Einsamkeit statt Freunde treffen. Elternhaus statt Abschlussfahrt. Studieren am Bildschirm statt Campusleben. Das sind Erinnerungen, die viele junge Menschen mit der Corona-Pandemie verbinden. Ich selbst stand damals in den Startlöchern fürs Masterstudium in Berlin und war voller Erwartungen und Vorfreunde, meine Kommiliton*innen aus der ganzen Welt kennenzulernen. Doch daraus wurde nichts. Die meisten sind erst gar nicht nach Deutschland gezogen. Das Studium fand digital statt.
Bemerkenswert ist: Während der Pandemie waren 56 Prozent der Bevölkerung der Meinung, dass der Staat seine Aufgaben erfüllen kann. Das geht aus der Bürgerbefragung hervor, die der dbb 2020 veröffentlicht hat. Krankenhäuser, Gesundheitsamt, Polizei, Schule, Verwaltung – die Menschen haben wahrgenommen, dass der öffentliche Dienst für sie da ist.
Natürlich ist vieles auch nicht optimal gelaufen: Man darf nicht vergessen, welchen Preis die Lockdowns hatten, insbesondere für die junge Generation. Die Zahl derer, die psychischen Probleme haben, ist massiv angestiegen, um nur ein Beispiel zu nennen. Aber das Ergebnis zeigt: Es gab damals größeres Vertrauen in die staatliche Handlungsfähigkeit als heute. Zum Vergleich: Laut aktueller Bürgerbefragung glauben nur noch 17 Prozent der Bevölkerung, dass der Staat seinen Aufgaben gewachsen ist. Ein neuer Negativrekord.
Krisen erstrecken sich über viele Dimensionen
Egal, wohin man gerade schaut, überall kriselt es. Die weltpolitische Lage ist angespannt wie lange nicht. Der Sommer hat gezeigt, wie stark sich klimatische Veränderungen bemerkbar machen, von Hitzewellen über Waldbrände bis hin zu niedrigen Pegelständen in den Flüssen.
Auch im öffentlichen Dienst läuft es vielerorts nicht rund. Dabei sollte der Staat gerade in unsicheren Zeiten Stabilität bieten. Es braucht überall eine agile Verwaltung, die sich schnell und unkompliziert um die Anliegen der Menschen kümmert. Eine funktionierende Infrastruktur, gute Bildung und eine gute Gesundheitsversorgung. Und nicht zuletzt muss der Staat angesichts der Krisen handlungsfähig sein: Sei es mit Blick auf Drohnen-Vorfälle, Stromausfälle oder Zivilschutz und Verteidigung. Gerade in diesen krisenrelevanten Bereichen braucht es mehr Stellen, bessere Ausstattung und attraktivere Bedingungen für Beamt*innen.
Im Übrigen: Leider wird in der öffentlichen Debatte zu oft vergessen, dass das Berufsbeamtentum die Stabilität liefert, die wir brauchen. Verbeamtungen finden statt, damit der Staat systemrelevante Aufgaben jederzeit zuverlässig erledigen kann. Deshalb haben Beamt*innen – anders als Arbeitnehmende – kein Streikrecht. Niemand will die Polizei rufen und hören, dass sie gerade die Arbeit niedergelegt hat und nicht kommen kann. Dasselbe gilt für Feuerwehr und Rettungsdienst.
Die Krisenfestigkeit Deutschlands hängt maßgeblich von der Qualifikation, Motivation und Einsatzbereitschaft des Öffentlichen Dienstes ab. Hier braucht es gezielte Investitionen in Aus- und Weiterbildung. Als junge Angehörige des Öffentlichen Dienstes bringt die dbb jugend digitale Kompetenzen, frische Ideen und langfristiges Denken für eine bessere Krisenfestigkeit des Staates ein. Wir wollen nicht nur Opfer von Krisen sein, sondern aktiv an Lösungen mitarbeiten – in Verwaltung, Politik und Gesellschaft. Denn junge Menschen müssen am längsten mit den Entscheidungen von heute leben.



