Montag, 22. April 2024

Fit for Future: Energie- und Umweltmanagement für die Liegenschaften des Bundes

Mit Weitblick

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Plötzlich ist alles irgendwie nachhaltig: Kleidung, Lebensmittel, Möbel sogar Wohnungen oder Autos …  Marketing-Strateg*innen setzen auf den Mega-Trend Nachhaltigkeit. Aber was ist das eigentlich – Nachhaltigkeit? Ist das alles wirklich neu? Nur ein Trend? Worum geht es bei der Nachhaltigkeit? Und wie kann man Nachhaltigkeit tatsächlich umsetzen?

Der Duden sagt kurz und knapp, Nachhaltigkeit ist das Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als wieder nachwachsen oder sich regenerieren kann. Man sollte im Wald also nur so viel Holz schlagen, wie auch wieder nachwächst. Das klingt logisch – aber wie lässt sich das auf andere Bereiche übertragen? Und wie bitteschön passt das Prinzip zu einer Bundesbehörde mit dem sperrigen Namen „Bundesanstalt für Immobilienaufgaben“?

Kurzum: Es passt richtig gut! Zum Thema Holz und Wald sogar perfekt, denn jede Menge Wald gehört zu den Aufgaben der Bundesanstalt. Dazu später mehr, jetzt erst einmal zum Kerngeschäft der BImA und wer wir sind: Wir sind das zentrale Immobilienunternehmen des Bundes – das heißt, wir sind für so gut wie alle Gebäude und Grundstücke zuständig, die im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland stehen. Das sind richtig viele – insgesamt rund 19.000 Liegenschaften – und die sind total spannend: Von den großen Ministerien in Berlin, über Kasernen und Truppenübungsplätze in ganz Deutschland bis hin zu Forschungs- und Laboreinrichtungen, Bunkern, historischen Wassertürmen, Schlössern oder bedeutsamen Gebäuden wie dem Grandhotel Petersberg bei Bonn. Auch knapp 40.000 Wohnungen gehören zum Portfolio der BImA – und es werden mehr, denn die BImA baut im Rahmen der gemeinsamen Wohnraumoffensive von Bund, Ländern und Kommunen auch selbst Wohnungen, in die dann Bundesbedienstete zu vergleichsweise günstigen Mieten einziehen können.

Nachhaltige Sanierungen, klimafreundliche Neubauten

Eine unserer Kernaufgaben ist das „Einheitliche Liegenschaftsmanagement“ (ELM). Dahinter verbirgt sich das Ziel, die Dienststellen des Bundes – also sämtliche Ministerien und Bundeseinrichtungen, aber auch die Bundespolizei, den Zoll und viele andere – so optimal wie möglich unterzubringen und zu verwalten. Und optimal heißt für die BImA/für uns auch immer nachhaltig: Aktuell wird in Deutschland knapp 35 Prozent der gesamten Endenergie für Gebäude verbraucht, vor allem für Heizung und Warmwasser. Das ist sehr viel, birgt aber auch jede Menge Einsparpotenzial.  Und genau hier setzen wir an: Die Expert*innen der BImA – darunter Architekt*innen, Bauingenieur*innen, Facilitymanager*innen, Immobilienfachwirt*innen, Geograf*innen und viele andere – haben ein eigenes Klimaschutzprogramm entwickelt, das die Emission von Treibhausgasen in Bezug auf unsere Immobilien auf ein Minimum reduziert, erneuerbare Energien fördert und Energie effizient einsetzt – also: nur so viel Holz schlägt, wie auch wieder nachwächst.

Unser Programm umfasst neun zentrale Punkte, mit denen die BImA die Bundesregierung auf dem Weg zur klimaneutralen Bundesverwaltung pragmatisch unterstützt. Da geht es um den Bau von Photovoltaikanlagen oder Ladesäulen für Elektroautos, ebenso wie um ressourcenschonende Beleuchtungskonzepte, smarte Energiemanagementlösungen, sowie die energetischen Standards für die Klimaneutralität unserer Gebäude in Bestand oder der notwendigen Neubauten.

