Mittwoch, 30. November 2022

Der Ideenwettbewerb GovUp.NRW bringt Startups und öffentliche Verwaltung zusammen

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Vielleicht kennst du bereits genau solch eine Situation: Als Bürger*in interagierst du mit der Verwaltung oder du arbeitest sogar in einer Behörde und durchläufst dabei immer wieder dieselben mühseligen, teilweise veralteten Prozesse.

„Dafür muss es doch auch nutzerfreundlichere, innovativere und effektivere Ansätze geben?”, fragst du dich. Genau hier setzt das Konzept des GovUp.NRW-Ideenwettbewerbs an:

Der Beauftragte der Landesregierung Nordrhein-Westfalen für Informationstechnik (CIO NRW) möchte – unterstützt durch PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH und PUBLIC Deutschland GmbH – mit dem Ideenwettbewerb das Innovationspotenzial von Startups für die Verwaltung der Zukunft heben.

Der GovUp.NRW-Ideenwettbewerb verfolgt daher das Ziel, das technologische Know-How und die Kreativität von Gründer*innen für die Digitalisierung der Verwaltung nutzbar zu machen. Zudem soll mit diesem Wettbewerb das gegenseitige Verständnis für die jeweiligen Bedürfnisse geschärft werden und der Weg für eine institutionalisierte Zusammenarbeit vorbereitet werden.

Was ist ein Ideenwettbewerb und welchen Mehrwert stiftet er für die beteiligten Akteur*innen?

Wie der Name erahnen lässt, stehen beim Ideenwettbewerb kreative Ideen im Vordergrund. Bei dem Wettbewerb werden Startups dazu aufgerufen, innovative Lösungen für eine digitale Verwaltung auszuarbeiten. Unsere Aufgabe als GovUp.NRW-Projektteam ist es dabei, junge Unternehmen und die Landesverwaltung NRW in einem strukturierten Innovationsprozess über mehrere Monate zusammenzubringen.

Auf der einen Seite erfährt so die Verwaltung die Chance, Lösungskonzepte für akute Problemstellungen durch eher unübliche Partner zu erhalten und lernt gleichzeitig neue Technologien und Denkweisen kennen. Vielleicht erschließen sich im Prozess darüber hinaus neue Optionen für zukünftige Kooperationen zwischen den beiden Sektoren.

Auf der anderen Seite haben Startups durch einen solchen Ideenwettbewerb den Vorteil, ihre Ideen und Produkte auf dem noch recht unerschlossenen, aber wachsenden, sogenannten “GovTech”-Markt (GovTech ist die Abkürzung für den englischen Begriff „Government Technology“ und beschreibt Technologien und Unternehmen, die zur Digitalisierung von Dienstleistungen und Prozessen im öffentlichen Sektor beitragen) zu erproben. Außerdem lernen sie durch ein Format wie den Ideenwettbewerb die Kultur und Arbeitsweisen der öffentlichen Verwaltung kennen, die gewiss in vielen Punkten anders tickt als die jungen Unternehmen selbst.

Auch für Bürger*innen ergeben sich aus solch einem Format – wenn auch indirekt – viele Vorteile. Durch neue technologische Ideen wird oftmals die Nutzerfreundlichkeit von Produkten erhöht, was dazu führt, dass immer mehr Bürger*innen die Dienste der Verwaltung nutzen. Etwa, indem es durch die von den Startups erarbeiteten Lösungen einfacher geworden ist, einen Bauantrag direkt im Internet überprüfen zu lassen.

All diese Vorteile eines Wettbewerbs konnten wir bereits letztes Jahr unmittelbar erleben. Gemeinsam mit der hessischen Landesregierung haben wir, d.h. PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH und PUBLIC Deutschland GmbH – den Ideenwettbewerb hybrides eGovernment durchgeführt. Teilgenommen haben dabei unterschiedliche Startups aus ganz Deutschland. Dabei waren z.B. Verimi, ein Start-up mit Produkten zur Verwaltung digitaler Identitäten oder das Startup PaDaJo, welches sich um Lösungen zur Erleichterung des digitalen Antragsprozesses in der öffentlichen Verwaltung kümmert.

Während der Wettbewerb in Hessen im Frühjahr 2022 zum Abschluss kam, befindet sich der GovUp.NRW-Ideenwettbewerb aktuell in einer frühen Phase des Innovationsprozesses. Der Startschuss erfolgte am 21. Juni mit einem sogenannten Reverse Pitch Event. Bei diesem Event pitchten nicht wie üblich Startups ihre Ideen, sondern die NRW-Landesbehörden präsentierten ihre konkreten Problem- und Fragestellungen aus dem Behördenalltag vor den Startups. Für diese Challenges werden nun innovative, digitale Lösungen gesucht. Wir haben dabei drei Challenges ins Rennen geschickt:

Die drei Challenges

Challenge 1: Seiteneinsteigende in den Schuldienst

Challenge 2: Visualisierung von Strukturen der Zusammenarbeit

Challenge 3: Digitale Barrierefreiheit

Challenge 1 stammt aus dem Bereich Bildung: Immer mehr Schulen benötigen Seiteneinsteigende zur Aufstockung des Lehrpersonals, um den hohen Lehrer*innenbedarf zu decken. Potenzielle Seiteneinsteiger*innen wissen jedoch oftmals nicht um die Möglichkeit eines fachfremden Einstiegs ohne klassisches Lehramtsstudium. Gesucht wird deshalb eine digitale Lösung, die Menschen hilft, die sich für den Seiteneinstieg ins Lehramt interessieren und beispielsweise vor der Frage stehen: „Ich habe Architektur studiert – kann ich damit Lehrerin werden?”

