Donnerstag, 15. Januar 2026

Wie inklusiv sind Bus und Bahn?

Stadt für alle

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Wie komme ich eigentlich von A nach B? Für viele von uns ist die Antwort einfach: App öffnen, Verbindung raussuchen und los. Mit dem Deutschlandticket können wir bundesweit unkompliziert den Nah- und Regionalverkehr nutzen. Gerade bei längeren Strecken ist die Suche nach guten Verbindungen aber immer noch ein kleines Abenteuer. Apps, mit der alle Verbindungen abgerufen werden können, gibt es kaum, obwohl die Daten längst an einem zentralen Ort dargestellt werden müssen (DELFI).

Wer im Umgang mit dem Internet und mit Apps unsicher ist, steht vor der nächsten großen Hürde: Es gibt kaum noch gedruckte Fahrpläne oder Liniennetzpläne. Wie nehmen wir also diejenigen mit, die ohne Smartphone unterwegs sind? Denn auch „digital only“ kann eine Barriere sein.

Wenn die Route gefunden ist, kann es für viele ohne Probleme losgehen: Zur nächsten Haltestelle laufen, in Bus oder Bahn steigen, vielleicht nochmal umsteigen und am Ziel noch ein paar Minuten zu Fuß oder mit dem Leihrad zurücklegen. Doch was bedeutet das für Menschen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind?

Wer einen Rollator oder Rollstuhl braucht, steht schon auf dem Weg zur Haltestelle oder zum Bahnhof vor Herausforderungen. Hohe Bordsteine, das Fehlen abgesenkter Übergänge oder unsichere Querungen machen es manchmal unmöglich, überhaupt zum Bus oder zur Bahn zu kommen. In unserem VCD-Projekt „Zu Fuß zur Haltestelle“ haben wir solche Hürden aufgelistet – und sie betreffen nicht nur mobilitätseingeschränkte Menschen. Auch Sehbehinderte und Blinde brauchen klare Leitsysteme, taktile Bodenmarkierungen und verständliche Orientierungshilfen. Wer auf Leichte Sprache angewiesen ist, benötigt einfache Pläne, leicht zugängliche Infos und einfache grafische Darstellungen, um zu Bus und Bahn zu gelangen.

An der Haltestelle oder am Bahnhof geht es weiter: Ist die Haltestelle nicht barrierefrei, hilft auch die beste Verbindung nichts. Fehlende Rampen, kaputte oder nicht vorhandene Aufzüge, unübersichtliche Wege – all das führt dazu, dass Bus und Bahn schlicht nicht genutzt werden können. Uns wurde zum Beispiel berichtet, dass jemand nach einer langen Bahnfahrt direkt wieder umkehren musste, weil am Zielbahnhof der Aufzug ausgefallen war. Das ist nicht nur frustrierend, sondern schließt viele aus.

Blinde und sehbehinderte Menschen brauchen außerdem klare akustische Infos: „Sprechende Fahrzeuge“, die ansagen, wohin sie fahren, und gut erkennbare Leitsysteme.

Barrierefreiheit ist kein Luxus, sondern hilft allen: Auch wer schweres Gepäck schleppt oder einen Kinderwagen schiebt, einen Gips trägt oder das Fahrrad mit in die Bahn nehmen will, profitiert von Rampen, Aufzügen und barrierefreien Zugängen. Laut Personenbeförderungsgesetz hätte der ÖPNV schon 2022 barrierefrei sein müssen. Dass das nicht passiert ist, liegt an vielen Ausnahmen und fehlenden Sanktionen. In unserem VCD-Bahntest „Mobilität für alle: Wie barrierefrei sind Bus und Bahn?“ zeigen wir, wo die größten Herausforderungen liegen und was jetzt getan werden muss, damit alle am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Die UN-Behindertenrechtskonvention macht deutlich: Barrierefreiheit ist kein individuelles Anliegen, sondern eine gesellschaftliche Pflicht. Eine „Stadt für alle“ entsteht erst dann, wenn wir diese Hürden abbauen. Für Bus und Bahn heißt das: klare Standards, verbindliche Zeitpläne, ausreichend Geld für Umbau und Instandhaltung – und echte Mitbestimmung von Menschen mit Behinderung.


(Foto: VCD, Erik Marquardt)

Alexander Kaas Elias ist Sprecher für Bahn, ÖPNV und Multimodalität beim ökologischen Verkehrsclub VCD.

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