Wenn es um die Aufgabe von Mobilität im öffentlichen Sektor geht, rückt neben der Begeisterung für neue Angebote wie Carsharing, Mieträder oder On-Demand-Verkehr schnell das Thema Finanzen in den Fokus. Gerade angesichts der aktuellen Haushaltslage ist das nachvollziehbar: Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist für Kommunen oft eine freiwillige und zugleich kostspielige Leistung. Daher wird an dieser Stelle häufig gespart – mit Folgen für Taktung und Qualität des Angebots. In der Konsequenz wird der ÖPNV seltener genutzt und damit wirtschaftlich noch unattraktiver.
Als essenzieller Bestandteil des öffentlichen Lebens erfährt der ÖPNV aufgrund dessen oft zu wenig Aufmerksamkeit und Unterstützung. Deswegen haben 14 Kommunen im Landkreis Ortenau beschlossen, die Mobilität über den ÖPNV hinaus gemeinsam weiterzuentwickeln. Das Mobilitätsnetzwerk Ortenau hat das Ziel, sowohl Mobilität als auch Verwaltungsarbeit interkommunal zu denken, um unter anderem Aufwand und Kosten zu sparen.
Was steckt dahinter?
Das Mobilitätsnetzwerk Ortenau ist deutschlandweit das erste kommunale Netzwerk seiner Art. Seit 2019 arbeiten 10, seit 2022 14 Städte und Gemeinden, darunter Offenburg, Lahr, Kehl und Achern, zusammen daran, klimafreundliche Mobilität in der Region zu ermöglichen. Das Ziel ist: Wer von A nach B will, soll das einfach, günstig und umweltfreundlich tun können – egal ob vom Kreiszentrum aus oder von und zu den ländlicheren Kommunen drumherum. Das bisherige Herzstück ist die Marke EinfachMobil: Unter ihr ist ein Netz aus über 90 Mobilitätsstationen entstanden, an denen Stadträder, Pedelecs und E-Carsharing-Autos ausgeliehen werden können – kombiniert mit dem ÖPNV. Bis zum Ende des Jahres 2026 werden es über 100 Stationen sein.
Zusammen mehr erreichen
Was mich an dieser Arbeit begeistert, ist, dass das Netzwerk wie eine Solidargemeinschaft funktioniert. Die großen Kommunen bieten Rückendeckung, die kleinen bringen lokales Wissen ein. Alle sparen Ressourcen, da keine Kommune Planungen, Ausschreibungen, Vergaben, Öffentlichkeitsarbeit und juristische Verhandlungen alleine stemmen muss. Und nach außen spricht das Netzwerk mit einer starken gemeinsamen Stimme.
Gerade für den ländlichen Raum ist das entscheidend. Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt nicht in Großstädten; klimafreundliche und bedarfsorientierte Mobilität sollte jedoch kein Großstadt-Privileg sein. Oft fehlen in kleineren Kommunen personelle Ressourcen oder Gelder, um Mobilitätsprojekte umzusetzen. Hierbei bietet das Netzwerk einen dreifachen Vorteil: Zum einen werden gemeinsame Kosten nach Kommunengröße aufgeteilt. Zum anderen können bei Vergaben durch die Bündelung hochattraktiver Standorte in beispielsweise Offenburg oder Achern mit umsatzschwächeren Standorten in kleineren Kommunen günstigere Konditionen bei Anbietern erzielt werden. Darüber hinaus können durch die gemeinsame Bewerbung um investitionsabhängige Fördermittel Bagatellgrenzen erreicht werden, was mehr und höhere Fördermittel bedeutet. Daher gilt hier: Je mehr Synergie, desto attraktivere Konditionen.

Um all das umzusetzen und den Informationsfluss sicherzustellen, finden pro Jahr drei bis vier Netzwerktreffen mit den kommunalen Mitarbeitenden im Bereich Mobilität sowie den Bürgermeister*innen statt, außerdem Vorstandssitzungen zur strategischen Ausrichtung des Netzwerks und monatliche Jour fixe zur Besprechung und Koordination von Bau und Öffentlichkeitsarbeit.
Mein Fazit: Wer Mobilität möglichst effizient verändern möchte, kann sich Partner*innen suchen. Kein Alleingang funktioniert so gut wie ein gut vernetztes und unterstützendes Team, was wir im Netzwerk immer wieder erleben.

Alicia Fischer ist Mitglied des Netzwerkmanagements des Mobilitätsnetzwerkes, das momentan (seit 2022) durch die kommunale Beratungsfirma endura kommunal vertreten wird. Zusätzlich ist sie in Form der Förderstelle für Mobilitätsstationen und Car-Sharing des Landkreis Ortenau aktiv, die vom Land Baden-Württemberg gefördert wird.



