Dienstag, 27. Februar 2024

Stadt, Land, Informationsfluss

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Die Digitalisierung ländlichen Lebensraums

Voll digitalisiert und klimaneutral: Geht es um Zukunftsvisionen, denken wir oft automatisch an urbanes Leben. An Städte. Und auf dem Dorf? Da warten wir immer noch 30 Minuten auf den Bus und nehmen dann doch lieber das Auto mit Verbrennungsmotor, um auf der Kreisverwaltung ein Papierdokument abzugeben. Längst existieren Konzepte, um auch im ländlichen Raum digitale Infrastrukturen voranzubringen. Sie müssen „nur“ noch umgesetzt werden: Die Smart Regions.

Seit 2019 fördert der Bund deutschlandweit 73 „Modellprojekte Smart Cities“ mit insgesamt 820 Millionen Euro. Die vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) unterstützten Projekte sollen Deutschland für die digitale Zukunft fit machen und betreffen alle Lebensbereiche. Auch wenn ländliche Regionen nicht direkt aus dem Projektnamen herauszulesen sind: Zum Smart-Cities-Konzept gehören auch Kleinstädte und Landgemeinden. Kernthemen wie smarter Nahverkehr, smarte Energieversorgung, smartes Gesundheitswesen und smarte Verwaltung betreffen die Menschen auf dem Land genauso wie in der Stadt – mindestens.

Ist beispielsweise Car Sharing in deutschen Großstädten Normalität – mit immer mehr E-Autos – nutzen die Menschen auf dem Land ihr eigenes Fahrzeug. Der Ausbau von Car-Sharing-Flotten in Landregionen könnte CO2 einsparen. Auch per App geregelte Mitfahrgelegenheiten wären ein smarter Schritt. Apropos unnötige Wege – der zum Hausarzt oder ins Krankenhaus ist auf dem Land nicht immer kurz. Die Ausweitung von Telemedizin – Online-Sprechstunden, digitale Notfalldienste usw. – ist vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) ohnehin angedacht und kann sich gerade auf dem Dorf als große Hilfe erweisen. Was die Digitalisierung der Verwaltung angeht, geht es auf Bund-, Länder- und Kommunen-Ebene langsam voran. Gerade den Kommunen jedoch fehlt es oft an Geld und Know-how, um die staatlich geforderten Modernisierungen umzusetzen. Das digitale Bürgerkonto, auf dem die wesentlichen Verwaltungsinformationen der Bürger*innen gespeichert sind, scheint eher smarte Pflicht als smarte Kür zu sein. Der Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) lieferte jüngst einen weiteren konkreten Vorschlag: Ein Online-Marktplatz für digitale Tools geprüfter Anbieter, auf den die Verwaltungen zugreifen können.

Weitere Ministerien treiben smarte Regionen in Kooperation mit Wissenschaft und Wirtschaft voran. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) leitet das Modellvorhaben „Smarte.Land.Regionen“. U.a. in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (Fraunhofer IESE) werden Digitalstrategien für Landkreise entwickelt. Es entstehen Co-Working-Spaces, digitale Kulturangebote für Kinder, IT-Service-Plattformen. Viele der spannendsten smarten Innovationen finden sich in dem Bereich, der den größten Unterschied zur Stadt ausmacht: Die Landwirtschaft. Hier zeigt sich digitale Smartness mit Hands-on-Mentalität. Beim „Smart Farming“ nehmen Drohnen Bodenproben und entscheiden autonom, an welcher Stelle wie viel gedüngt werden muss. Traktoren mit Infrarotsensoren halten beim Pflügen automatisch die Spur und fahren von selbst. Stichwort Landwirtschaft: Man darf gespannt sein, welche smarten Antworten die Think Tanks der Nation bspw. auf umweltbelastende Massentierhaltung finden. So dass Regionen nicht nur smart im Sinne des persönlichen Komforts werden, sondern auch im Sinne der Nachhaltigkeit.

Christian Brecht schreibt über den digitalen Wandel der Gesellschaft und beschäftigt sich mit KI als Fluch und Segen. Als Drehbuchautor und passionierter Film-Nerd liebe er das Kino und das Geschichtenerzählen.


Christian Brecht schreibt über den digitalen Wandel der Gesellschaft und beschäftigt sich mit KI als Fluch und Segen. Als Drehbuchautor und passionierter Film-Nerd liebt er das Kino und das Geschichtenerzählen.

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