Samstag, 29. November 2025

Unzureichende Digitalisierung bei der Gefahrenabwehr

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Bennet Klawon
Bennet Klawon
Bennet Klawon ist zuständig für den Bevölkerungs- und Katastrophenschutz. Manchmal richtet er bei Kochexperimenten selbst mittlere Katastrophen an.

Immer neue Meldungen zu besseren technischen Errungenschaften in der Rettungstechnik machen die Runde. Die viel gerühmte Digitalisierung mache das Lebenretten zu einem Kinderspiel. Es müsse nur richtig eingesetzt werden. Ein Digitalisierungsprojekt jagt das nächste.

Im krassen Gegensatz dazu stehen die Studienergebnisse des safety innovation center. Rund 40 Prozent der Angehörigen von den Berufsfeuerwehren gaben an, private Geräte und Software für die Organisation zu nutzen. Bei den Freiwilligen Feuerwehren, den Hilfsorganisationen und dem THW waren es sogar über zwei Drittel der Befragten. Während bei Berufsfeuerwehren auf rund 40 Prozent der Einsatzfahrzeuge kein Navigationsgerät zu finden ist, so sind es beim THW sage und schreibe 97 Prozent der Fahrzeuge.

Also wovon reden wir, wenn es um die Digitalisierung von Feuerwehr und Katastrophenschutz geht? Es geht nicht um ein Entweder-Oder, sondern um eine vernünftige Grundausstattung für die Leute, die uns im Notfall retten sollen. Dazu zählt neben dem Schlauch eben auch das Navigationsgerät auf dem Wagen. Klar müssen auch neue Lösungen für neue Herausforderungen und Probleme gefunden werden. Jedoch nicht auf Kosten einer anständigen Grundausstattung. Feuerwehrangehörige und THW-Kräfte sollen nicht gezwungen sein, neben ihrer Freizeit und manchmal auch Gesundheit auch noch bei dem Megathema Digitalisierung ihre privaten Ressourcen zu opfern.

Die Forderung die Digitalisierung auch in die Bedarfspläne von Rettungsdienst und Brandschutz aufzunehmen kann nur die einzige Konsequenz sein. Das bedeutet eben auch, dass Geld und Personal in die Hand genommen werden muss, um auch in der Fläche einfachste technische Geräte und Software zubringen. Ob der Vorschlag der Vereinigung zur Förderung des deutschen Brandschutzes nach einem „Digital Pakt Gefahrenabwehr“ der richtige Weg ist, muss diskutiert werden. Natürlich in der Hoffnung, dass dieser Pakt nicht das gleiche Schicksal ereilet wie sein Namensvetter der „DigitalPakt Schule“, bei dem – siehe Corona-Krise – das Geld und die Anschaffungen mehr oder minder verpufft sind. Wenn uns diese Pandemie eins gelehrt hat, dann dies: Eine vernünftige Grundausstattung in der Gefahrenabwehr ist das A und O. 

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