Hans-Peter Kerkeling for Bundespräsident – die entsprechende Petition hat bis heute über 100.000 Unterschriften erhalten. Was das mit Diversity zu tun hat? Die Antwort darauf ist vielschichtig. Plakativ, aber nicht zu vernachlässigen: Hape Kerkeling ist mit einem Mann verheiratet, seine Homosexualität ist seit Jahrzehnten bekannt. Einen Text in der „Dienst nach Vielfalt“-Ausgabe erhält die Petition trotzdem aus anderen Gründen.
Die Voraussetzungen für eine Kandidatur sind überschaubar. Ein*e Kandidat*in muss mindestens 40 Jahre alt sein, deutsche*r Staatsbürger*in und wahlberechtigt zum Bundestag. Was zeichnet eine*n gute*n und diverse*n Kandidat*in für die Wahl am 30. Januar 2027 aus?
Das Amt des/der Bundespräsident*in ist vorrangig ein repräsentatives. Statt langjähriger politischer Erfahrung wären demnach andere Qualitäten erstrebenswert.
- Überparteilichkeit: Ein*e Bundespräsident*in steht im Dienste der Demokratie und soll weder die regierende Koalition noch die Opposition bevorzugen.
- Einsatz für Demokratie und Toleranz: Im In- und Ausland repräsentiert ein*e Bundespräsident*in Werte, auf denen sich der deutsche Staat gründet.
- Würdiger Umgang mit schwierigen Themen: Ob zu Gedenkfeiern, der traditionellen Weihnachtsansprache oder bei sonstigen Gelegenheiten, zu denen Mikrofone, Kameras und/oder diplomatische Gäste anwesend sind – ein*e Bundespräsident*in sollte stets den der Situation angemessenen Ton treffen.
- Wandelbar und nahbar: Deutsche Bundespräsidenten waren bisher durchgehend männlich und im Schnitt über 60 Jahre alt. Offenheit und ein „guter Draht“ zu Menschen aus verschiedenen Lebensrealitäten ermöglichen es, auch Bevölkerungsgruppen zu repräsentieren, denen man selbst nicht angehört.
- Akzeptanz: Es wäre utopisch, nur Kandidat*innen zu berücksichtigen, die von allen deutschen Staatsbürger*innen unterstützt werden. Aber ein*e Kandidat*in, der/die vom Gros der Wähler*innen zumindest akzeptiert werden kann, wäre ein Anfang.
Und was hat Hape Kerkeling mit dieser Liste zu tun? Er ist parteilos, spricht sich offen für Demokratie und gegen Diskriminierung aus. Seine Ansprache in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald im April 2026 wurde als „erschütternd und gleichzeitig inspirierend“ beschrieben. In seiner Karriere als Komiker, Autor, Moderator, Schauspieler und mehr hat Kerkeling bewiesen, dass er sein Publikum lesen und sich auf den aktuellen Zeitgeist einlassen kann. Und die Akzeptanz? Hape Kerkeling ist manchen zu exzentrisch, anderen zu alt oder zu albern. Doch er gilt allgemein als „auf dem Boden geblieben“. Als „einer von uns“.

Warum also nicht? Nicht einmal Hape Kerkeling selbst schließt die Kandidatur aus.
Und warum macht ihn das zu einem guten Kandidaten im Zeichen der Diversität? Er ist kein Politiker, kein Diplomat, kein Staatsmann im klassischen Sinne. Er stammt aus dem Ruhrgebiet und ist der Sohn eines Handwerkers. Er ist homosexuell und wurde im Fernsehen 1991 ohne seine Zustimmung geoutet. Er ist der Enkel eines KZ-Häftlings und Verfechter der Demokratie. Für seine Kunstfiguren hat er sich mit vielen Stereotypen, mit Klischees und Geschichten auseinander gesetzt.
Ein einzelnes Amt kann nicht paritätisch besetzt werden, eine Person verkörpert nicht die Vielfalt – man könnte sich höchstens abwechseln. Also muss es vielleicht reichen, wenn der oder die Kandidat*in mit vielen von uns die eine oder andere Sache gemein hat.



