Freitag, 21. Juni 2024

Feuerwehren als Spiegel der Gesellschaft

Blaulicht hinter den Kulissen

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Unsere Gesellschaft steht aktuell vor einer wachsenden Zahl an Herausforderungen, wie es sie in den Jahrzehnten zuvor kaum in dieser Intensität gegeben hat. Krisen wie die Corona-Pandemie, kriegerische Auseinandersetzungen mit unmittelbarem Einfluss auch auf unser Leben und Katastrophen wie die Hochwasserlage 2021 haben uns allen gezeigt, welche Bedrohungen uns alle sehr direkt betreffen können. Dem gegenüber steht ein gesellschaftlicher Wandel hin zu immer mehr Freizeit, Selbstbestimmung und auch Selbstverwirklichung. Auch die Beherrschung von nationalen wie auch weltweiten Krisen wird immer mehr von Staat und Politik erwartet. Es ist daher umso wichtiger, dass jede*r Einzelne von uns sich auf mögliche Notlagen vorbereitet und eine gewisse Widerstandskraft entwickelt.

Dies alles wirkt sich auch auf die staatlichen Strukturen zur Gefahrenabwehr aus, denn große Teile des Katastrophenschutzes und der Feuerwehren basieren ausschließlich auf freiwilligem, ehrenamtlichem Engagement eben dieser Bürger*innen. Es ist erfreulich, dass das Bewusstsein bei Politik und Bevölkerung für die Notwendigkeit einer funktionierenden Gefahrenabwehr durch diverse aktuelle Ereignisse gestiegen ist. Allerdings fehlen oftmals noch die Konzepte zu zukünftiger Sicherstellung und gar Ausbau dieser Strukturen mit einer ausreichenden Mitwirkung von Freiwilligen.

Ehrenamtliches Engagement ist eine tragende Säule unserer Gesellschaft und von unschätzbarem Wert. Es ist der unentgeltliche Einsatz von Menschen, der in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen und knapper öffentlicher Mittel unersetzlich ist.

Wichtigster Teil dieser Notfall- und Katastrophenvorsorge sind die Feuerwehren als einzige wirklich flächendeckende Struktur. Die Feuerwehren sind aus unserem Alltag und unserem Gemeinwesen nicht mehr wegzudenken. Ihre Arbeit ist allgegenwärtig, ihre Bedeutung unbestritten. Doch wie viele Menschen kennen die Strukturen hinter den Kulissen der Feuerwehr und verstehen, wie Feuerwehr funktioniert? Die Aufgaben der Feuerwehren umfassen nicht nur Brandbekämpfung, sondern eine Vielzahl technischer und auch medizinischer Hilfeleistungen für Menschen in Not.

Freiwillige Feuerwehrleute erwerben ein breites Spektrum an Fähigkeiten, von technischen und medizinischen Kenntnissen bis hin zu Führungs- und Kommunikationsfähigkeiten. Diese Qualifikationen sind nicht nur im Einsatzfall von unschätzbarem Wert, sondern bereichern auch das persönliche und berufliche Leben der Freiwilligen. Dabei entsteht oftmals auch eine tiefe Verbundenheit unter den Kamerad*innen, die auf gemeinsamen Werten und einer gemeinsamen Mission beruht. Die Feuerwehrfamilie ist eine Gemeinschaft, die über die berufliche oder ehrenamtliche Tätigkeit hinausgeht. Feuerwehrleute teilen nicht nur ihre Arbeit, sondern auch ihre Freuden, Sorgen und Erfolge.

Gerade hier bieten sich neue Chancen, Freiwillige für die Feuerwehren zu gewinnen. Während es viele Jahre nicht an Ehrenamtlichen mangelte, muss bereits heute wie auch in der Zukunft darum geworben werden. Im Rahmen einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne unter dem Motto „Ich FeuerWEHR Mich” hat der Verband der Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen Ende 2023 ganz gezielt Frauen angesprochen, um sie für die Tätigkeit in der Feuerwehr zu gewinnen. Denn bisher machen Frauen nur einen geringen Anteil der Einsatzkräfte aus. Zur Unterstützung und als universelle Informationsplattform wurde zusätzlich die Homepage „Frauen machen Feuerwehr” gestartet. Hier werden die Strukturen und Möglichkeiten in der Feuerwehr auch für Menschen, die sich bisher noch nicht damit auseinandergesetzt haben, verständlich erklärt.

Freiwilliges Engagement ist daher eine Aufgabe, die uns alle angeht. Sie ist auf individueller wie auch auf kollektiver Ebene von großer Bedeutung. Es ist an der Zeit, freiwilliges Engagement als das zu sehen, was es wirklich ist: eine wertvolle Ressource und eine unverzichtbare Kraft für das Gute in unserer Gesellschaft. Wir alle tragen Verantwortung für unsere Sicherheit. Dazu gehört, dass wir uns mit den Gefahren auseinandersetzen, die uns bedrohen. Aber noch wichtiger ist, dass wir uns persönlich engagieren, damit wir uns und andere schützen können. Denn die Strukturen der Gefahrenabwehr können nur funktionieren, wenn sich viele Menschen ehrenamtlich einsetzen.


(Foto: VdF NRW)

Birgit Kill ist aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Essen. Außerdem ist sie Landesfrauensprecherin NRW und Bundesfrauensprecherin im Deutschen Feuerwehrverband.

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