Montag, 28. November 2022

Ehrenpflegas

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Tanja Klement
Tanja Klement
Tanja Klement kümmert sich um Social Media und Podcast. Nach Feierabend sitzt sie gerne noch an der Nähmaschine.

Wenn Ministerien und Parteien sich an der Videoproduktion versuchen, ist das eigentlich selten ein Grund für allgemeine Begeisterung. Mit der Miniserie „Ehrenpflegas“ hat sich das Bundesfamilienministerium jetzt aber nicht nur Kritik, sondern schon eher einen mittelschweren Shitstorm eingehandelt. Warum die Aufregung? Fangen wir am besten ganz am Anfang an.

Der Personalnotstand in der Pflege ist ein echtes Problem und wird sich in den nächsten Jahren noch weiter verschlimmern. Dass jetzt nach neuen Wegen gesucht wird, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen, ist generell löblich. Auch der Fokus auf angehende Auszubildende ist sinnvoll, denn nur wenn es genug Nachwuchs gibt, lässt sich die Situation nachhaltig verbessern. Aber statt die großen Themen wie Bezahlung, Wertschätzung und Arbeitszeiten anzugehen, die auch gerade in der Corona-Pandemie immer wieder öffentlich diskutiert wurden, hat sich das Team um Familienministerin Franziska Giffey für einen anderen Weg entschieden.

Mit Schauspielerinnen und Schauspielern aus den erfolgreichen Netflix-Serien „Dark“ und „How to Sell Drugs Online (Fast)“ und den Machern von „Fack ju Göhte“ wurde eine 5-teilige Serie produziert, die Jugendliche neugierig machen soll. Gesamtkosten: 700.000 Euro. Zum Vergleich, eine fertig ausgebildete Pflegefachkraft verdient im Schnitt etwa 24.600 Euro im Jahr. Und dafür kommen dann Szenen wie diese zustande:

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Von den Produktionskosten allein, könnten demnach 28 Pfleger und Pflegerinnen bezahlt werden. Aber bei den Kritikpunkten an „Ehrenpflegas“ fallen die Kosten eher unter „ferner liefen“. Vor allem Menschen, die selbst in Pflegeberufen arbeiten, sind entsetzt, wie Pflegeazubis und die Ausbildung dargestellt werden. Natürlich sind diese Figuren überspitzt. Aber die Einstellung der Hauptfigur Boris spiegelt nicht einmal annähernd das wider, was es braucht um in diesem Arbeitsfeld gute Arbeit zu machen.

Aber nicht nur die Miniserie an sich ist eher fragwürdig. Auch die Reaktion aus dem Familienministerium – immerhin sprächen jetzt alle über die Pflege – stößt auf wenig Begeisterung. Das kann auch ein Zusatzvideo mit einem „Ehrenpflegas“ Reality-Check nicht retten.

Alles in Allem eher ein Anlass zum Fremdschämen als eine gelungene Aktion für die Pflege.

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