Mittwoch, 25. März 2026

Polizeibienen in Frankfurt

Tierisch engagiert

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Amtliche Tiere? – da denkt man vermutlich erstmal an den Rauschgiftspürhund oder die Polizeipferde bei Demonstrationen. Die Polizei in Frankfurt hat aber noch ein weiteres Tier in petto, mit dem man in diesem Kontext vermutlich eher nicht gerechnet hätte…

2016 brachte ein Freund Hauptkommissar Marco Weinthäter auf die Idee mit der Imkerei anzufangen. Das neue Hobby blieb auch im Arbeitsumfeld nicht verborgen und 2018 entstand so die Idee, die große ungenutzte Dachfläche des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main sinnvoll zu nutzen.

Die Frankfurter Polizeibienen waren geboren.

Von der Idee bis zur Umsetzung drei Jahre später galt es jedoch einige Hürden zu überwinden. Was sagt die Behördenleitung dazu? Ist der Eigentümer einverstanden? Kann der Arbeitsschutz eingehalten werden? Gibt es Einschränkungen durch die Stadt Frankfurt für Imkerei auf dem Dach? Fragen über Fragen für den Hobby-Imker, der sich in seiner Freizeit um die Bienenvölker kümmert, denn – das muss an der Stelle gesagt sein – die Bienen gehören nicht der Polizei Frankfurt, sondern Marco. Er hat dafür extra einen Vertrag mit der Behörde abgeschlossen und eine Genehmigung der Stadt für fünf Bienenvölker eingeholt. Die Nebentätigkeit ist natürlich auch genehmigt – Ordnung muss schließlich sein.

Im April 2021 ging es dann endlich los. Zwischen Mitte April und Mitte Juli gilt es regelmäßig nach dem Volk zu schauen, damit die Honiggewinnung gut läuft. Mitte bis Ende Juli wird der Honig aus den Waben geschleudert und gesäubert, bevor er in Gläser abgefüllt werden kann. Anschließend muss das Bienenvolk mit Zuckerwasser angefüttert werden, bevor es sich gegen Ende November zurückzieht. Über den Winter lässt man die Bienen in Ruhe, um das Überleben in der kalten Jahreszeit nicht zu gefährden und beginnt im Frühjahr wieder damit, regelmäßig nach den Bienen zu schauen. Da für die regelmäßigen Bienenbesuche eine spezielle Imker-Ausrüstung erforderlich ist, gibt es einen eigenen Spint am Dachaufgang.

Das Polizeipräsidium profitiert natürlich auch von dem guten Image durch die Bienen und fördert auf diese Weise auch die Biodiversität in der Umgebung. Dazu kommt, dass das Polizeipräsidium laut Vertrag Honig erwerben kann und das wird auch gemacht. Im letzten Umlauf wurden 100 Gläser Honig gekauft, die von der Behörde als sogenannte Give-Aways verschenkt werden.

Und Marco? Marco hat aktuell 3 Bienenvölker auf dem Dach. Er und sein Kollege, der ihm zwischenzeitlich zur Hand geht, wollen aber auf 5 Völker aufstocken. Ein Volk beschert ihnen etwa 30kg Honig. Die sind meistens schon weg, bevor sie geerntet wurden, so beliebt ist der Honig auf der Arbeit. Von den 5€ Preis pro Glas spenden Marco und sein Kollege zudem 2,50€ für gemeinnützige Zwecke. Viel verdienen die beiden zwar nicht an ihrer Arbeit, aber das wiegt der Spaß am Umgang mit den Bienenvölkern wieder auf. Und die Resonanz von außen ist auch gut. Marco betreibt zum Beispiel einen Instagram-Kanal (@polizei.bienen.frankfurt) mit über 1.000 Follower*innen. Eine eigene Webseite haben die Bienen zudem auch.


(Foto: Privat)

Christina Lang ist Kriminalhauptkommissarin und aktuell Pressesprecherin im Polizeipräsidium Frankfurt am Main.

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