Das Bayerische Hauptmünzamt mit Sitz in München ist eine von fünf deutschen Prägestätten für Münzgeld. Derzeit werden 21% des deutschen Münzbedarfs hier geprägt. Das Unternehmen blickt zurück auf eine lange Geschichte – und gleichzeitig in eine digitale und moderne Zukunft.
Die Geschichte
Gegründet 1158 durch Heinrich dem Löwen und verbrieft durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa im „Augsburger Schied“ kann das Bayerische Hauptmünzamt als ältestes Unternehmen auf eine kontinuierliche, fast 870 Jahre dauernde Geschichte zurückblicken.
Wurde in den ersten Jahrhunderten in der herzoglichen Münze nur der sog. „Münchner Pfennig“ geprägt so begann man im 16. Jahrhundert auch höherwertige Münzen, später sogar Goldmünzen, die Dukaten zu prägen.
Seit der Reichsgründung 1871 ist der Prägebuchstabe „D“ auf den Umlaufmünzen der Hinweis, dass diese Münzen vom Bayerischen Hauptmünzamt geprägt wurden.
1947/1948 wurden die Urwerkzeuge für die Währungsreform 1948 im Hauptmünzamt hergestellt.
Am 07. August 1998 fand im Bayerischen Hauptmünzamt die Anprägung des Euro im Beisein des damaligen Bundesfinanzministers Theo Waigel statt. Dies war das einzige Ereignis, bei dem alle 5 deutschen Münzzeichen in einer Münzstätte geprägt wurden. In München wurden bis Ende 2001 über 3,5 Milliarden Euro Münzen geprägt.
Seit 2001 nach ISO 9001 und seit 2006 nach ISO 14001 zertifiziert.
2015 erschien die weltweit erste Polymermünze, welche vom Bayerischen Hauptmünzamt mit seinen Partnern als fälschungssichere Technik entwickelt wurde.
Das Bayerische Hauptmünzamt aktuell
Das Unternehmen ist ein Wirtschaftsbetrieb des Freistaates Bayern, welcher auch der alleinige Eigentümer ist. Das Bayerische Hauptmünzamt ist als ein modernes, mittelständisches Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie anzusehen. Zur Produktpalette gehören neben dem klassischen Münzen auch Medaillen und Siegel, z.B. für Behörden im Bereich des Freistaats Bayern.
Neben Münzen für die BRD ist das Bayerische Hauptmünzamt weltweit aktiv. Seit 2002 werden hier verstärkt Münzen und Zwischenprodukte für diverse Staaten weltweit hergestellt. Im Bereich der hoheitlichen Aufträge für die BRD beschränkt sich das Aufgabenspektrum nur auf Prägung und die Verpackung/Konfektionierung der Münzen und Produkte. Für andere Kunden, etwa Nationalbanken, bietet das Bayerische Hauptmünzamt einen umfangreichen Service, welcher von einer Beratung über die Beschaffung von Material, Prägung, Verpackung und Versand die gesamte Palette der Münzherstellung umfasst.
Ein modernes Unternehmen
Im Zuge der Weiterentwicklung von Münzen in Bezug auf Fälschungssicherheit und Attraktivität ist und war das Bayerische Hauptmünzamt an mehreren deutschen und weltweiten Projekten beteiligt. Ein Ergebnis davon war 2015 die Ausgabe 5 € „Blauer Planet Erde“ in Polymertechnik. Seit 2022 wird die Serie „Im Dienst der Gesellschaft“ als 10 €-Münze herausgegeben. Das Bayerische Hauptmünzamt und seine bei der Entwicklung beteiligten Partner sind für dieses Produktionsverfahren weltweit Patentinhaber.
Seit 2025 bietet das Bayerische Hauptmünzamt weitere Anlageprodukte und als einzige deutsche Münzstätte eigene Anlageprodukte, den Bayernthaler an. Dieser wird in verschiedenen Größen in Gold und in Silber verkauft und versteht sich als bayerische Antwort auf andere bekannte Anlagemünzen.
Bedingt durch die neuen Anforderungen an Münzen, sowohl im Sammler als auch im Umlaufbereich verfügt das Unternehmen über einen modernen Maschinenpark. Dadurch ist es möglich unsere Produkte weltweit anzubieten. Zusätzlich bildet das Bayerische Hauptmünzamt seit 2015 seinen Nachwuchs selbst aus. Dadurch ist es möglich den Verlust an Know-how durch das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern zu minimieren.
Außerdem ermöglicht die moderne Ausrichtung des Unternehmens, sich an das, sich verändernde Arbeitsumfeld anzupassen und so einen Betrieb, welcher aus der handwerklichen Tradition kommt für eine digitale Zukunft fit zu machen. So etwa wurden neue Designs für Münzen und Medaillen traditionell in Handarbeit in Gips gearbeitet um anschließend von Hand graviert. In der neuen Arbeitswelt werden Designs digital erstellt und mit Laser graviert. Auch die Werkzeugherstellung konnte mit Hilfe neuer Techniken deutlich verbessert und beschleunigt werden. War früher mehr das handwerkliche Können ausschlaggebend, so tritt heute in einigen Produktionsbereichen die digitale Komponente deutlich in den Vordergrund.
Das Bayerische Hauptmünzamt ist ein Unternehmen, das die Modernisierung und die damit verbundenen Chancen der Digitalisierung erfolgreich nutzt, um die fast 9 Jahrhunderte dauernde Tradition der Münzprägung in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.
Dipl. Min. Christian Hofbauer ist seit 2000 als Qualitätsmanagement- und Umweltmanagementbeauftragter im Bayerischen Hauptmünzamt in dieser Position tätig und Mitglied in Euro-Arbeitsgruppen.



