Warum bin ich selbst damals zum Zoll gegangen? Erstens sorgt der Zoll als Teil der Finanzverwaltung für die finanzielle Grundlage des Staates. Dafür, dass Geld für Bildung, Infrastruktur und Sicherheit vorhanden ist. Zweitens kämpft er gegen Schwarzarbeit und Schmuggel, und drittens zieht er Waren aus dem Verkehr, die gegen europäische Verbraucherschutzstandards verstoßen. Diese Arbeit empfinde ich als sinnstiftend.
Ein weiterer Punkt war die Sicherheit: Wer auf Lebenszeit verbeamtet ist, muss sich keine Gedanken über den Jobverlust und die Altersvorsorge machen – denn das Gesetz sieht vor, dass der Staat seine Beamt*innen angemessen alimentiert. „Alimentieren“ bedeutet „unterhalten“ und umfasst unter anderem die Bezahlung; „angemessen“ meint, dass die Bezahlung die allgemeine wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung widerspiegeln muss. Wichtig ist dabei, dass Beamt*innen nicht unkündbar sind. Wer sich etwas zuschulden kommen lässt, kann aus dem Dienst entlassen werden.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Sicherheit einen Preis hat: Als Beamter verzichte ich aufs Streikrecht. Ich stehe in einem besonderen Dienst- und Treueverhältnis zum Staat. Heißt: Der Staat kann mich dorthin versetzen, wo er mich braucht – auch weit weg von meinem eigentlichen Wohnort, zum Beispiel an die deutsch-polnische Grenze. Diese Nachteile, wenn man so will, sind Kernbestandteile des Berufsbeamtentums, die wir als dbb jugend nicht infrage stellen.
Als gewerkschaftliche Jugendorganisation ist es unsere Aufgabe, bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen. Sorge bereitet der Fachkräftemangel. Bereits jetzt fehlen dem Staat 600.000 Beschäftigte. Wie können wir diesen Personalmangel beseitigen? Was ist jungen Menschen bei der Berufsentscheidung wichtig? Um diese Fragen zu beantworten, hat die dbb jugend eine Studie durchgeführt, in Kooperation mit der Universität in Potsdam. Sie ist unter dem Titel „Flexibel, digital, gut bezahlt?! Wie der öffentliche Dienst seine Mitarbeitenden bindet“ erschienen.
Bezahlung und Flexibilität am wichtigsten
Im Ranking der Studienteilnehmenden stehen jährliche Lohnsteigerungen an erster Stelle. Das ist in Zeiten, in denen die Preise an der Supermarktkasse immer weiter steigen, nicht weiter verwunderlich. An zweiter Stelle folgt die flexible Arbeitszeitgestaltung. Junge Menschen wollen Dienst, Privatleben und Familie unter einen Hut bringen.
Weitere bemerkenswerte Ergebnisse: die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Dabei stellt sich die Zufriedenheit ab zwei bis drei Tagen ein. Vollständig im Homeoffice arbeiten, das will die Mehrheit der Befragten nicht. Zudem sind starre Hierarchien und Bürokratie nicht maßgeblich dafür, ob jemand kündigt – vernachlässigt werden dürfen diese Punkte jedoch keineswegs, da sie das Engagement beeinträchtigen können. Ein agiler öffentlicher Dienst muss das Ziel sein.
Die Studienergebnisse sind in das Konzept der dbb jugend für ein modernes Berufsbeamtentum eingeflossen. Bei der Bezahlung hapert es noch, die angemessene Alimentation, wie sie das Bundesverfassungsgericht angeprangert hat, ist mit Blick auf den Bund immer noch nicht umgesetzt. Die Wochenarbeitszeit für Bundesbeamt*innen liegt aktuell bei 41 Stunden, das ist nicht mehr zeitgemäß und gegenüber der Privatwirtschaft ein Wettbewerbsnachteil. Und wir müssen die Entwicklungsperspektiven verbessern – aktuell ist es oft so, dass formale Wartezeiten Beförderungen entgegenstehen, die gemessen an fachlichen Leistungen längst überfällig sind. Die Folge: Gute Leute, die der öffentliche Dienst so dringend braucht, wechseln in die Privatwirtschaft, weil sie dort bessere Perspektiven sehen. Das Berufsbeamtentum braucht ein Update!



