Mittwoch, 28. September 2022

Deutsche Zeitgeschichte digital erleben

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Jedes Museum ist ein eigenes kleines Universum. Es gibt Wissenschaftler*innen, die Ausstellungen konzipieren, bei den Werkstätten Fachleute, die dafür sorgen, dass die komplexe Elektrik im Museum und die Beleuchtung funktioniert oder z.B. Schreiner*innen, die die Wechselausstellungen ganz individuell fertigen. Außerdem gibt es die Restaurierungsexpert*innen, die sich um unsere Sammlungsobjekte kümmern, sie hegen und pflegen, oder Mitarbeiter*innen aus den Depots, die dafür sorgen, dass die Objekte für die Nachwelt gut erhalten bleiben.

Diese Menschen, die alle zusammen das Museum zum Strahlen bringen, sehen die Museumsbesucher*innen normalerweise nicht.

Doch man kann ihnen begegnen – digital, im Netz.

Die Online-Redaktion der Stiftung veröffentlicht täglich bei Facebook, Twitter und Instagram Posts und Tweets, um deutsche Zeitgeschichte unterhaltsam und fundiert zu vermitteln und zu zeigen, wie Museumsarbeit abläuft. Mit besonderen Aktionen wie #AlleinImMuseum oder #MuseumAtHome werden die digitalen Besucher*innen eingeladen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen oder an den privaten Sammelleidenschaften von Mitarbeiter*innen teilzuhaben. Die Online-Redaktion ist auch mit Videokamera, Handy und Mikrofon in unseren Ausstellungen unterwegs. In den Video-Clips erzählen die Menschen, die im Museum arbeiten, wie Objekte in unsere Sammlungen kommen, was in den Ausstellungen beim Publikum besonders beliebt ist und wie sie sich die Zukunft des Museums vorstellen.

In unserem Depot in Bonn haben wir eine Geschichte über den Flügel aus der Semperoper aus Dresden gedreht. Dieser Flügel wurde beim Elbehochwasser beschädigt. Diese Spuren müssen sichtbar bleiben, aber der Flügel soll auch für die Nachwelt erhalten bleiben und so wird er in geringem Maße restauriert. Das Video findet ih hier. (Foto: Stiftung Haus der Geschichte)

Wer lieber zuhört, für den gibt es „Zeitgeschichte(n) – Der Museumspodcast“. Ob Mondgestein, DDR-Geschirr oder ein Telegramm – in diesem digitalen Gesprächsformat lassen Wissenschaftler*innen der Stiftung deutsche Zeitgeschichte anhand herausragender Objekte aus der Bonner, der Berliner und der Leipziger Dauerausstellung lebendig werden. Mittlerweile gibt es 22 Folgen, die fast 100.000 Mal abgerufen wurden.

Mit den digitalen Angeboten will die Stiftung auch diejenigen mit deutscher Zeitgeschichte erreichen, die nicht in der Nähe eines der Museen wohnen oder die Geschichte lieber auf eine andere Art erleben möchten. Wir erzählen Geschichte und Geschichten, möchten mit unseren Besucher*innen ins Gespräch kommen und uns über Geschichte austauschen – in den Ausstellungen und digital.

Die Entführung der Passagiermaschine „Landshut“ sowie deren Befreiung hat sich als eines der zentralen Ereignisse des sogenannten „Deutschen Herbstes“ in das kollektive Gedächtnis gebrannt. Im Museum können Besucher*innen Objekte dazu erkunden, digital ist das neue Webprojekt landshut77 zu sehen. Es erzählt die Ereignisse aus der Perspektive der Menschen, die während der Entführung als Geiseln an Bord sind, der Flugzeug-Crew und der GSG 9-Beamten, die an der Befreiung beteiligt sind.

Auf der Webseite „Weg der Demokratie“ werden 65 authentische Orte in Bonn vorgestellt, die die bundesdeutsche Demokratiegeschichte seit 1949 prägten. Das neue umfangreiche Online-Angebot schlägt neun Routen vor, auf denen man sich per Smartphone von Ort zu Ort navigieren lassen kann. Oder man entdeckt sie bequem von zu Hause aus.

In unserer Livestream-Reihe “Heimat Ostdeutschland? Junge Perspektiven” diskutieren wir digital und im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig mit unseren Gästen das vielschichtige Thema Heimat.

2021/2022 haben wir unter dem Thema “Heimat Ostdeutschland? Junge Perspektiven” eine hybride Veranstaltungsreihe konzipiert und durchgeführt. Die Aufzeichnung gibt es hier. (Foto: Stiftung Haus der Geschichte)

Heimat bedeutet für die/den eine*n kleine Rituale aus der Kindheit, Gerüche und bestimmte Speisen, für andere auch schmerzliche Erfahrungen. All das sind Puzzlestücke von Heimat, von Zugehörigkeit. Wir haben junge Menschen gefragt, die im Osten leben – egal, wo sie geboren wurden – warum sie gern dort leben, wofür sie sich engagieren.

Dazu gehörten bereits die Journalistin Nhi Le, der Aktivist Philipp Rubach, der Künstler Philipp Baumgarten, und sowie Hannah Suppa, Chefredakteurin der Leipziger Volkszeitung und Antonie Rietzschel, Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung. Die Livestreams können auf unserem YouTube-Channel noch angesehen werden. Weitere sind geplant.

Geschichte erfahren ist vielfältig. Digital oder im Museum. Ihr habt die Wahl. Wir freuen uns auf euren Besuch!

Hier findet ihr uns auf Social Media:

Und hier findet könnt ihr euch weitere digitale Projekte der Stiftung anschauen:

Ellen Lehmann ist Historikerin und Journalistin. Seit 2017 leitet sie die Onlineredaktion der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Die Onlineredaktion macht die vier Museen in Bonn, Berlin und Leipzig und deutsche Zeitgeschichte auch im Netz erfahrbar, lässt die User hinter die Depottüren schauen und zeigt, wie Ausstellungen entstehen. Davor arbeitete Ellen Lehmann als Redakteurin: postete für RTL, drehte für n-tv, schrieb für die FAZ und produzierte Beiträge für die Deutsche Fernsehnachrichten Agentur.

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