Mittwoch, 29. November 2023

Vom Kurzzeitprojekt zur Langzeitpraxis

Keine Eintagsfliegen

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Scarlett Lüsser
Scarlett Lüsser
Scarlett Lüsser ist Volontärin in der Online-Redaktion und kümmert sich auch um Social Media und Podcasts. In ihrer Freizeit spielt sie gerne alle Arten von Gesellschaftsspielen.

Ein Projekt mit modellhaftem Charakter, das über einen begrenzten Zeitraum läuft, nennt sich Modellprojekt. Ein solches Projekt soll dazu beitragen, innovative neue Ideen, Praktiken oder Methoden in einem bestimmten Kontext zu erproben und zu testen. Im besten Fall wird ein Modellprojekt sozusagen nicht zur Eintagsfliege, sondern dauerhaft in die Praxis aufgenommen.

Aber wie funktioniert das und was muss man machen, um ein Modellprojekt starten zu können? Zunächst einmal muss überlegt werden, was ist Sinn und Zweck des Projekts, was soll damit erprobt werden und wem soll das weiterhelfen? Wenn man diese groben Fragen geklärt hat, kann man sich überlegen, bei wem soll dieses Projekt durchgeführt werden? Denn in Deutschland gibt es viele Stellen, die solcherlei Projekte gerne fördern. Ganz vorne stehen diverse Ministerien und Bundesämter, wie zum Beispiel das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung oder auch die Bundeszentrale für politische Bildung. Natürlich muss das zu erprobende Modell auch thematisch passen. Jedoch gibt es auch viele weitere Stellen, die außerhalb der Politik Modellprojekte fördern, unter anderem gemeinnützige Organisationen wie Aktion Mensch oder auch das Bildungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Der Ablauf eines solchen Projekts kann sich natürlich je nach Förderer und Organisation unterscheiden, aber vom Prinzip her ist das Vorgehen meistens ähnlich. Zunächst muss eine Idee entwickelt werden, damit man den Antrag auf Förderung stellen kann. Daraufhin wird der Antrag auf Kompatibilität mit der gewählten Einrichtung überprüft und im Idealfall bewilligt. Im Anschluss daran wird das Projekt durchgeführt und abschließend muss genau belegt werden, wofür das Fördergeld verwendet wurde, ebenso wie ein Abschlussbericht samt Bilddokumentation und den gewonnenen Erkenntnissen.

Außerdem gibt es noch ein paar Fragen, die man sich während der Ideenentwicklung und auch bei der Projektvorstellung stellen und beantworten sollte: Beispielsweise wie das gewünschte Ziel erreicht werden soll und welche Maßnahmen zur Qualitätssicherung angebracht werden können. Hat man Vorerfahrungen in diesem Gebiet und wenn ja, wie kann man diese gewinnbringend einbinden? Und zum guten Schluss, warum ist es wichtig, dass das Projekt gerade jetzt durchgeführt wird? Allgemein gibt es auch Förderstellen, die ein Projekt wissenschaftlich begleiten und evaluieren lassen, um die Erkenntnisse aus den erprobten Methoden besser auswerten zu können und zu sehen, ob das Ziel wirklich erreicht wurde.

Ein Beispiel für ein erfolgreich durchgeführtes Modellprojekt, das auch nach der Durchführung noch Anwendung gefunden hat, ist das „Multaka-Projekt“ von Kulturstaatsministerin Claudia Roth, bzw. den staatlichen Museen zu Berlin, bei dem die Museen syrischen und irakischen Flüchtlingen die Möglichkeit geben, nach einer entsprechenden Schulung, Führungen durch das beteiligte Museum in ihrer Landessprache zu geben. Mittlerweile ist das Projekt so erfolgreich, dass es mehrere Preise und Auszeichnungen gewonnen und sich daraus ein internationales Netzwerk von 130 Guides in 25 Museen in ganz Europa gebildet hat. Mehr dazu könnt ihr hier lesen.

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