Sonntag, 4. Dezember 2022

Nimm doch mal den Bus!

Must read

Vor allem in ländlichen Regionen ist es ohne Auto fast unmöglich von Punkt A nach Punkt B zukommen. Die sogenannten Bürgerbusse bieten den Bürger*innen eine gute Alternative zum eigenen Fahrzeug. Wir haben uns die verschiedenen Konzepte in Waldbröl und Unkel für euch angeschaut.

Mobilität im ländlichen Raum – Der Waldbröler Bürgerbus

(Foto: Bürgerbusverein Waldbröl)

Waldbröl ist eine Kleinstadt im Süden des Oberbergischen Kreises in Nordrhein-Westfalen, ca. 60 km östlich von Bonn. Gekennzeichnet ist die Stadtgemeinde durch eine im ländlichen Raum häufige Kombination von mittelgroßem Zentralort mit ca. 11.000 Einwohner*innen und 64 Ortsteilen, die als eigenständige Dörfer um den Zentralort gruppiert sind. In ihnen leben ca. 8.000 Menschen. Dabei ist der Hauptort Waldbröl weit größer als die Hauptorte aller Nachbarkommunen und dient diesen und den Dörfern Waldbröls als Einkaufs-, Dienstleistungs- und Schulstadt.

Ohne eigenen PKW geht für die allermeisten Waldbröler*innen meist nichts. Dies gilt zumeist für die Fahrt zur Arbeit, denn Waldbröl hat eine hohe Auspendlerquote. In Haushalten ohne einen zweiten PKW ist die Mobilität damit tagsüber meist nicht gegeben. Hier müsste der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) eintreten. Dies ist in Waldbröl jedoch problematischer als anderenorts, denn die Stadt besitzt keinen eigenen Bahnanschluss mehr und die vorhandenen Buslinien im Waldbröler Raum bedienen die Hauptstrecken in andere benachbarte Unterzentren wie Hennef, Wiehl und Gummersbach. Die nicht an diesen Strecken liegenden Außenorte Waldbröls sind zumeist lediglich morgens und nach Schulschluss im Rahmen des Schülerverkehrs an den Zentralort angebunden. Taxis sind die teure Alternative.

Dieses vor allem von älteren Menschen als wesentliche Lücke empfundene Defizit versucht seit 2013 der ehrenamtlich betriebene Waldbröler Bürgerbus zu schließen, indem er das unzureichende Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs genau hier ergänzt. Das Bedienungsgebiet des Bürgerbusses zielt somit auf die Teile des Gemeindegebiets, wo Linienverkehr nicht tragfähig oder umsetzbar ist.

Zurzeit 30 ehrenamtliche Fahrer*innen bedienen mit zwei Bussen, deren Anschaffung vom Land NRW zu 95 Prozent gefördert wurde, fünf Linien. Nach einem festen Fahrplan werden an fünf Wochentagen von den 68 Haltestellen Bewohner*innen der Außenorte zu den sechs innerörtlichen Haltestellen nach Waldbröl und eineinhalb Stunden später wieder zurückgebracht. Der Waldbröler Bürgerbus leistet damit eine wichtige und zuverlässige Arbeit als Mobilitätsdienstleister in der ländlichen Region Waldbröl. Im Rahmenkonzept des Öffentlichen Nahverkehrs bedient der Waldbröler Bürgerbus also die sogenannte „Letzte Meile“, d.h. die Verbindung von Innenstadt zu den sonst mit Bussen kaum erreichbaren Außenorten und zurück. Der Fahrpreis beträgt pro Fahrt 2,- € für Erwachsene und 1,- € für Kinder. Menschen mit Handicap fahren umsonst mit. Natürlich ist Kostendeckung nicht erreichbar. Zur Finanzierung dienen Zuschüsse des Landes und Werbung auf dem Bus durch lokale Sponsoren sowie manche Spenden aus Geschäftswelt und örtlicher Industrie.

Seit 2021 gibt es zusätzlich die Stadtlinie. Sie ist ein Angebot für die Waldbröler Bürger*innen und fährt zunächst dienstags und freitags am Nachmittag. Dabei werden die von den Haltestellen des ÖPNV entfernt gelegenen städtischen Wohngegenden angefahren und mit den fünf innerstädtischen Zentren und deren Lebensmittel- und weiteren Märkten, Arztpraxen sowie Apotheken, Drogerien und Bäckereien verbunden.

(Foto Ingo Winkelströter, Bürgerbusverein)

Michael Jaeger ist seit 2018 Vorsitzender des Waldbröler Bürgerbusvereins, der 122 Mitglieder hat. Er ist pensionierter Schulleiter und engagiert sich für den Bürgerbusverein, weil er sich darüber ärgert, dass die Mobilität in ländlichen Regionen immer noch ein Stiefkind des Öffentlichen Personennahverkehrs ist.


