Donnerstag, 1. Dezember 2022

Wie kann Einbruchprävention gelingen?

Resilienz - Prävention und Reaktion

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Wenn die Tage wieder kürzer werden, nutzen auch Kriminelle die Dunkelheit aus, um sich im verborgenen Zugang zu Häusern und Wohnungen zu beschaffen. f4p hat mit Kriminalhauptkommissar Georg von Strünck aus Berlin gesprochen, um herauszufinden, wie man sich in den eigenen vier Wänden vor Langfingern bestmöglich schützen kann.

“Einbrecher wollen vor allem nicht entdeckt werden“, weiß von Strünck. Denn der Berliner Beamte beschäftigt sich seit Jahren mit der Einbruchsprävention. Er erläutert, wie man sich bestmöglich vor Eindringlingen schützt. Von seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz profitiert allerdings nicht nur die Polizei Berlin. Wie viele andere Städte und Gemeinden betreibt Berlin ein Einbruchpräventionszentrum. Bürger*innen erhalten hier telefonisch Hinweise zum Einbruchschutz. In den Räumlichkeiten geben Anschauungsobjekte darüber Aufschluss, wie Pilzkopfzapfen, Warnanlagen, Sicherheitsschränke und Co. funktionieren. Wenn Bedarf besteht, kann auch ein kostenloser Objektbesichtigungstermin abgesprochen werden. Dann fährt ein*e Beamt*in zum Gebäude, gibt ganz konkrete Tipps und weist auf Schwachstellen am Wohnraum hin.  

Auf frischer Tat ertappt

Denn wenn die Kriminellen erstmal in der Wohnung sind, können deutschlandweit weniger als 20 Prozent der Einbrüche aufgeklärt werden. Nach erfolgreicher Tat sind die Dieb*innen schnell über alle Berge. Die höchste Aufklärungswahrscheinlichkeit besteht deshalb, wenn die Täter*innen auf frischer Tat ertappt werden. Das gelingt vor allem dann, wenn Nachbarn und Anlieger wachsam sind. Der Experte rät: “Zögern Sie nicht die Polizei zu rufen, wenn Sie auffälliges Verhalten bemerken.“ Auch bei Fehlalarm entstünden keine Kosten für die Meldenden. Auf mögliche Einbruchaktivitäten kann zum Beispiel hinweisen, wenn Personen versuchen, möglichst unentdeckt zu bleiben. Gerne wird mehrfach geklingelt, um sicherzustellen, dass niemand in der Wohnung oder dem Gebäude verblieben ist. Wenn dieses Verhalten beobachtet wird oder verdächtige Geräusche, vom Krachen übers Klirren bis zum Quietschen, zu vernehmen sind, sollte immer die Polizei alarmiert werden. Manch trickreicher Langfinger tritt auch in Uniform von Lieferdienst oder Paketservice auf. Spätestens aber wenn mehrfach geklingelt und sich an Türen und Fenstern zu schaffen gemacht wird, sollte auch beim scheinbaren Pizzaboten die 110 gewählt werden. Die Polizist*innen gehen Hinweisen gerne nach, auch wenn manchmal nur ein*e Handwerker*in eigenständig Arbeiten durchgeführt hat.

Die niedrige Aufklärungsquote soll allerdings nicht dazu verleiten, die Einbruchsprävention als hoffnungsloses Unterfangen abzutun. Der Aussage, man könne sich nicht schützen, denn Diebe kämen so oder so ins Haus, erteilt Hauptkommissar von Strünck eine klare Absage. “Etwa die Hälfte der Einbrüche scheitert vor allem an gesicherten Fenstern und Türen.“, stellt der Experte richtig. Man könne sich gut schützen.  

