Donnerstag, 15. Januar 2026

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Eine Erfolgsgeschichte

Wenn ein Assistenzhund seinen Menschen begleitet, geht es nicht um ein Haustier, sondern um eine unverzichtbare Unterstützung. Für viele Menschen mit körperlichen oder seelischen Beeinträchtigungen bedeutet der Hund Sicherheit, Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. VITA e. V. Assistenzhunde bildet seit 25 Jahren Labrador und Golden Retriever aus, die ihre Teampartner im Alltag unterstützen. Sie heben Gegenstände auf, apportieren Telefone, assistieren beim Ausziehen oder holen im Notfall Hilfe. Vor allem aber sind sie „Medizin auf vier Pfoten“, schenken Trost, stärken das Selbstbewusstsein, fördern Verantwortungsbereitschaft und bauen Brücken in die Gesellschaft.

Die VITA-Ausbildung dauert rund drei Jahre und endet nicht mit der Teamgründung. Der Verein begleitet jedes Team ein Hundeleben lang und legt besonderen Wert auf sozialtherapeutische Unterstützung, die vor allem bei Kindern entscheidend ist und einen großen Unterschied zu vielen anderen Organisationen macht. Mensch und Hund werden zu einem echten Team, getragen von Vertrauen und gegenseitiger Verantwortung.

Im Alltag erleben die Teams jedoch immer wieder Situationen, in denen Assistenzhunde auf Tierverbote treffen. VITA-Kenndeckchen und Teamausweis zeigen zwar, dass Hund und Mensch die Teamqualifikation bestanden haben und internationalen Standards entsprechen, doch die Realität ist oft anders. Der Gang in den Supermarkt, ins Kino oder in die Drogerie ist häufig nur mit Erklärungen möglich und nicht selten wird ein Assistenzhund trotz klarer Rechtslage abgewiesen.

Die 25-jährige Studentin Frieda, die bereits mit ihrem zweiten Assistenzhund lebt, beschreibt diese Herausforderungen eindrücklich. Vor jedem Besuch überlegt sie, ob sie ihren Hund Aidan wirklich braucht oder ob sie versuchen sollte, Diskussionen zu vermeiden. Besonders in Supermärkten sei die Chance gering, Zugang zu erhalten. Wenn sie Aidan dringend benötigt, bereitet sie sich sorgfältig vor. Der Hund trägt seine VITA-Weste, alle Nachweise liegen bereit und oft sucht sie das Gespräch mit Verantwortlichen. Doch selbst eine Zusage bietet keine Sicherheit, denn nicht immer sind Mitarbeitende informiert und auch andere Kunden reagieren nicht immer verständnisvoll.

Frieda erzählt, dass sie bei jedem Besuch neu abwägen muss, wie viel Kraft sie hat. Ablehnung und Unsicherheit begleiten viele ihrer Wege. Menschen mit sichtbaren Einschränkungen erhalten häufiger Verständnis, während unsichtbare Handicaps wie eine PTBS-Erkrankung oft Skepsis auslösen. Deshalb wünscht sich VITA ein Umfeld, in dem Assistenzhunde überall dort willkommen sind, wo ihr Mensch sie benötigt. Inklusion bedeutet, Barrieren abzubauen und niemanden aus der gesellschaftlichen Teilhabe auszuschließen.

Es gibt aber auch positive Beispiele. Besonders in Hotels wurden Frieda und Aidan oft freundlich aufgenommen. Auch wenn anfangs Unsicherheit herrschte, informierte sich das Personal meist und erlaubte den Zugang. Idealerweise melden VITA-Teams ihren Hund vorher an, denn vorbereitetes Personal reagiert offener. Ebenso erleichtert der Besuch vertrauter Geschäfte den Alltag, weil sich Menschen und Hund mit der Zeit kennen.

Diese Erfahrungen zeigen, wie wichtig Aufklärung ist. Assistenzhunde sind medizinisch notwendige Helfer auf vier Pfoten. Sie geben Mut, Unabhängigkeit und Lebensqualität. VITA betrachtet jedes Team als Ausgangspunkt für mehr Verständnis in der Gesellschaft. Aus einem einzelnen Hund entsteht ein Kreis von Begegnungen, der Berührungsängste abbaut und zeigt, wie wertvoll ein inklusives Miteinander ist.


(Foto: Laura Anthes)

Laura Anthes verantwortet seit 15 Jahren die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Social Media für VITA e.V. Assistenzhunde.

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