Wie ist denn aktuell die Verkehrssituation in Stuttgart? Die Antwort kennen die Verkehrsmanager*innen, die im Leitraum der Integrierten Verkehrsleitzentrale (IVLZ) der Stadt arbeiten. Sie haben insgesamt 42 Bildschirme im Blick und überblicken damit den gesamten Verkehr mit dem Ziel: Der Verkehr soll möglichst reibungslos funktionieren, die Luft sauber sein und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden gewährleistet werden. Gar nicht so einfach bei einer Stadt von Stuttgarts Größe, mit jährlich bis zu 20 000 Baustellen und dem Berufsverkehr, der täglich durch die Stadt strömt.
Um sich dieser Herausforderung zu stellen, sind alle verkehrsrelevanten Akteur*innen in Stuttgart im Leitraum der IVLZ vertreten: Je Team sind das jeweils ein*e Verkehrsmanager*in des Amtes für öffentliche Ordnung, des Tiefbauamts, der Stuttgarter Polizei und der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB). Sobald die Info einer Verkehrsstörung den Leitraum erreicht, muss alles ganz schnell gehen. Den Kolleg*innen im Leitraum entgeht nichts: Sie haben Zugriff auf Hunderte von Kameras, erhalten Daten der SSB-Busse über die aktuelle Fahrplanlage und wissen über alle großen Feuerwehreinsätze, Veranstaltungen und Baustellen Bescheid. Außerdem werden aus anonymisierten Fahrzeugdaten aktuelle Reisezeiten ermittelt. Eine deutlich höhere Reisezeit zwischen zwei Kreuzungen deutet zum Beispiel auf einen Stau hin.
Still ist es im Leitraum eher selten. Im Hintergrund läuft der Funkverkehr der Polizei und der SSB. Alles, was für den Verkehr in Stuttgart relevant ist, filtern die Verkehrsmanager*innen geübt heraus und handeln schnell. Im Fall eines Verkehrsunfalls haben sie über Kameras schnell einen Blick auf den Unfallort, identifizieren die Ursache der Störung und stimmen alle erforderlichen Maßnahmen untereinander ab. Schnell wird reagiert, manchmal sogar schneller, als die Einsatzkräfte überhaupt am Unfallort ankommen. Parallel werden alle Infos an die Öffentlichkeit übermittelt, über Meldungen an Radiosender und Navis. Die Systeme aller vier Partner werden in diesen Momenten genutzt. Diese Zusammenarbeit und der Umstand, dass die IVLZ organisatorisch zum Amt für öffentliche Ordnung als Genehmigungsbehörde gehört, spart gewaltig Zeit. Verkehrliche Eingriffe können dadurch rasch angeordnet werden.
Die IVLZ ist immer dann gefragt, wenn Störungen im Verkehr auftreten, die vor allem durch Baustellen, Unfälle, Pannenfahrzeuge, Großveranstaltungen oder Demonstrationen entstehen. Großveranstaltungen, wie zum Beispiel Fußballspiele, sind besondere Herausforderungen. Dann sind um das Stuttgarter Fußballstadion, der MHP-Arena, mehrere Zehntausend Menschen gleichzeitig unterwegs. Nach dem Spiel wollen die meisten von ihnen zu Fuß zu den Haltestellen des ÖPNV. Hierfür werden besondere Programme der Fußgängerampeln geschaltet, die den Zufußgehenden mehr Zeit verschaffen, um die Straßen zu überqueren. Gleichzeitig müssen Tausende Autos vor dem Spiel auf Parkplätze verteilt und nach dem Spiel wieder vom Parkplatz geleitet werden. Parallel läuft der reguläre Verkehr weiter, was möglichst ungestört geschehen soll.
Ohne die Eingriffe der Stuttgarter Verkehrsleitzentrale bräuchten alle – die Besucher*innen des Stadions und die Fahrgäste in Bus und Bahn – mehr Geduld und die vorhandenen Kapazitäten könnten nicht optimal genutzt werden. Im Hintergrund arbeiten Verkehrsingenieur*innen aller Partner an der Erarbeitung von Strategien und der Weiterentwicklung der IVLZ. Ziel ist, die Eingriffsmöglichkeiten in den Verkehr ständig weiterzuentwickeln. Dazu gehören Entwicklungen in den Steuerungs- und Informationssystemen, wie auch in der Digitalisierung beim Thema Strategieentwicklung, Datenanalyse, Prognose und KI. Dafür ist ein Datenfluss aus einem Guss von der Datenquelle über die Live-Darstellung der Situation und die Schaltung von Maßnahmen bis hin zur Informations- und Datenübermittlung an die Verkehrsteilnehmenden, digitale Services oder Routingdienste entscheidend.
Den einen großen, leuchtenden Knopf, der alle Verkehrsprobleme löst, wird es aber auch in Zukunft nicht geben. Umso wichtiger, dass hinter den Kulissen Menschen dafür sorgen, dass Stuttgart in Bewegung bleibt.

Susanne Scherz leitet das Amt für öffentliche Ordnung in der Stadt Stuttgart.
Das Amt für öffentliche Ordnung verantwortet zahlreiche Dienstleistungen für die Bürger*innen sowie Fachbehörden zur Sicherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, u.a. auch die Verkehrsbehörde mit der Integrierten Verkehrsleitzentrale (IVLZ).

Ralf Thomas leitet im Amt für öffentliche Ordnung seit 2006 die Integrierte Verkehrsleitzentrale (IVLZ) der Landeshauptstadt Stuttgart.
Er ist verantwortlich für den Betrieb und die Weiterentwicklung der IVLZ.