Von Tür zu Tür – Der Bürgerbus der VG Unkel

(Foto: Bürgerbus VG Unkel)

Den Bürgerbus der Verbandsgemeinde (VG) Unkel gibt es jetzt schon seit über vier Jahren.

Sein Betrieb wird von einem ca. 25-köpfigem rein ehrenamtlichen Team gewährleistet.

Der Telefondienst nimmt zweimal wöchentlich, jeweils montags und mittwochs von 14:00 bis 16:00 Uhr, in einem Büro der VG die Bestellungen der Fahrgäste an. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit den Bus über Email oder ein Terminbuchungssystem auf der Homepage zu buchen. Ein Mitglied des Teams hat eine Buchungssoftware erstellt in die die Fahrtwünsche eingetragen werden. So können die Telefonist*innen direkt auf dem Bildschirm sehen, ob einem Fahrtwunsch entsprochen werden kann, ihn eintragen oder Alternativen anbieten. Die Rückfahrt wird im Buchungsfenster sofort mit angeboten. Am Ende des Dienstes werden die Fahrpläne für die jeweiligen Fahrtage an die jeweiligen Fahrer*innen per Email versandt.

Die Fahrgäste werden an ihrer Haustüre abgeholt und zu ihrem Ziel gefahren, im Anschluss auch wieder zu ihrer Haustüre zurückgebracht. Ausnahme sind Veranstaltungen in den Gemeinden, da gibt es feste Haltestellen. Das Fahrerteam besteht aus ca. 15 Personen, Voraussetzung ist das Bestehen einer amtsärztlichen Untersuchung, der sogenannten G25. Meist sind es Rentner*innen, es gibt aber auch einige Berufstätige im Team.

(Foto: Bürgerbus VG Unkel)

Der Bürgerbus der Verbandsgemeinde Unkel ist für alle Bürger*innen der Verbandsgemeinde bei Bedarf da. Wir fahren an Dienstagen und Donnerstagen von 08:00-18:00 Uhr und freitags von 08:00-12:00 Uhr. Montags, mittwochs und freitags fahren wir zur Tafel Linz. In der Hauptsache nutzen ältere, mobilitätseingeschränkte Menschen den Bus. Fahrten zum Einkauf, Fahrten zu Arzt oder in die anliegenden Krankenhäuser sind an erster Stelle, aber auch Fahrten zu Seniorentreffen, Besuchen in Altenheimen oder bei Verwandten werden gebucht. Die Tafelkunden werden von uns zurzeit mit ihren Lebensmitteln, die die Tafel in Körbe packt, beliefert. Das heißt, dass unsere Fahrer*innen dort die Lebensmittel in Empfang nehmen und den Kund*innen der Tafel an die Haustüre bringen. Dieses ist seit den Corona Beschränkungen so und durch die hohe Nachfrage bei der Tafel momentan für uns der gangbarere Weg. Sonst müsste der Bus bis zu dreimal mit den berechtigten Fahrgästen zwischen unserer VG und der Tafel Linz pendeln.

Der Service den wir bieten ist für die Bürger*innen kostenlos.

Der Verbandsgemeinderat Unkel hat den Beschluss gefasst einen Bürgerbus einzurichten, mit der Auflage, dass er sich selber trägt, also der VG keine Kosten entstehen. Durch eine großzügige Spende eines ortsansässigen Vereins, konnten die Leasing- und Betriebskosten für den Bus die ersten drei Jahre gesichert werden. Kurz vor Beginn des Busbetriebs gab es eine Tombola zu Gunsten des Busses wo eine hohe Summe erwirtschaftet werden konnte. Der Bus ist mit Werbetafeln beklebt, die jährlichen einen größeren Betrag einbringen. Im Bus befindet sich eine Spendenbox, dort kann jeder etwas hineinwerfen. Zum Jahresende 2022 kommen wir so langsam an die Grenze der Finanzierung nur durch Sponsoren und Spenden. Und so hat das Bürgerbus-Team auf seinem letzten Arbeitsfrühstück beschlossen einen größeren Spendenaufruf zu starten.

(Foto: Privat)

Holger Diedenhofen ist Fährführer einer Rheinfähre. Außerdem ist er ehrenamtlicher Teamleiter des Bürgerbusses der VG-Unkel und damit auch die Schnittstelle zwischen Verwaltung und Team.

Vorheriger ArtikelE-Justice 
Nächster ArtikelMobilikon: wachsendes Tool für Kommunen
- Werbung -

More articles

1 Kommentar

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Latest article

Barrierefreiheit

Die Supernasen

Nicht wie im Fernsehen

Tierisches Vergnügen