Mittwoch, 28. September 2022

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Wer kennt es nicht – das Ehrenamt. Jede*r hat eine Freundin, die Senior*innen im Pflegeheim etwas vorliest; jede*r hat eine*n Bekannte*n, der schon einmal als Wahlhelfer*in gearbeitet hat oder nach der Arbeit heiße Suppe und Brot bei der Tafel verteilt.

Und dann ist da das Technische Hilfswerk (THW) – das Schweizer Taschenmesser unter den Ehrenämtern.

Die Aufgaben des THW sind vielfältig: die Helfer*innen beseitigen umgestürzte Bäume von Straßen, sie unterstützen Polizei und Feuerwehr bei Großbränden, Fahndungen oder Verkehrsunfällen. Oder sie bauen Dörfer wieder auf, Brücke für Brücke – wie erst vor kurzem im Westen Deutschlands, als Tief Bernd ganze Ortschaften dem Erdboden gleichmachte.

Ehrenamt in Zeiten des Klimawandels

Der Einsatz im Ahrtal wurde zum größten Inlandseinsatz der 70-jährigen Geschichte des THW. Rund 16.000 Helfer*innen waren beziehungsweise sind weiterhin vor Ort im Einsatz. Sie unterstützen die Wiederaufbauarbeiten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nach der Flutkatastrophe vom 14. Juli. Sie pumpten vollgelaufene Keller leer, errichten unzählige Brücken und räumten tonnenweise Schutt und Schlamm von den Straßen – und das alles in ihrer Freizeit.

Spätestens hier zeigte sich: Das THW wird so sehr gebraucht wie nie zuvor. Denn die Auswirkungen des Klimawandels werden immer spürbarer – auch für uns in Deutschland. Tornados fegen über Hamburg hinweg, Jahrhundertfluten strömen durch das Ahrtal. Naturkatastrophen halten das ganze Land in Atem.

Gemeinsam geben die Helfer*innen des THW alles.

Helfen will gelernt sein

Doch ganz egal ob Naturkatastrophe, Sturmflut oder Pandemie: Das THW ist für alles gewappnet – ein richtiges Allroundtalent in Sachen Katastrophenschutz. Alles, was die Helfer*innen wissen müssen, lernen sie in der Grundausbildung. Darunter fällt auch der Umgang mit technischem Gerät – Trennschleifer, Kettensäge, Presslufthammer – sowie das richtige Verhalten in gefährlichen Einsatzsituationen.

Die Grundausbildung besteht aus mehreren Modulen. Diese finden für gewöhnlich unter der Woche abends oder am Wochenende statt. Das Ehrenamt soll schließlich mit einem Vollzeit-Job vereinbar sein.

Stirbt das Ehrenamt aus?

Die durchschnittliche Vollzeit-Arbeitswoche hat 40 Stunden. Das sind mindestens fünfmal acht Stunden anstrengende Arbeit. Anschließend geht es nach Hause: kochen, putzen, Netflix schauen. Wer hat da schon Zeit, nebenbei noch kurz die Welt zu retten?

Denn ehrenamtliche Tätigkeiten verlangen nicht nur Zeit, sondern auch Engagement, Herzblut und Energie – ein zu hoher Preis?

Besonders den jüngeren Generationen wird oft vorgeworfen, sie seien unsozial und selbstsüchtig: Generation Z schaue den ganzen Tag nur Clips auf Videoportalen; Millenials seien arbeitsscheu und faul – dabei engagieren sich immer mehr junge Menschen im THW.

Ehrenamt ist Ehrensache

Seit dem Start der bundesweiten THW-Werbekampagne „Deine Zeit ist jetzt.“ im September letzten Jahres haben sich rund 3.800 junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren für ein ehrenamtliches Engagement im THW gemeldet – so viele wie seit Jahren nicht.

Die meisten von ihnen kommen frisch aus der Lehre oder suchen nach einem Ausgleich zum Studium. In den Ortsverbänden – den regionalen Niederlassungen des THW – finden sie Anschluss: Gleichgesinnte, die sich für Technik interessieren und Spaß daran haben, anderen zu helfen.

Im THW tauschen sie das Büro gegen den Stegebau, das Pausenbrot gegen Spanngurte, das Feierabendbier gegen den Trennschleifer. Das Engagement im THW bietet Abwechslung: Einfach mal den Kopf frei machen – und Gutes tun.

Helfer*innen des THW lassen Worten Taten folgen.

Für viele ist das Engagement im THW ein Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft. Sich ehrenamtlich zu engagieren bedeutet, uneigennützig zu handeln.

Doch das heißt nicht, dass die Helfer*innen nicht auch vom THW profitieren können. Im THW gewinnen sie wertvolles Know-how zum Thema Katastrophenschutz – und das völlig kostenfrei. Außerdem erwerben sie persönliche Soft Skills: Je nach persönlichem Interesse können Weiterbildungen in Sachen Arbeitssicherheit, Didaktik oder Presse- und Öffentlichkeitsarbeit belegt werden.

Deine Zeit ist jetzt.

Du möchtest mitmachen? Bei unseren rund 80.000 Helfer*innen bist du in bester Gesellschaft. Mehr Infos rund ums ehrenamtliche Engagement im THW findest du auf jetzt.thw.de

Das Technische Hilfswerk ist eine Zivil- und Katastrophenschutzorganisation. Die Hauptaufgabe liegt in der technischen Unterstützung, besonders im Zivilschutz, bei Einsätzen und Maßnahmen im Ausland, der Bekämpfung von Katastrophen, bei größeren öffentlichen Notständen und Unglücksfällen sowie bei sonstigen Unterstützungsleistungen und Maßnahmen. Das THW gehört als Bundesanstalt zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat. Rund 80.000 Helfer*innen engagieren sich ehrenamtlich beim THW, nur zwei Prozent der Mitarbeiter*innen sind Hauptamtliche.

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