Der Öffentliche Dienst hat ein Problem: zu wenig Personal. Jede Behörde als Arbeitgeber oder Dienstherr ist deshalb gezwungen, bestehende Beschäftigte zu halten und die Attraktivität für potenzielle Nachwuchskräfte zu erhöhen. Aber wie? Was ist den Mitarbeiter*innen wichtig? Wie wird die öffentliche Hand als Arbeitgeber wahrgenommen? Wie kann die Arbeitgeberattraktivität erhöht werden? Erste Antworten auf diese Fragen gibt das Bleibebarometer Öffentlicher Dienst von next:public.
Schon jetzt fehlen laut DBB Beamtenbund und Tarifunion über 570.000 Menschen in den Verwaltungen von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen. Damit nicht genug. In den nächsten zehn Jahren scheiden weitere rund 1,3 Millionen Menschen altersbedingt aus, etwa 27 Prozent der Gesamtbeschäftigten. Allerdings werden im gleichen Zeitraum laut amtlicher Geburtenstatistik nur halb so viele Menschen in einen Beruf einsteigen wie altersbedingt ausscheiden. Der Personalbedarf der Verwaltungen trifft damit auf einen Engpass am Arbeitsmarkt.

Diese Ausgangslage ist auch den Beschäftigten bewusst, deren Wechselbereitschaft überraschend hoch ist. Vier von fünf Mitarbeiter*innen können sich vorstellen, ihren Arbeitgeber zu wechseln. Die Mehrheit von ihnen würde einen Arbeitgeber innerhalb des Öffentlichen Dienstes bevorzugen. Doch jede*r Dritte kann sich vorstellen, in der Privatwirtschaft zu arbeiten, so die Ergebnisse aus dem Bleibebarometer Öffentlicher Dienst von next:public, einer Befragung unter 7.500 Beschäftigten aus Bund, Ländern und Kommunen. Damit würde für die Verwaltung ein unersetzlicher Knowhow-Verlust entstehen und sich der Wettbewerb um Fachkräfte verschärfen, was sich in der Arbeitsbelastung der Mitarbeiter*innen wiederspiegelt.
Fehlende Anerkennung macht krank
Schon jetzt hat mehr als ein Drittel der Verwaltungsmitarbeiter*innen das Gefühl, dass es Tage gibt, an denen sie sich zur Arbeit zwingen müssen. Genauso hoch ist der Anteil derer, die angeben, dass ihre Arbeit sie krank macht. Als stärkster Faktor, der die Befragten krank macht, wird die fehlende Anerkennung (56 Prozent) gefolgt von starkem Termin- und Leistungsdruck (50 Prozent) genannt. Aber auch die generellen Arbeitsbedingungen (46 Prozent) sowie unzureichende Infrastruktur (37 Prozent) oder Konflikte mit Kolleg*innen oder Vorgesetzten (36 Prozent) spielen eine große Rolle.

Insbesondere die mit der Führungskraft verbundenen Faktoren lassen erkennen, dass es den Beschäftigten an Wertschätzung und Anerkennung mangelt. Folglich steigern eine wertschätzende Mitarbeiterführung und Organisationskultur die emotionale Bindung der Beschäftigten an den Arbeitgeber, die generelle Zufriedenheit mit der Führungskraft und lässt bei den Mitarbeitenden das Gefühl entstehen, dass sie mit ihren Anliegen ernst genommen werden. Oftmals geht es dabei um direktes Feedback und Anerkennung für geleistete Arbeit. Führungsfähigkeiten, wie eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, Empathie und Achtsamkeit, stehen hierbei im Fokus. Kommunikationsformate, wie ein „weekly“ oder tägliche, kurze „Stand-up-Meetings“ (auch online durchzuführen) können unterstützend wirken, da sie sowohl dem Team als auch der Führungskraft die Möglichkeit für anerkennende Worte geben.
Darüber hinaus bemängelt die Hälfte der Befragten, dass Vorgesetzte keine Entwicklungsmöglichkeiten im Job aufzeigen. Dies ist umso gravierender, da für 82 Prozent der Befragten die persönliche Entwicklung einer der wichtigsten Indikatoren für die Arbeitgeberattraktivität und damit für die Mitarbeiter*innenzufriedenheit und -bindung ist.
„Insgesamt zeigt das Bleibebarometer, dass der Öffentliche Dienst die Themen Personalbindung und Steigerung der Zufriedenheit seiner Beschäftigten noch zu häufig vernachlässigt und dadurch wertvolle Mitarbeiter*innen verliert. Das Ziel muss sein zukünftig eine wertschätzende Organisationskultur zu verankern und die Beschäftigten individuell zu fördern“, resümiert Carsten Köppl, Geschäftsführer von next:public.
Das Bleibebarometer Öffentlicher Dienst findet ihr hier kostenfrei.

Jörn Fieseler ist Verwaltungswissenschaftler, Journalist und Moderator und berät bei next:public Verwaltungen zur Arbeitgeberattraktivität.