Etage für Etage nachhaltig: Der Climate Tower in Bonn beherbergt das UN Klimasekretariat. (Foto: BBR Nicole Compère)

Klares Ziel: Die vom Bund genutzten Gebäude sollen Vorbilder in Sachen Energieeffizienz, Klimaschutz und nachhaltigem Bauen und Betreiben werden. Das klingt gut, oder? Das Beste daran: Wir spielen hier keine Zukunftsmusik oder reden nur darüber, sondern wir nehmen es in die Hand: Ein Beispiel dafür ist der im Frühjahr 2022 fertig gestellten Climate Tower in Bonn, dem neuen Hauptsitz des UN-Klimasekretariats (UNFCCC). Die BImA hat für das UNFCCC ein modernes, gläsernes Hochhaus mit rund 330 Arbeitsplätzen gebaut, dessen Energiekonzept vergleichbar mit dem eines Passivhauses ist. Der 65 Meter hohe Büroturm benötigt also grundsätzlich nur einen Bruchteil der Energie vergleichbarer Komplexe und nutzt Brunnenwasser und Erdwärme als Energiequelle. Schon bei der Planung haben wir die Ökobilanz des Gebäudes über den gesamten Lebenszyklus betrachtet – das heißt vom Bau über den Betrieb, Sanierungen und Reparaturen bis hin zum Abriss und zur Entsorgung – und nur möglichst langlebige und ökologische Baustoffe verwendet. Der Climate Tower ist für seine Nachhaltigkeit sogar mehrfach ausgezeichnet worden, was uns stolz gemacht hat und uns anspornt.

Artenschutz auf ehemaligen Militärflächen

Wir sind uns natürlich bewusst, dass Neubauprojekte immer auch einen Eingriff in die Umwelt bedeuten. Deshalb bedenken wir Umwelt- und Artenschutz bei der Planung gleich mit. Wir erarbeiten zum Beispiel Umsiedlungskonzepte für heimische Tierarten. Wenn Eidechsen oder Fledermäuse es sich auf einer Liegenschaft gemütlich gemacht haben, dann finden wir ein neues Refugium für die Tiere und siedeln sie artgerecht um, bevor das Grundstück neu bebaut wird. Das machen wir aktuell deutschlandweit beim Bau von insgesamt elf Einsatztrainingszentren für den Zoll. Wir planen Brut- oder Fledermauskästen und Bienenhotels direkt mit ein und sorgen für eine insektenfreundliche Beleuchtung.

Seltene Wisente und Przewalskipferde grasen gemeinsam in einem ehemaligen Munitionsdepot nahe Frankfurt. (Foto: BImA Christiane Worring)

Bei solchen Projekten unterstützen Kolleg*innen des Geschäftsbereichs Bundesforst uns tatkräftig. Sie sorgen außerdem dafür, dass heute auf Bundesflächen seltene Schafsrassen und Islandpferde grasen oder Rothirsche äsen. Wo einst militärische Munition gebaut, gelagert oder getestet wurde, teilen sich nun Przewalski-Pferde und Wisente idyllische Wasserlöcher, die in ehemaligen Bombenkratern entstanden sind. Die BImA hat insgesamt fast 460.000 Hektar Flächen im Eigentum, was ungefähr so groß wie 1,8 mal das Saarland ist. Der größte Teil davon wird vom Bundesforst betreut – darunter Moore, Heideflächen, Sanddünen und Wälder, die oft eine militärische Vergangenheit haben und zum Teil mit Munition oder Schadstoffen belastet sind. Hier kümmern unsere Expert*innen sich um die Renaturierung und um eine ökologische Nutzung und Pflege der Flächen. Natürlich schlagen unsere Bundesförster*innen und Forstwirt*innen auch schon mal Bäume – aber immer nur so viel, wie wieder nachwachsen kann.


(Foto: BImA Anne Kirchhoff Duhme)

Brigitte Bourscheidt leitet nach verschiedenen Management-Positionen im öffentlichen Immobilienbereich heute den Geschäftsbereich Facility Management bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Nachhaltigkeit ist ihr dabei schon seit vielen Jahren ein besonderes Anliegen. Zu ihren Aufgaben zählt es, die Immobilien des Bundes fit für die Zukunft zu machen – durch nachhaltige Sanierungen, klimafreundliche Neubauten und den Einsatz erneuerbarer Energien. Heute schon stammt der Strombedarf in den zivil genutzten Bundesliegenschaften zu mehr als 90 Prozent aus erneuerbaren Quellen.

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