Freitag, 21. Juni 2024

Freiwilligendienste in Gefahr

Blaulicht hinter den Kulissen

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Weitere Mittelkürzungen stoppen

Bundesfinanzen, Haushaltsplanung und Haushaltspositionen – was weit weg von der Lebensrealität vieler Jugendlicher klingen mag, hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Schulabsolvent*innen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) machen wollen. Ihr wollt euch nach der Schule in einer Kindertagesstätte oder im Rettungsdienst erstmal orientieren und gucken, ob ein sozialer Beruf etwas für euch wäre? Dann ist ein Freiwilligendienst genau das Richtige. Genau die stehen aber im Moment vor großen Herausforderungen und unter massivem Druck.  

Die Bundesregierung will die Gelder dafür kürzen und somit würden viele Stellen und damit wichtige Orientierungsmöglichkeiten für euch wegfallen – um genau zu sein: Jede dritte Freiwilligendienst-Stelle ist derzeit akut gefährdet! Und schon sind wir dran an eurer Lebenswirklichkeit. Auch für 2024 waren Kürzungen geplant, die glücklicherweise von uns Wohlfahrtsverbänden und Hilfsorganisationen abgewendet werden konnten. Doch nun muss der nächste Haushalt der Bundesregierung aufgestellt werden und die Kürzungen der Gelder sind wieder auf dem Tisch. Wie frustrierend!

Und jetzt? Was das Zahlenjonglieren bedeutet.

Für das FSJ und den BFD sollen die finanziellen Mittel jeweils um ein Drittel gekürzt werden. Für den Bundesfreiwilligendienst ist zum Beispiel eine Reduzierung von bisher 207 Millionen Euro auf dann nur noch 134 Millionen Euro vorgesehen. Das entspricht einem Drittel – also einer Riesensumme. Auf die möglichen Plätze für Freiwilligendienste wirkt sich dieses Drittel direkt aus. Den Trägern der Einrichtungen, die den Freiwilligendienst anbieten, fehlen diese Gelder dann, weshalb sie ein Drittel weniger Plätze anbieten. Statt 80.000 Freiwilligenplätzen werden dann nur noch 56.000 Plätze finanziert, ein Minus von 24.000 Plätzen. Die Abwärtsspirale setzt sich auch im nächsten Schritt fort. Denn viele Jugendliche, die über ein FSJ oder einen BFD in soziale Berufe reinschnuppern konnten, bleiben der Branche erfreulicherweise erhalten und werden später zu wichtigen Fachkräften. Fehlen also die Gelder und damit Plätze für Freiwilligendienste, wird auch der Fachkräftemangel weiter verschärft und ein wesentlicher Zugangsweg zu Sozial- und Gesundheitsberufen kaputtgespart. Nicht zuletzt bedeuten weniger Gelder auch immer weniger Anerkennung und Wertschätzung für das geleistete Engagement. Warum sollte ich mich einbringen, wenn mein Tun nicht wertgeschätzt wird? Dadurch wird zivilgesellschaftliches Engagement unnötig klein gemacht – und das kann man sich weder finanziell noch menschlich leisten. Und das paradoxerweise, obwohl die Nachfrage junger Menschen nach einem Freiwilligendienst ungebrochen hoch ist.

Warum soll ich mich eigentlich engagieren?

Ob pädagogische Arbeit in Kitas, Unterstützung im Behindertenfahrdienst oder die Mitarbeit im Rettungsdienst: Für jede*n ist etwas dabei. Neben eurer eigenen Orientierung in sozialen Berufen helft ihr dort, wo es wirklich zählt. Bei den Menschen. Damit tut ihr euch und der Gesellschaft etwas Gutes – Win-win!

„Ich wollte schon immer etwas mit Menschen zu tun haben“, „Mein Kindheitstraum war Sanitäter zu werden“, „Eine sehr gute Hilfe, um sich für die Zukunft zu entscheiden“, „Es ist eine gute Alternative bevor man einfach irgendwas studiert“ – so könnte auch eure Rückmeldung nach einem Freiwilligendienst lauten.

Ein Freiwilligendienst dauert dann meistens von September bis August, also analog zu einem Schuljahr. Hier kommen die Gelder bzw. der Haushalt der Bundesregierung wieder ins Spiel, denn dieser wird für ein Kalenderjahr von Januar bis Dezember geplant. Diese Diskrepanz gepaart mit den drohenden Kürzungen machen eine sichere Planung unmöglich.

Lasst uns die Bedeutung von Freiwilligendiensten transparent machen und anerkennen. Mit ausreichenden Mitteln wird in die Zukunft unserer Jugendlichen und unserer Gesellschaft investiert.

Das Freiwillige Soziale Jahr und der Bundesfreiwilligendienst sind Angebote für frei­williges Engagement in gemeinwohlorientierten Einrichtungen. An zahlreichen Einsatzstellen im Freistaat Bayern sind unsere Freiwilligen zum Wohle der Menschen im Einsatz. Mehr dazu hier.


(Foto: BRK)

Angelika Schorer ist Präsidentin des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), Teil einer weltweiten Ge­mein­schaft von Menschen in der internationalen Rot­kreuz- und Rothalbmondbewegung, die Opfern von Konflikten und Katastrophen sowie anderen hilfs­bedürftigen Menschen unterschiedslos Hilfe gewährt, allein nach dem Maß ihrer Not.

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