article