Challenge 2 beschäftigt sich mit der Visualisierung von Strukturen der Zusammenarbeit, denn auch in der Verwaltung wird immer mehr an Querschnittsthemen gearbeitet – oft ist diese Zusammenarbeit im Haus jedoch ziemlich unübersichtlich. Eine digitale Lösung zur Visualisierung von Netzwerkstrukturen könnte eine Übersicht verschaffen und so Synergien im Arbeitsalltag identifizieren.

Challenge 3 dreht sich um das Thema digitale Barrierefreiheit. Digitale Barrierefreiheit bedeutet, dass digitale Angebote für alle Menschen zugänglich und nutzbar gemacht werden, unabhängig von körperlichen Einschränkungen. Warum ist das wichtig? Der Zugang und die Nutzung von digitalen Angeboten wie z.B. Websites, Apps oder Videos, nimmt im alltäglichen Leben der Menschen eine immer größere Rolle ein. Insbesondere für Menschen mit Behinderungen bieten digitale Anwendungen die Möglichkeit der Selbstständigkeit, Selbstbestimmtheit und damit gesellschaftlicher Teilhabe. Oftmals existieren in der öffentlichen Verwaltung jedoch digitale Anwendungen und Produkte, die die spezifischen Anforderungen digitaler Barrierefreiheit noch nicht ausreichend berücksichtigen. Challenge 3 sucht deswegen nach Lösungen für solche Herausforderungen.

Die Bewerbung ist bis zum 19. Juli 2022 möglich – am Ende des GovUp.NRW-Ideenwettbewerbs werden die besten Lösungsideen prämiert

Interessierte Startups können sich noch bis zum 19. Juli 2022 mit ihren Lösungsideen über unsere Homepage www.govup.nrw auf eine oder mehrere der drei Challenges bewerben.

Alle eingereichten Lösungsideen werden anhand von Bewertungskriterien wie z.B. Innovationsgrad, Mehrwert und Umsetzbarkeit durch eine Jury analysiert. Je Challenge werden die drei am besten geeigneten Ansätze anschließend weiterverfolgt. Dafür bekommen die jeweiligen Startups circa acht Wochen Zeit, um ihre Lösungsideen zu konkretisieren, indem sie entweder einen klickbaren Prototyp entwickeln oder ein Konzept für eine mögliche Umsetzung im Echtbetrieb ausarbeiten. In der Ausarbeitung ihrer Ideen werden die Startups von Fachexperten*innen und Mentor*innen unterstützt.

Nach dieser „Prototyping-Phase“, stellen die Startups ihre ausgearbeiteten Lösungen beim öffentlichkeitswirksamen Presentation Day vor und werden mit – von ihrer Platzierung abhängigen – Preisgeldern belohnt. Mit dem Presentation Day ist der Ideenwettbewerb offiziell beendet. Im Anschluss daran streben der CIO und die Landesverwaltung NRW eine Weiterverwendung der Lösungskonzepte an, die möglichst in eine Umsetzung der Ideen gemeinsam mit den Startups münden soll.

Dennis Fischer ist Senior Consultant bei der PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH am Standort Düsseldorf. Dennis berät Kunden im öffentlichen Sektor vor allem zu den Themen E-Government, Innovation und Projektmanagement. Dennis ist Sozialwissenschaftler mit den Forschungsschwerpunkten Politikmanagement und Ökonomie und leitet das Projekt GovUp.NRW-Ideenwettbewerb.

Benjamin Thake ist Consultant im Düsseldorfer Büro der PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH. In seiner Tätigkeit als Berater unterstützt er öffentliche Kunden insbesondere in den Bereichen Strategie, GovTech und Open Data. Benjamin absolvierte den Master of Public Policy an der Hertie School of Governance und der National University of Singapore.

Viktoria Grzymek ist Prokuristin und Head of Ecosystem & Operations bei PUBLIC Deutschland. PUBLIC Deutschland ist ein Ökosystem-Unternehmen für Government Technology (GovTech). Viktoria bringt Startups und den öffentlichen Sektor durch verschiedenste Programme und Angebote zusammen. So leitete sie seitens PUBLIC u.a. zwischen August 2021 und Mai 2022 den Ideenwettbewerb hybrides eGovernment. Viktoria hält einen Master of Public Policy der Hertie School of Governance.

Ann-Kathrin Kornemann ist Programmes Associate bei PUBLIC Deutschland. Neben ihrer Arbeit für den GovUp.NRW-Ideenwettbewerb arbeitet sie an einem Workshopformat rund um die innovative Beschaffung von GovTech-SaaS-Lösungen im öffentlichen Sektor. Ann-Kathrin hält einen Master of Arts in Public Policy & Management der Universität Potsdam.

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