Montag, 26. September 2022

Verwaltung eGovernment-ready machen – aber wie?

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Letzte Woche haben die Autor*innen die Ergebnisse ihrer Studie präsentiert. Auf Grundlage dieser vorangegangenen Analysen sprechen sie nun im zweiten Teil verschiedene Empfehlungen aus. Diese decken drei Hauptbereiche der Veränderung ab: Kommunikation und Transparenz, Weiterbildung sowie Co-Creation. In diesen Bereichen können vor allem Mitarbeiter*innen der Führungsebene eine steuernde Rolle spielen.

Erstens muss die Kommunikation mit Bürger*innen und anderen beteiligten Interessengruppen verbessert werden. Die Kommunikation auf allen Ebenen und mit allen Beteiligten ist ein entscheidender Faktor für die weitere Entwicklung digitaler Initiativen im öffentlichen Sektor. Um dies zu erleichtern, sollte ein Open-Source-Live-Dashboard auf Basis spezifischer Projekt-Key-Performance-Indikatoren (KPIs) erstellt werden, um Projektergebnisse ansprechend zu visualisieren. Als Voraussetzung für eine fruchtvolle Kommunikation muss zudem eine faire Feedback-Kultur zwischen Abteilungen und Institutionen etabliert werden.

Zweitens ist eine Anpassung bisheriger Schulungsinhalte für Verwaltungsmitarbeiter*innen von größter Bedeutung, um wettbewerbsfähig zu bleiben und die fachliche Meinung der öffentlichen Hand unabhängig von Beratungsunternehmen aufrechterhalten zu können. Daher ist die Bereitstellung von tool-spezifischen Schulungen und die Einrichtung von Single Points of Contact (SPOCs) in den Abteilungen nach der Einführung neuer Prozesse und Software unumgänglich. Der Lehrplan für die Ausbildung neuer Mitarbeiter*innen des öffentlichen Sektors bedarf in Bezug auf Digitalisierung und Verwaltungsinformatik einer grundlegenden fachlichen Überarbeitung. Eine engere Zusammenarbeit mit der Industrie und/oder der Zivilgesellschaft wäre hier von Vorteil.

Schließlich ist Co-Creation ein wichtiger Baustein, um die Beteiligung der Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes am Digitalisierungsprozess zu erhöhen. Es ist von großer Bedeutung, sie in den Entscheidungsprozess einzubeziehen, sobald neue e-Services oder Gesetze eingeführt werden. Dabei muss jedoch darauf geachtet werden, dass es sich um eine Bewertung und einen Erfahrungsaustausch unter den Beschäftigten des öffentlichen Sektors handelt und keine Entscheidungsgewalt bei der Festlegung neuer Gesetze besteht. Andernfalls könnte eine latente Gefahr bestehen, dass angestrebte Digitalisierungsfortschritte durch verhärtete Strukturen gehemmt werden. 

Diese Empfehlungen machen deutlich, wie notwendig die Einbindung der Mitarbeiter*innen der öffentlichen Verwaltungen in jeder Phase der digitalen Transformation ist.

Den vollständigen Artikel findet ihr in englischer Sprache online zugänglich in der Ausgabe 01/2021 der Zeitschrift “dms – der moderne staat – Zeitschrift für Public Policy, Recht und Management”. Für Fragen steht euch Florian Lemke, M.Sc. Eng. (florian.lemke@capgemini.com) gern zur Verfügung.

Florian Lemke ist Senior Business Analyst bei Capgemini in Berlin und promoviert zu Zukunftsthemen des eGovernment in Deutschland, der EU und Asien. Als Experte für die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes in Deutschland setzt er sich für eine Dienstleistungsorientierte Verwaltung der Zukunft ein.

Olha Popelyshyn ist eine ukrainische Business Data Analystin die in Tallinn lebt. Sie hat eGovernment in Estland studiert und forscht zu Open Data. Sie analysiert, wie Daten die Bereitstellung von Onlineservices beeinflussen und hierdurch Transparenz geschaffen werden kann.

Konstantin Ehrhardt ist Masterstudierender im Doppelabschlussprogramm “Management & Public Policy” der École des Hautes Études Commerciales de Paris (HEC Paris) und Freien Universität Berlin. Er interessiert sich vor allem für politische Entscheidungsprozesse auf nationaler und supranationaler Ebene sowie die Umsetzung komplexer strategischer Vorhaben und das Management auftretender Herausforderungen an der Schnittstelle von Wirtschaft, Politik und Verwaltung.

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