Samstag, 25. April 2026

Wie sieht die Wahl von morgen aus?

Die Wahl im Wandel

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Wahlen sind der Kern der Demokratie – doch sie wirken oft erstaunlich unspektakulär. Wer wählen geht, kennt das Prozedere: Man betritt das Wahllokal, bekommt den Stimmzettel, macht sein Kreuz und steckt ihn in eine Wahlurne – meist eine schlichte Box aus Plastik oder Metall. In manchen Wahllokalen kommen sogar umfunktionierte Mülltonnen zum Einsatz. Doch was sagt das über unsere Demokratie aus? Ist das Wählen nicht ein viel bedeutenderer Moment, der nach mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung verlangt?

Genau mit dieser Frage befasst sich der Designwettbewerb „Redesign Democracy – Wählen neu gestalten“ der Hochschule für bildende Künste (HFBK) Hamburg. Denn neben politischen und rechtlichen Fragen spielt auch die Gestaltung eine Rolle, wenn es darum geht, wie Bürger*innen den Wahlakt erleben.  Der Wettbewerb fragt: Wie können Wahlurnen, Wahllokale oder sogar der Wahlprozess selbst so gestaltet werden, dass sie die demokratische Bedeutung von Wahlen verdeutlichen?

Zwischen Tradition und Zukunft

Deutschland blickt auf eine lange Wahltradition zurück, doch die Infrastruktur hat sich nur wenig verändert. Während Wahlkämpfe moderner werden und neue Kommunikationswege genutzt werden, bleibt der physische Wahlvorgang oft nahezu unverändert. Doch Wählen ist mehr als ein bürokratischer Akt – es ist eine bewusste, symbolische Handlung. Welche Rolle spielt dabei der Raum, in dem gewählt wird? Wie kann eine Wahlurne gestaltet sein, damit sie nicht nur ein funktionales Behältnis, sondern ein sichtbares Symbol für Demokratie wird? Soll der Wahlprozess stärker inszeniert werden, um seine gesellschaftliche Bedeutung hervorzuheben?

(Foto: Tim Albrecht)

Der Wettbewerb lädt ein, über diese Fragen nachzudenken und innovative Ideen zu entwickeln – sei es durch neues Produktdesign, räumliche Konzepte, künstlerische Inszenierungen oder digitale Ergänzungen. Wichtig ist nicht, dass eine Lösung technisch umsetzbar ist, sondern dass sie eine neue Perspektive auf den Kernprozess der Demokratie eröffnet.

Wie der Wettbewerb künftige Wahlen verändern könnte

Auch wenn der Wettbewerb keine direkten Änderungen in der Wahlgesetzgebung bewirken wird, können starke Ideen Denkanstöße für Politik und Verwaltung liefern. Neue Ansätze mögen dazu führen, dass Wahllokale in Zukunft anders gestaltet werden, Wahlurnen eine größere Symbolkraft erhalten oder dass der Wahlakt selbst bewusster erlebt wird. Vielleicht entstehen aus den Einreichungen sogar völlig neue Ideen für demokratische Teilhabe, die über den Wahltag hinausreichen.

Jetzt mitgestalten!

(Foto: Tim Albrecht)

Die HFBK Hamburg lädt alle ein, sich an dieser Neugestaltung zu beteiligen – Designer*innen, Studierende, Künstler*innen, Architekt*innen, Menschen aus der Verwaltung oder einfach alle, die sich für innovative Ansätze zur Demokratiestärkung interessieren. Der Wettbewerb läuft bis zum 14. April 2025, die besten Ideen werden mit einem Preisgeld von 3.000 Euro ausgezeichnet und bei der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 präsentiert. Wer Lust hat, sich mit neuen Perspektiven auf Wahlen zu beschäftigen und Teil einer spannenden Diskussion zu werden, findet alle Infos hier.

Der Wettbewerb ist Teil des aktuellen Projektes „Redesigning Democratic Representation“, das von Professor Friedrich von Borries (HFBK) und Professor Sven T. Siefken (Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung) geleitet und durch die Volkswagen-Stiftung gefördert wird.

Demokratie lebt von Beteiligung – nicht nur im Wahllokal, sondern auch in der Gestaltung ihrer Zukunft. Vielleicht können wir schon heute die Wahl von morgen entwerfen.


(Foto: Martha Frieda Friedel)

Philipp Cartier ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HFBK Hamburg im Forschungsprojekt „Redesigning Democratic Representation“. Er promoviert zur Entstehung und Bedeutung politischer Entwürfe.

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