Andere Länder, andere Sitten

Wohin die Reise geht

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Alljährlich zieht es Millionen von Deutschen zur Urlaubszeit an die Strände und in die Berge anderer Länder. Dort erwarten viele dieser Urlauber*innen, „deutsche Verhältnisse“ in Bezug auf die Sprache, Kulinarik und Kultur möglichst eins-zu-eins wiederzufinden. Und tatsächlich haben sich viele der bevorzugten Urlaubssorte auf genau die Erwartungshaltung „Deutschland mit Sonnengarantie“ eingestellt.

Etwas Anderes ist es aber, an einem der begehrtesten Urlaubsziele – beispielsweise in der Stadt Rom – tatsächlich zu leben und zu arbeiten, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann. Wie an vielen anderen Orten auch können Kultur und Eigenarten der Einheimischen mitunter gewöhnungsbedürftig sein, manchmal auch bis zum Grad der Verzweiflung. Bei Flügen oder Fahrten ins Heimatland überkommt einen dann schon einmal der Gedanke, wie entspannt und ruhig es sich doch „zuhause“ leben lässt. Sollte man deshalb jede Überlegung an einen längeren Auslandsaufenthalt, ein Jobangebot in einem anderen Land oder einen Studienplatz an einer ausländischen Universität verwerfen? Meine klare Antwort lautet: auf keinen Fall.

Sicher können einige alltägliche Dinge, wie beispielsweise ein Arztbesuch oder ein Behördengang zu einer Herausforderung werden und sicher ist man manchmal frustriert, wenn Dinge einfach „anders“ als zuhause laufen – aber macht nicht gerade das auch einen Teil des Reizes aus? Der Reiz, sich in einer anderen Sprache so verständigen zu können, dass man zumindest die alltäglichen Herausforderungen meistert. Sich neuen kulinarischen Eindrücken zu öffnen und bei den Einheimischen zu sehen, dass Dinge des täglichen Lebens oder Verfahrensweisen im Beruf auch ganz anders und ganz gewiss nicht immer schlechter angegangen werden können. Bei den Italienern bewundere ich ihre Kunst zu improvisieren und ihre Fähigkeit, mit wenigen Mitteln ebenfalls sehr gute Ergebnisse zu erzielen. Italienern und Franzosen gemein ist die Wertschätzung der Mittagspause als „echte“ Arbeitsunterbrechung und kommunikative Pause, in der aber grundsätzlich keine beruflichen Themen diskutiert werden.

Als Fazit meiner 17-jährigen Arbeits- und Lebenserfahrung in fünf verschiedenen Ländern halte ich fest, dass ich keine einzige dieser Erfahrungen und keinen dieser Aufenthalte missen möchte. Aus jedem Land habe ich etwas für mich mitgenommen, das ich wertschätze und bewahren möchte – Sichtweisen, nicht zuletzt auf mein Heimatland, Herangehensweisen, mehr Gelassenheit, Kultur und vor allem: Freunde.

Mein Rat ist es daher, wenn sich die Chance auf einen längerfristigen Auslandsaufenthalt ergibt, diese zu ergreifen, auch wenn es vielleicht gerade nicht zu einhundert Prozent in die Lebensplanung passt. Man kehrt bereichert und offener zurück – und man lernt auch, die Schwächen der Heimat zu erkennen und zuzugeben, aber gleichzeitig die Schönheit und die Vorzüge des Heimatlandes wertzuschätzen. Man wird sicher irgendwo im Herzen immer Deutsche*r bleiben, vor allem aber wird man Europäer*in und zu denen zählen, die den Wert unseres freien Europas auch gegen Widerstände bewahren wollen. 


Der Autor ist gegenwärtig als freier Mitarbeiter in der Redaktion mit den Schwerpunktthemen Verteidigung und Sicherheit tätig.

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