Samstag, 28. März 2026

Italienische Pferde für die Bundespolizei 

Tierisch engagiert

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Mirjam Klinger
Mirjam Klinger
Mirjam Klinger ist Volontärin in der Berliner Redaktion des Behörden Spiegel und schreibt über Digitalisierung und Cyber Security. Nach Feierabend kocht und backt sie gerne oder probiert eines der vielen unterschiedlichen Restaurants in Berlin aus.

Bei der Suche nach geeigneten Pferden ist die Reiterstaffel der Bundespolizei in Italien fündig geworden. Seit Oktober verstärken vier Hengste das Team der Berliner Reiterstaffel. 

Der Kontakt zwischen der italienischen berittenen Polizei und der Reiterstaffel der Bundespolizei entstand im Zuge gemeinsamer Einsatzvorbereitungen rund um eine Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland. Geplant war unter anderem, dass beide Reiterstaffeln im Falle eines Aufeinandertreffens ihrer Nationalmannschaften gemeinsam am Stadion eingesetzt werden. Zwar kam es dazu nicht, dennoch fanden bereits im Vorfeld gemeinsame Trainings und ein Erfahrungsaustausch über den Einsatz der Pferderasse statt, wie ein Sprecher der Bundespolizeiinspektion Polizeiliche Sonderdienste berichtete. 

Von Martina Franca bis nach Berlin 

Vertreter*innen der Bundespolizei reisten im Rahmen der Zusammenarbeit nach Italien. Dort besuchten sie sowohl die Polizia di Stato und die Carabinieri in Rom als auch die Zucht- und Ausbildungsstätte der Carabinieri in Martina Franca. Zwei ausgewählte Pferde wurden anschließend eine Woche lang von der Reiterstaffel probeweise geritten – mit Erfolg. Daraufhin erfolgten die Übergabe und der Transport der Tiere nach Stahnsdorf. 

Parallel dazu erwarb die Bundespolizei zwei weitere Pferde beim Zuchtverband Associazione Nazionale Allevatori del Cavallo delle Murge e dell’Asino di Martina Franca (A.N.A.M.F.). Alle vier Tiere wurden per Spedition nach Deutschland gebracht, mit einem Zwischenstopp in Bozen, um die lange Reise für die Pferde möglichst schonend zu gestalten. 

„Bei den Besuchen vor Ort haben wir sehr gute Einblicke darüber bekommen, wie professionell die Carabinieri und das polizeiliche Reitwesen zusammenarbeiten“, betonte der Vizepräsident der Bundespolizei Berlin, Steffen Richter. Zudem erhielten die deutschen Vertreter einen umfassenden Eindruck davon, wie viel Aufwand in den Erhalt der Pferderasse investiert wird. 

(Foto: M. Klinger)

Sowohl die Tiere der italienischen Polizei als auch die aus dem Zuchtverband gehören zur Rasse der Murgesen – einer italienischen Pferderasse mit langer polizeilicher Tradition. Seit Ende des 20. Jahrhunderts werden Murgesen gezüchtet und gezielt für verschiedene Einsatzszenarien vorbereitet. Sie gelten als besonders geeignet für den Polizeidienst, da sie kompakt, muskulös und nervenstark sind. Bereits im frühen Alter werden sie an den Umgang mit Menschen gewöhnt und später intensiv auf Umwelteinflüsse wie Straßenverkehr und Stadtlärm vorbereitet. Dazu gehört unter anderem auch das Ziehen von Kutschen, um Koordination und Teamfähigkeit zu stärken. 

Feierliche Taufe 

Nach ihrer Ankunft in Stahnsdorf wurden die vier Neuankömmlinge auf die Namen Solero, Uragano, Ulisse und Umberto getauft. Traditionell erhält jedes neue Polizeipferd seinen Namen durch eine Taufpatin oder einen Taufpaten; der Anfangsbuchstabe richtet sich dabei nach dem Geburtsjahr. Die Patinnen und Paten werden von der Bundespolizei ausgewählt und haben häufig eine besondere Verbindung zur Reiterstaffel oder zu den Tieren. Die Namenswahl folgt dabei individuellen Kriterien: „Uragano“ bedeutet auf Italienisch „Orkan“ und erinnert an die stürmische Nacht der Geburt des Hengstes, während „Solero“ – das älteste Tier der Gruppe – nach dem gleichnamigen Eis benannt wurde. 

Weitere Pferdekäufe in Zusammenarbeit mit den Carabinieri sind bereits geplant. Üblicherweise erwirbt die Bundespolizei ihre Pferde auf dem freien Markt in Deutschland. Diese Tiere sind jedoch meist nicht von Beginn an auf den Polizeidienst vorbereitet, sodass Ausbildung und Gewöhnung nachträglich erfolgen müssen. 

„Nicht jedes Pferd ist für eine Karriere bei der Bundespolizei geeignet. Für den Dienst müssen die Tiere einen ausgeglichenen Charakter haben, fit und aufmerksam sein und sich gut ins Team einfügen“, heißt es seitens der Bundespolizei. 

Derzeit leben mehrere Dienstpferde auf dem Gelände der Bundespolizei, darunter auch sogenannte Remonten. Dabei handelt es sich um junge Pferde, die sich noch in der Probephase oder Ausbildung befinden. Bevor sie vollständig in den Dienst übernommen werden, legen sie eine spezielle Dienstpferdeprüfung ab. 

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