Ein Arbeitsplatz zwischen Alltäglichkeit und Ausnahmesituation

Wo keiner hinsieht

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Auch wenn wir Menschen uns als wahrscheinlich einziges Geschöpf unserer Sterblichkeit voll bewusst sind, fällt die direkte Konfrontation mit dem Tod uns allen schwer. Umso wichtiger ist es daher, dass wir als Gesellschaft besondere Orte der Einkehr und der Trauerbewältigung schaffen, die der schnelllebigen und mit Alltagsgedanken erfüllten Außenwelt entkoppelt sind.

Der würdige Erhalt dieser oft bereits Jahrhunderte alten Orte zählt daher zu den wichtigsten Aufgaben einer kommunalen Gemeinschaft. Es versteht sich von selbst, dass die mit dieser Aufgabe betrauten Mitarbeitenden besonderen fachlichen sowie persönlichen Ansprüchen genügen müssen. Wie ein typischer Arbeitsalltag aus der Perspektive der städtischen Friedhofsmitarbeitenden aussehen kann, welchen Herausforderungen sie sich dabei stellen müssen, welche positiven Erlebnisse sie aber ebenso machen, werde ich im Folgenden am Beispiel des Friedhofs in Bonn-Duisdorf darstellen.

Für die drei Mitarbeiter des Friedhofs in Bonn-Duisdorf beginnt der Arbeitstag auf dem Gartenstützpunkt des Stadtbezirks bei einer gemeinsamen Besprechung mit siebzehn weiteren in der Grünpflege tätigen Mitarbeitern. Hierbei werden anfallende Aufgaben besprochen, Arbeiten eingeteilt, Maschineneinsätze geplant und zudem im Sinne eines guten Betriebsklimas auch das ein oder andere private Wort gewechselt. Nach der Einteilung geht es dann zum eigentlichen Einsatzort, dem Neuen Duisdorfer Friedhof.

Auf dem Friedhof angekommen lassen sich die dort anfallenden Arbeiten einerseits in gärtnerische Tätigkeiten sowie andererseits in den Beisetzungsbetrieb einteilen. Zu den gärtnerischen Arbeiten zählen je nach Jahreszeit der Rasenschnitt, der Schnitt von Hecken und Ziergehölzen sowie die Anlage und Pflege der immer zahlreicher werdenden Staudenbeete. Mit dem Wissen aus verschiedenen gärtnerischen Fachrichtungen sowie den über Jahren erworbenen praktischen Fähigkeiten sorgen die Mitarbeiter des Friedhofs dafür, dass dieser als anspruchsvolle Grünanlage stets weiterentwickelt wird. Schließlich zählen zu den Friedhofsbesuchenden nicht nur die Angehörigen der Verstorbenen, sondern auch eine Vielzahl an Mitmenschen, welche diesen als eine Insel der Artenvielfalt inmitten von bebautem Gebiet genießen möchten.

Sobald jedoch eine Beisetzung angemeldet ist, muss die gärtnerische Arbeit für einige Zeit ruhen, damit dem eigentlichen Kerngeschäft des Friedhofs nachgegangen werden kann: Dem Öffnen und Schließen von Gräbern im Zuge einer Beisetzung – oder in seltenen Ausnahmen sogar die Exhumierung und Umbettung eines bereits bestatteten Leichnams. Diese Aufgabe unterscheidet sich in seinen Ansprüchen deutlich von der reinen Grünpflege und verlangt ein hohes Maß an Zuverlässigkeit, einer aus der Routine gewachsenen Souveränität sowie einem gleichzeitig pietätvollen Umgang mit Trauernden.

Es ist bei Graböffnungen nicht ungewöhnlich, auf die sterblichen Überreste noch nicht vollends zu Erde gewordener Leichname zu treffen. Zum Schutze der Trauernden, welche auf dem Friedhof einen sicheren Ort des Friedens und der Einkehr vorfinden sollen, werden diese prekären Arbeiten stets möglichst unauffällig verrichtet. Trotz der Alltäglichkeit dieser Arbeiten für unsere Mitarbeitenden darf nicht unterschätzt werden, dass diese regelmäßig mit Eindrücken konfrontiert sind, welche einer hohen emotionalen Stabilität sowie der Bereitschaft, unangenehme Arbeiten für die Gesellschaft zu übernehmen, bedürfen. Umso wohltuender sind daher die zahlreichen positiven Rückmeldungen seitens der Bürger*innen, welche unsere Mitarbeitenden für ihre mitunter ungewöhnliche, aber stets gute Arbeit erhalten.


Foto: Privat

Andreas Weiland ist einer von neun Friedhofsverwaltern der Stadt Bonn. Gemeinsam mit seinen Kollegen pflegt er fünf der insgesamt 40 Bonner Friedhöfe.

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