Mechanische Sicherung schützt

Ganz oben auf der To-Do-Liste steht dabei die mechanische Sicherung. Wenn diese gegeben ist, kann über Warnsysteme zur Ergänzung nachgedacht werden. Während bei vielen zunächst der fehlende oder veraltete abschließbare Fenstergriff am Fenster als Einstiegsmöglichkeit betrachtet wird, machen Expert*innen häufig andere Schwachstellen aus. “Der abschließbare Fenstergriff  hilft nur, wenn das Fenster eingeschlagen und hereingegriffen wird. Häufig werden Fenster oder Türen aber schlicht aufgehebelt,“ sagt von Strünck. Mechanische Sicherung sei deshalb der bedeutende Faktor. Potenzielle Einbrecher*innen suchen meist schlecht einsehbare Orte wie die Hausrückseite oder Kellerabgänge, um ungestört an Türen und Fenstern hantieren zu können. Auch schrecken sie nicht davor zurück, zu schwach gesicherten Stellen zu klettern. Solche Bereiche an Gebäuden sollten deshalb bei der Einbruchsprävention besonders bedacht werden.

Wenn es trotz Vorsichtsmaßnahmen aber dennoch zu einem Einbruch kommt, rät der Experte davon ab, die Wohnung sofort zu betreten, sobald das aufgebrochene Schloss oder ein aufgehebeltes Fenster bemerkt wird. Der oder die Einbrechenden könnten sich noch in den Wohnräumen befinden. Stattdessen gilt es, zunächst die Polizei herbeizurufen. Es gäbe keinen Anlass, die Wohnung zu betreten. Viele Menschen überkäme beim Anblick der zerwühlten und auf dem Boden verteilten persönlichen Gegenstände das Bedürfnis, wieder Ordnung herzustellen. Es sollten allerdings keinerlei Gegenstände berührt oder anderweitig manipuliert werden, bevor die Polizist*innen die Spurenlage analysieren konnten. Falls man einen Einbruch bemerkt, während man sich noch in den Wohnräumen befindet, sollte man durch Rufen oder anderweitiges Verursachen von Geräuschen auf sich aufmerksam machen. Da es das oberste Interesse der Einbrechenden sei, nicht entdeckt zu werden, würden diese deshalb die Flucht ergreifen. Es gilt allerdings davon abzusehen, die Einbrechenden am Entfliehen zu hindern. Versuche man die Diebe festzuhalten, könnten diese zu rabiaten Methoden greifen, um einer Festnahme zuvorzukommen.       

“Das ist wie eine Flagge rauszuhängen mit der Aufschrift: “Hi, wir sind nicht zuhause.“

Grundsätzlich zu vermeiden gilt es, den Eindruck zu erwecken, die Wohnung oder das Gebäude seien verwaist. Für Dieb*innen ist ein Einbruch dann lohnenswert, wenn sie sich sicher sein können, nicht ertappt zu werden. Wer also am Wochenende verreist und freitags vor der Abfahrt seine Mülltonne herausbringt, sende unmissverständliche Signale der eigenen Abwesenheit. Denn spätestens samstagnachmittags, wird nur noch diese Mülltonne auf der Straße verbleiben. Gleiches gilt für überquellende Postfächer und Briefkästen. Der Hauptkommissar warnt: “Das ist wie eine Flagge rauszuhängen mit der Aufschrift: “Hi, wir sind nicht zuhause.“ Auch sollten Fenster nicht offen oder gekippt sein, wenn man das Haus verlässt. Ähnliches gilt für Eingangstüren, die auch dann abzuschließen sind, wenn man sich noch in den Wohnräumen befindet.

Wie der Experte mitteilt, sind Einbrecher*innen in erster Linie an Wertgegenständen und Geld interessiert. Zwar käme es auch vor, dass ganze Wohnungen ausgeräumt werden, aber der zusätzliche Aufwand, Alltagsgegenstände zu verhehlen, mache diesen Modus Operandi für viele Täter*innen uninteressant. Es bietet sich deshalb an, Gegenstände von Wert in einem Tresor aufzubewahren. Hierbei gilt es jedoch zu beachten, den Schrank fest in Wand oder Boden zu verankern. Sonst nehmen die Eindringenden schlicht den ganzen Sicherheitsschrank mit, warnt der Polizist. Zahlreiche, bei Reinigungsarbeiten in der Spree aufgetane Tresore zeugen von dieser Praxis.

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