Mehr Diversität im Öffentlichen Dienst!

Dienst nach Vielfalt

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Eine Szene aus der U-Bahn, am späten Nachmittag in Berlin: Der Waggon ist voll. Auf der Bank links sitzen zwei Jugendliche, den Blick aufs Smartphone gerichtet. Rechts daneben eine Seniorin, sie trägt ein Kopftuch und blättert in einer Zeitschrift. Im Gang stehen zwei Frauen, sie halten Händchen, daneben ein junger Vater mit Kinderwagen. Ein Mann steigt zu, langsam tastet er sich mit seinem Blindenstock vor. Der junge Vater schiebt den Kinderwagen beiseite, einer der beiden Jugendlichen steht auf und bietet dem Mann mit der Sehbehinderung seinen Platz an. Vom anderen Ende des Waggons ertönt eine verzweifelte Stimme, ein Obdachloser bittet um eine Spende.

Im öffentlichen Nahverkehr begegnen einem sämtliche Lebensrealitäten, die gesamte Vielfalt der Gesellschaft: Hier wird Diversität gelebt, zugegebenermaßen nicht immer ganz freiwillig. Trotzdem sollte es das Ziel sein. Denn wer divers denkt, unterscheidet nicht mehr zwischen „Wir“ und „die Anderen“, sondern begreift die Gesellschaft als Konstrukt mit vielen unterschiedlichen Facetten. Für die dbb jugend ist klar: Demokratie lebt von der Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen, auch jener mit sozialen, kulturellen oder ökonomischen Barrieren. Dabei muss der Staat mit gutem Beispiel vorangehen.

Barrieren abbauen, voneinander lernen

Diversität hat sieben Dimensionen – zumindest, wenn man die „Charta der Vielfalt“ als Grundlage nimmt. Dazu gehört unter anderem die Dimension „Alter“. Welche Bedeutung hat sie für den Alltag im Öffentlichen Dienst?

In Ämtern und Behörden arbeiten Boomer und Gen Z zusammen. Ältere verfügen über jahrelange Berufserfahrung und Fachwissen, Jüngere sind meistens näher am Puls der Zeit, vor allem mit Blick auf die Digitalisierung. Es hat keinen Zweck, die Generationen gegeneinander auszuspielen. Im Gegenteil: Sie können viel voneinander lernen. Deshalb ist eine Kultur, die den Austausch fördert, von großer Bedeutung. Es lohnt sich, etablierte Rollenbilder aufzubrechen – zum Beispiel durch Projekte, in denen junge Nachwuchskräfte erfahrene Abteilungsleiter*innen beraten. Das letzte, was junge Menschen hören wollen, ist der Satz: „Ne, daran ändern wir nichts, weil wir es immer schon so gemacht haben.“ Jede Generation verfügt über Kompetenzen, von der eine andere profitieren kann.

Entscheidend ist, dass der Öffentliche Dienst alle Diversity-Dimensionen mitdenkt, welche die Charta der Vielfalt beschreibt: Der Dimension „körperliche und geistige Fähigkeiten“ wird zum Beispiel die Stadt Hamburg dadurch gerecht, dass sie alle Informationen auf ihrer Website auch in Leichter Sprache zur Verfügung stellt. Davon profitieren Menschen mit kognitiven Einschränkungen, aber auch eingewanderte Fachkräfte, Geflüchtete oder Studierende aus dem Ausland – auf diese Weise berücksichtigt die Hansestadt gleichzeitig die Vielfaltsdimension „Migrationsgeschichte und Nationalität“.

Klar ist: Der Öffentliche Dienst kann seine Aufgaben am besten erfüllen, wenn für ihn Menschen arbeiten, die möglichst viele Perspektiven einbringen – auch mit Blick auf die übrigen Vielfaltsdimensionen „Religion und Weltanschauung“, „Geschlecht und Geschlechtsidentität“, „sexuelle Orientierung“ und „soziale Herkunft“. Der Öffentliche Dienst muss ein Spiegel der Gesellschaft sein. So wie der öffentliche Nahverkehr es schon vormacht.

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