Montag, 28. November 2022

Auf Streife im Nationalpark

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Matthias Lorenz
Matthias Lorenz
Matthias Lorenz schreibt sowohl Texte für den Online-Bereich als auch für die Zeitung. Privat ist er Hobby-Tennisspieler und begeisterter Handball-Fan.

Mario Schmid ist Ranger im Nationalpark Bayerischer Wald, dem ältesten Nationalpark Deutschlands. Als Teil der sogenannten Nationalparkwacht kontrolliert Schmid, der Hilfsbeamter der Staatsanwaltschaft ist, die Einhaltung der geltenden Regeln durch die Besucher*innen. Doch sein Aufgabenspektrum ist noch viel breiter, wie er bei einer Wanderung durch den Nationalpark erklärt.

In seinem Revier kennt sich Schmid sehr gut aus. Stolz erläutert er die vielfältige Landschaft und Natur, auf die er in seinem Job aufpasst.

Der Großteil der Fläche des Nationalparks ist mit Wald bedeckt. Schmid ist unter anderem für die Wegesicherheit zuständig und sorgt dafür, dass zum Beispiel nach einem Sturm offizielle Wege passierbar sind.

Bis auf das Freiräumen der Wege wird die Natur im Nationalpark jedoch weitestgehend sich selbst überlassen. Totholz, wie nach Borkenkäferbefall oder Sturmschäden, bleibt stehen und liegen. Dies führt zu ungewohnten Anblicken. Schmid erklärt, dass dies jedoch Teil der natürlichen Entwicklung ist und sich die Natur am besten selbst erholt.

Neben Wald gibt es im Bayerischen Wald auch Hochmoorgebiete und einen Stausee. Außerdem prägen historische Weiden (auch Schachten genannt), welche im Mittelalter angelegt wurden, das Bild. Damals ließen die Menschen einzelne Bäume auf der Freifläche stehen, um vor Wind und Wetter geschützt zu sein. Wandert man über die Schachten, begegnen einem deswegen heute noch teils Jahrhunderte alte Bäume.

Neben Wanderungen können die Besucher*innen den Nationalpark im Sommer mit dem Rad erkunden, allerdings nur auf ausgewählten Strecken. Fahren Naturbegeisterte auf anderen Wegen, schreitet Schmid ein.

Schmid selbst darf im Nationalpark jedoch auch einige Strecken mit dem Auto zurücklegen. Das ist bei der Größe seines Reviers auch zwingend erforderlich.

Da die meisten Gebiete im Bayerischen Wald jedoch nicht mit dem Auto zugänglich sind, ist Schmid viel zu Fuß unterwegs. Im Gegensatz zu den Besucher*innen darf er auch die offiziellen Wege verlassen. Immer wieder halten sich Wander*innen jedoch nicht an das Wegegebot. Schmid berichtet auch von Wildcamper*innen. Die Zahl der Verstöße sei in letzter Zeit gestiegen, so der Ranger, was seiner Vermutung nach auch mit Corona zusammenhängen könnte: “Die Leute sind viel mehr draußen unterwegs, viele suchen auch die Einsamkeit in der Natur.”

Eine weitere Aufgabe Schmids ist das Monitoring der Natur. Stößt er auf seinen Streifengängen auf interessante Funde, wie in diesem Fall eine tote Waldspitzmaus, oder hört besonderen Tierlaut, trägt er sie in eine App ein. Hier werden Angaben zur Fundstelle, zur Anzahl der Objekte und zu weiteren Dingen gemacht. Die Daten dienen unter anderem der Forschung, auch externe Forscher*innen können Zugang erhalten.

Natürlich sind Ranger*innen keine Wissenschaftler*innen, trotzdem kennen sie sich sehr gut mit der Natur aus. Jeder habe ein besonderes Steckenpferd, erzählt Schmid. Beim einen seien es die Insekten, bei einer anderen die Ornithologie. “Mein Steckenpferd sind die großen Beutegreifer, also Luchs und Wolf.” Beide Arten leben im Nationalpark in freier Wildbahn. Der Wolf auf diesem Foto lebt jedoch im Wildgehege. Eine Begegnung mit Luchs oder Wolf in der Natur ist äußerst unwahrscheinlich.

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