Samstag, 25. April 2026

Fanmobilität neu gedacht

Nicht ohne meinen Anschluss

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Fangesänge allerorts, volle Straßen, Menschen in Trikots auf dem Weg zum emotionalsten Ort der Stadt, dem Stadion. Was nach „großer Aufführung“ klingt, endet oft im gleichen Szenario: volle Züge, Stau rund um die Arena, lange Wartezeiten nach dem Spiel. Genau diese Momente zeigen, wie herausfordernd Mobilität bei Großveranstaltungen ist und warum neue Lösungen nötig sind.

Hier setzt das Projekt Fan-MOVE (Fan Mobility Optimization Via Efficiency) an. Hinter dem Projekt steckt die Idee, Fanmobilität nicht nur als Verkehrsfrage zu sehen, sondern als Teil eines guten und nachhaltigen Eventerlebnisses. Wenn Fans einfacher, schneller und klimafreundlicher zu Spielen kommen, profitieren sie davon natürlich selbst. Aber auch Städte, Veranstalter*innen sowie Verkehrsunternehmen gewinnen, weil bestehende Infrastruktur besser genutzt und Belastungen reduziert werden können. Genau das macht das Thema auch für den öffentlichen Sektor spannend: Es geht um Zusammenarbeit, um Daten und um die Frage, wie Mobilität bei Großveranstaltungen intelligenter organisiert werden kann. Aber es geht sowohl um Verkehrsoptimierung, als auch um die Suche nach Lösungen für die Einsparung von CO2-Emissionen. An- und Abreise bedeuten in der Regel mehr als 70 % der CO2-Belastung.

Neben einer Bestandsaufnahme und Datenanalyse vorhandener Verkehrs- und Ticketdaten bilden Erfahrungswerte der beteiligten Akteur*innen rund um die An- und Abreise zu Sportevents die Basis. Hier versteckt sich bislang der Knackpunkt: Diese Daten werden oft unterschiedlich erhoben und sind darum nicht vergleichbar. Fan-MOVE soll durch eine einheitliche Datengrundlage Abhilfe schaffen und belastbare Aussagen über Verkehrsströme und Nutzungsmuster liefern. Parallel schaut das Projekt auch auf bestehende Ansätze wie Kombitickets, Fahrradinfrastruktur oder Echtzeitinformationen.

(Foto: Metropolregion GmbH)

In der Volkswagen Arena Wolfsburg haben Akteur*innen aus Sport, Verwaltung, öffentlichem Verkehr und Technologie im Februar die Ausgangslage der Fanmobilität gemeinsam analysiert. Im Projekt dabei sind u.a. Vereine wie der VfL Wolfsburg (Fußball), Hannover 96 (Fußball), die Basketball Löwen Braunschweig, der TSV Hannover-Burgdorf (Handball) sowie die Grizzlys Wolfsburg (Eishockey). Wunderbarer Nebeneffekt: Das Treffen führt in den Aufbau eines Netzwerks, das sich gegenseitig informieren und unterstützen will.

(Foto: Metropolregion GmbH)

Die jetzigen Erkenntnisse fließen mit der Analysephase am Ende in eine Machbarkeitsstudie, die einen Maßnahmenkatalog beinhalten soll, um konkrete und umsetzbare Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Langfristig sollen durch Fan-MOVE Pilotprojekte starten. Wenn der Ball bei der Handball WM der Männer 2027 in Hannover durch die Luft fliegt und bei der Frauen Fußball EM 2029 in Wolfsburg und Hannover das Stadion bebt, könnten bereits erste Ansätze in der Praxis laufen und dabei neue Daten erhoben werden.

Insgesamt geht es dabei um mehr als nur Verkehr.

Fan-MOVE soll zeigen, wie Großereignisse insgesamt nachhaltiger werden können. Weniger Staus, geringere Emissionen und eine bessere Nutzung der Infrastruktur stehen im Mittelpunkt, damit sich die Begeisterung des Spielerlebnisses auch in der An- und Abreise widerspiegelt: Wenn das gelingt, wird Fanmobilität zu einem Beispiel dafür, wie Mobilität im öffentlichen Raum smarter und alltagstauglicher gestaltet werden kann – und genau das sollte auch über die Region hinaus interessant sein.

Das Projekt Fan-MOVE wird vom Amt für regionale Landesentwicklung gefördert und von der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg GmbH umgesetzt. Die Metropolregion ist ein Netzwerk aus Kommunen, Wirtschaft und Wissenschaft, das innovative Projekte in den Bereichen Mobilität, Gesundheitswirtschaft, Emerging Fields, Standortmarketing sowie der Europäischen Zusammenarbeit vorantreibt. Unterstützt wird das Vorhaben durch die elevengreen GmbH, die ihre Expertise aus Profisport und Nachhaltigkeit einbringt und die strategische Projektentwicklung begleitet.


(Foto: Metropolregion GmbH)

Christina Schulze ist Humangeographin (M.Sc.). Die Leiterin des Handlungsfeldes Mobilität bei der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg GmbH ist zuständig für das Projekt Fan-MOVE. Zuvor arbeitete sie einige Jahre als Mobilitätsmanagerin bei der Gemeinde Marienheide.

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