Fortbildungen zur Künstlichen Intelligenz (KI) boomen. Beschäftigte in Behörden und Unternehmen lernen, wie sie am besten prompten, also der KI mitteilen, was sie tun soll. Dass für Routineaufgaben sogenannte Agenten hilfreich sind, zum Beispiel, um eine To-do-Liste zu erstellen, die auf aktuellen E-Mails basiert. Und wo die KI – zumindest bis jetzt – an Grenzen stößt: Im Netz ging die Fangfrage viral, ob es sinnvoller ist, mit dem Auto in die 50 Meter entfernte Waschstraße zu fahren oder zu Fuß zu gehen. Viele Modelle plädierten für den Fußweg, weil sie den Kontext nicht verstanden hatten.
Für junge Menschen sind KI-Kompetenzen bereits selbstverständlich. Sie arbeiten intuitiv mit den neuen technischen Möglichkeiten und integrieren sie schnell in ihren Alltag. Aber auch sie können nicht mit allem Schritt halten, schon gar nicht alle Risiken überblicken. Denn die Entwicklung von KI-Modellen verläuft exponentiell. Innerhalb kurzer Zeit vervielfacht sich ihre Leistungsfähigkeit. Dies entzieht sich der menschlichen Vorstellungskraft. Was heißt das für den Öffentlichen Dienst?
Zunächst fällt der KI-Boom in eine Zeit der Personalnot. Um allen Aufgaben gerecht zu werden, bräuchte der Staat weitere 600.000 Fachkräfte, geht aus einer dbb-Erhebung hervor. Besonders dramatisch ist die Situation in der Pflege, in den Schulen und Kommunalverwaltungen. Und besser wird es in absehbarer Zukunft kaum. In den nächsten zehn Jahren werden über 1,4 Millionen Beschäftigte altersbedingt aus dem Öffentlichen Dienst ausscheiden.
So kann KI für Entlastung sorgen
Angesichts dieser Situation bietet KI viele Chancen, um den Personalmangel abzufedern und Prozesse zu beschleunigen – das ist im Sinne der Bürger*innen, deren Anträge im Idealfall so schneller bearbeitet werden. KI kann Prozesse in der Verwaltung automatisieren, großes Potenzial besteht zum Beispiel in der Steuerverwaltung. KI kann den Zoll entlasten, um aus den Paketfluten, die uns täglich aus Fernost erreichen, gezielt das herauszufiltern, was gegen Verbraucherschutzstandards verstößt. Und im Gesundheitswesen verspricht sich die Medizin von KI mehr Verlässlichkeit in der Diagnostik.
All das erfordert enorme Datenmengen – und damit geht die Frage einher, wie wir diese Daten gegen Missbrauch schützen. Gerade der Öffentliche Dienst arbeitet mit sensiblen Daten, sei es in der Finanzverwaltung, im Gesundheitswesen oder bei der Arbeitsagentur. Und für uns als dbb jugend steht fest: Der Staat darf KI nicht als Vorwand nutzen, um weiter am Personal zu sparen. Denn es wird dort, wo es ohne menschliche Interaktion nicht geht, dringend gebraucht. KI kann dafür die Ressourcen freisetzen. Damit das gelingt, müssen wir endlich in der digitalen Gegenwart ankommen: Die Ausstattung muss mit der Zeit gehen, digitale Kompetenzen Teil der Ausbildung sein und Führungskräfte geschult werden – denn sie sind wichtige Multiplikatoren, die neues Wissen verbreiten und eine Kultur der Modernisierung vorleben müssen.
Fakt ist: Die Kompetenz, KI zu bedienen, darf am Ende nicht wichtiger sein als die Fachkompetenz der Kolleg*innen. Es ist am Ende die Richterin, die ein Urteil fällt. Der Finanzbeamte, der die Richtigkeit des Steuerbescheids gewährleistet. Und die Ärztin, die für die Diagnose die Verantwortung trägt. Die KI unterstützt bei all diesen Aufgaben, am Ende entscheidet der Mensch.



