Innovation Hub SicherNetz

Krise – können wir

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Die Unversehrtheit von kritischer Infrastruktur wie der Energieversorgung ist für Gesellschaft und Wirtschaft unverzichtbar.  Ausfälle können schwerwiegende bis hin zu lebensbedrohlichen Folgen haben, etwa wenn sie zum Beispiel Krankenhäuser, Flughäfen oder Reaktoren betreffen. Gleichzeitig beobachten Betreiber zunehmende Drohnenaktivitäten im Umfeld von Anlagen. Diese Aktivitäten – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – sind potenziell bedrohlich, aber es gibt im zivilen Bereich kaum wirksame Gegenmaßnahmen zum Schutz der kritischen Infrastruktur.

Hier setzt SicherNetz an: Das Projekt schafft ein offenes, interdisziplinäres Innovationszentrum zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastrukturen. Zivile und militärische Akteur*innen arbeiten in engem Austausch mit Betreibern zusammen, um ganzheitliche Schutzlösungen, von der Drohnenerkennung und -antizipation bis hin zur Abwehr und zum passiven Schutz, zu erarbeiten und in die Praxis umzusetzen.

Alle an einem Tisch?

Ein Kernelement von SicherNetz ist der Aufbau und Betrieb eines Portfolios an Test- und Versuchseinrichtungen. Hierfür nutzen wir einerseits das Testgelände der Universität der Bundeswehr München und die Testzentren der Bundeswehr. Parallel dazu bauen wir mobile Versuchsanlagen auf, mit denen wir vor Ort bei den Betreibern Machbarkeitsnachweise an der realen Infrastruktur ermöglichen wollen. Die Test- und Versuchseinrichtungen stehen auch Start-Ups oder KMUs zur Verfügung, um neue Ideen erproben zu können.

Die Stärke von SicherNetz liegt in der Zusammenarbeit von mehreren Akteur*innen aus Bundeswehr, Behörden, Wissenschaft und Industrie: Neben der Universität der Bundeswehr München als Verbundkoordinatorin sind die TenneT TSO GmbH als Übertragungsnetzbetreiber, die Stadtwerke München GmbH als kommunales Versorgungsunternehmen, das Innovationszentrum der Bundeswehr sowie die Wehrtechnischen Dienststellen 52, 61 und 91 beteiligt. Darüber hinaus werden Akteur*innen wie die Polizei, das Technische Hilfswerk, weitere Betreiber kritischer Infrastrukturen und kommunale Versorger in die Aktivitäten des Innovation Hubs integriert, um technisch und organisatorisch geeignete sowie kosteneffiziente Lösungen zum Schutz der kritischen Infrastruktur in die Praxis transferieren zu können.

Resilienz der Energieinfrastruktur stärken

Die Hauptaufgaben des Netzwerks beruhen auf drei Säulen. Erstens stellt SicherNetz realitätsnahe Testumgebungen bereit, um Technologien unter den Betriebsbedingungen von Netzbetreibern zu erproben. Perspektivisch sollen diese auch weiteren Sektoren der kritischen Infrastruktur zur Verfügung stehen. Zweitens treibt das Netzwerk die Forschung und Entwicklung zur Drohnenantizipation, -erkennung und -abwehr voran. Drittens analysiert SicherNetz die organisatorischen und regulatorischen Skalierungsvoraussetzungen und erforscht einen sicheren, skalierbaren Echtzeit-Datenraum, der Informationen aus verschiedenen Systemen zu einem aktuellen Lagebild zusammenführt und den zuständigen Stellen bereitstellt.

Ausgangspunkt sind dabei konkrete Bedarfe der Betreiber, die gemeinsam mit Forschung, Behörden und Lösungsanbietern in geeignete Lösungsansätze überführt und anschließend praxisnah erprobt werden.

Darüber hinaus behandelt das Netzwerk organisatorische, rechtliche und finanzielle Fragen, darunter Zuständigkeiten, Haftung, regulatorische Vorgaben und wirtschaftliche Umsetzbarkeit. Die entwickelten Technologien und Verfahren werden anschließend in praxisnahen Machbarkeitsnachweisen erprobt und demonstriert.

Mehr als nur Drohnenabwehr

Wir konzentrieren uns im Projekt zunächst auf die Energie- und Versorgungsinfrastruktur. Diese Anlagen adressieren viele Herausforderungen, die im Allgemeinen bei der Drohnenerkennung und -abwehr vorhanden sind: Räumlich begrenzte Anlagen von großer Bedeutung und verschiedener Größe, die teilweise in ein ziviles Umfeld eingebettet sind, und Versorgungsleitungen, die sich über große Entfernungen erstrecken. SicherNetz adressiert dabei auch die Analyse, welche Lösungen, die hierfür funktionieren, sich auch auf andere zivile und militärische Bereiche übertragen lassen. Die im Rahmen des Projekts geschaffenen Testumgebungen sollen perspektivisch auch für Erprobungen in weiteren Sektoren der kritischen Infrastruktur genutzt werden.

SicherNetz geht dabei über die reine Drohnenerkennung und -abwehr hinaus. Entscheidend ist die gesamte Schutzkette – vom Erkennen und Einordnen einer Bedrohung über technische und bauliche Schutzmaßnahmen bis hin zu klaren Reaktionen und der schnellen Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit.

Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Zuge des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität und im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit 2024 bis 2029“ der Bundesregierung gefördert und läuft vom 01.04.2026 bis zum 31.12.2029.


(Foto: Angelika Wagener Fotografie)

Prof. Dr. Matthias Gerdts ist seit 2010 als Professor für Ingenieurmathematik in der Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität der Bundeswehr München (UniBw M) tätig.

(Foto: Medienzentrum UniBw M)

Jun.-Prof. Dr.-Ing. Jane Jean Kiam ist seit 2022 Juniorprofessorin für Angewandte Künstliche Intelligenz in dynamischen Systemen an der Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik der UniBw M.

(Foto: Privat)

Dr.-Ing. Stefan Küttenbaum ist seit seit 2024 als Leiter der Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen im Institut für Konstruktiven Ingenieurbau an der UniBw M tätig.

(Foto: Michael Mitterreiter)

Thomas Mitterreiter Seit 2018 verantworte ich als Leiter Technische Security die strategische Weiterentwicklung des physischen Schutzes der SWM-Liegenschaften.

(Foto: Privat)

Dr. Christian Stumpf begleitet in der Innovationsabteilung von TenneT die Erprobung und Weiterentwicklung innovativer Technologien für sicherheitsrelevante Anwendungsfelder.

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