Sonntag, 4. Dezember 2022

Landesstrategie Green IT Baden-Württemberg

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Ein Baustein für die nachhaltige Landesverwaltung

Landesstrategie Green IT – Hintergründe und Ziele

Der digitale Wandel birgt für die Verwaltung die Chance, mit online angebotenen Dienstleistungen nutzerfreundlicher zu werden, Daten besser zu verarbeiten und moderne Arbeitsformen zu ermöglichen. Gleichzeitig sorgt die Digitalisierung für einen zunehmenden Bedarf an Ressourcen und ist dadurch mit ökologischen und sozialen Auswirkungen verbunden. Der Energie- und Ressourcenbedarf fällt dabei auf dem gesamten Lebensweg an: während des Abbaus von Rohstoffen, während der Produktion, in der Nutzung und in der Entsorgung. Green IT heißt, Informations- und Kommunikationstechnologien über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg möglichst ressourcenschonend einzusetzen.

Im Zusammenspiel mit der Digitalisierungsstrategie digital@bw wirkt die Landesstrategie Green IT, die 2014 initialisiert wurde. Sie hat zum Ziel, die Informations- und Kommunikationstechnologie der Landesverwaltung Baden-Württemberg ressourceneffizienter zu gestalten. Dafür wurden die fünf Themenfelder Arbeitsplatz, Beschaffung, Rechenzentren, Organisation/Energiemanagement und Wissenschaftsbetrieb definiert, die jeweils mit Maßnahmen verbunden sind.

Den übergeordneten Rahmen bildet das Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg, in dem die Landesverwaltung ihre Vorbildfunktion auf dem Weg zur klimaneutralen Landesverwaltung einnimmt. Die Landesstrategie Green IT ist dafür ein wichtiger Treiber.

Green IT – eine Teamaufgabe

Die Federführung der Landesstrategie Green IT liegt im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft bei der Kompetenzstelle Green IT. Die Umsetzung der Landesstrategie funktioniert aber nicht im Alleingang, sondern im Zusammenspiel verschiedener Ressorts und Akteure. Eine interministerielle Arbeitsgruppe auf Landesebene dient der ressortübergreifenden Ausgestaltung und Weiterentwicklung der Strategie. Hier werden Projektideen entwickelt, konkrete Maßnahmen besprochen und neue Entwicklungen weitergegeben. Länderübergreifend und zusammen mit dem Bund fungieren die „Expertengruppe Ressourceneffizienz (IKT)“ und die „Kooperationsgruppe (KG) Green IT“ des IT-Planungsrats als weitere Austausch- und Strategiegremien. Das in der KG Green IT entwickelte Strategie- und Maßnahmenpapier für eine ressourcenschonende Verwaltungs-IT dient als Grundlage zur Entwicklung einer Green IT-Strategie auf Länderebene.

Green IT – ganz konkret

Die Landesstrategie Green IT wirkt auf verschiedenen Themenfeldern, so beispielsweise in der Beschaffung. Die IT-seitige Ausstattung der Arbeitsplätze in den Ressorts erfolgt über die Ausschreibung von landesweiten Rahmenverträgen. Welche Nachhaltigkeitskriterien darin gefordert werden können, hängt auch von den entsprechenden Vorschriften und Richtlinien ab. Die Verwaltungsvorschrift (VwV) Beschaffung und die VwV IT Standards konnten dahingehend erweitert werden, um der Beschaffung nachhaltiger IT eine rechtliche Grundlage zu geben. Im Jahr 2020 wurden so Computermäuse bestellt, die unter transparenten und zum Teil fairen Arbeitsbedingungen produziert werden.

Ein weiteres Themenfeld sind die Rechenzentren der Landesverwaltung. Inklusive des Wissenschaftsbetriebs verursachen diese rund drei Viertel des IT-bedingten Stromverbrauchs der Landesverwaltung. Das vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft geförderte Forschungsprojekt „Nachhaltige Rechenzentren (EcoRZ)“ ging der Frage nach, welchen Beitrag Rechenzentren zu Energiewende und Nachhaltigkeit leisten können. Untersucht wurden u.a. die Aspekte Standortwahl, Effizienzsteigerung und Abwärmenutzung.  Auf dieser Basis wurde ein Leitfaden für einen nachhaltigen, energieeffizienten Betrieb von Rechenzentren veröffentlicht.

Für eine ressourceneffiziente IT spielt jedoch nicht nur die eingesetzte Hardware eine Rolle, sondern auch die verwendete Software. Deren zugrundeliegende Programmierung und die Art ihrer Nutzung sind wichtige Faktoren beim Verbrauch von Strom. In einer Machbarkeitsstudie soll daher anhand eines in der Umweltverwaltung Baden-Württemberg verwendeten Softwareprogramms beleuchtet werden, wie sich der Kriterienkatalog des „Blauen Engels für ressourcen- und energieeffiziente Softwareprodukte“ anwenden lässt und welche technischen und personellen Aufwände damit verbunden sind. Daraus sollen Erkenntnisse abgeleitet werden, wie sich zukünftig entsprechende Anforderungen in Entwicklungsvorgaben zu verwaltungseigenen Programmen integrieren lassen.

Green IT heißt schlussendlich aber auch, viel zu kommunizieren und sich über Erfahrungen und Erkenntnisse auszutauschen. Im Online-Workshop „Green IT in der Kommunal- und Landesverwaltung“ am 21.10.2021 lädt die Kompetenzstelle Green IT des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft ein, sich zu den Themen nachhaltige IT-Beschaffung, Effizienzsteigerung in Rechenzentren und Rechenzentren als Teil der kommunalen Wärmeplanung auszutauschen. Die Plattform https://green-it.baden-wuerttemberg.de/ bietet detaillierte Informationen zu Green IT-Maßnahmen und Best-Practice-Beispielen. In Vorträgen wie beispielsweise am 25.11.2021 zum OpenGovernmentTag 2021 in München informiert die Kompetenzstelle Green IT zu Aktivitäten rund um das Thema.

Dr. Ulrike Kugler ist seit 2018 in der Kompetenzstelle Green IT am Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft tätig. Zuvor beschäftigte sie sich an der Universität Stuttgart und am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit der ökologisch-ökonomischen Bewertung von Technologien zur Minderung von Emissionen.

(Foto: Privat)

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