Montag, 22. April 2024

Forderung nach mehr Förderung

Film ab

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Jonas Benecke
Jonas Benecke
Jonas Benecke ist Werkstudent beim Behörden Spiegel und unterstützt die Online Redaktion beim Audio- und Videoschnitt, sowie bei Recherchearbeiten und der Vorbereitung von F4p Beiträgen. In seiner Freizeit produziert er gerne Musik und arbeitet an eigenen Remixes.

Filmprojekte aus europäischen Ländern sind oft auf eine staatliche Filmförderung angewiesen. Die wurden ins Leben gerufen, da man in Europa zum einen den sich selbst finanzierenden amerikanischen Produktionen entgegenwirken und im gleichen Zug zum heimischen Filmschaffen motivieren wollte. Zum anderen hat der europäische Markt nicht so viele Abnehmer und die Filme finden meist nicht den Weg auf die großen Märkte in den USA oder China, unter anderem wegen der Sprachbarriere. Dementsprechend können sich die Filme nicht zwangsläufig durch die Einnahmen refinanzieren und sind auf Hilfsmittel angewiesen. 

Deutschlands Filmförderung steht mit etwa 200 Mio. Euro jährlich auf Platz 3 im europäischen Vergleich, mit recht deutlichem Abstand zu Großbritannien (Platz 2, 271 Mio. Euro) und Frankreich (Platz 1, 820 Mio. Euro). Dabei stammen nur etwa 50 Mio. vom Staat und zuzüglich 150 Mio. aus regionalen Quellen. Der Etat wird in verschiedene Filmbereiche gegliedert, die alle mit unterschiedlichen Mitteln gefördert werden: Spielfilm, Dokumentarfilm, Kurzfilm und Kinderfilm. Spiel- und Dokumentarfilme, die für die Aufführung im Kino gedacht sind, werden mit maximal 500.000 Euro bezuschusst, wobei in Ausnahmefällen diese Finanzierung auch auf Bis zu 1 Mio. Euro steigen kann. Für die anderen Filmformen und die separate Stoff- und Drehbuchentwicklungsförderung werden maximal 30.000 Euro als Zuwendung bereitgestellt. 

Die Förderentscheidungen basieren auf den Empfehlungen von fachkundigen, unabhängigen Jurys, welche alle eingegangen Anträge ausführlich und differenziert begutachten. Hierfür werden von der Kulturstaatsministerin zwei unabhängige Jurys für Spielfilm und Dokumentarfilm jeweils für eine Amtszeit von drei Jahren ausgewählt. Sowohl für den Bereich Spielfilm als auch für den Bereich Dokumentarfilm werden jeweils drei Abgabetermine im Jahr angeboten, zu welchen Anträge auf Produktionsförderung gestellt werden können, die dann mit einer Zuwendung bedacht werden können. 

Unter einer Zuwendung versteht man die freiwillige Bereitstellung von finanziellen Mitteln durch den Bund an Stellen, die außerhalb der Bundesverwaltung sind. Damit sollen bestimmte Zwecke, wie z.B. die Kulturförderung verfolgt werden. In der deutschen Filmförderung erhält allerdings nur ein Spiel- und Dokumentarfilm für die Kinos eine nicht rückzahlbare Zuwendung (Zuschuss), während die anderen Filmformen nur bedingt oder unbedingt rückzahlbare Zuwendungen erhalten (Darlehen).  

An diesem Punkt setzt die Kritik vieler Filmexperten und Filmemacher an, die sich für eine bedingungslose Förderung aussprechen. Das künstlerische Potenzial deutscher Filmemacher, vor allem derer, die keine Spiel- und Dokumentarfilme für das Kino produzieren wollen, sei stets an die Rückzahlung der finanziellen Mittel gebunden und somit gehemmt und unterdrückt.  

Weitere Kritik gibt es zu dem Prinzip der Standortförderung. Die Medienanstalten der verschiedenen Bundesländer haben die Intention durch die Förderung eines Films, der dann im eigenen Bundesland gedreht wird, einen wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen und unter anderem auch „Werbung“ für das eigene Land zu machen. So kam es in der Vergangenheit dazu, dass auch amerikanische Produktionen, wie z.B. „Grand Budapest Hotel“ durch deutsche Filmförderung unterstützt wurde, da zu großen Teilen in Berlin gedreht wurde. Mehr als ein Fünftel der Produktionskosten des Films, die sich auf 25 Mio. USD beliefen, wurde von der deutschen Filmförderung finanziert. 

Weiterhin lässt sich der zunehmende Einfluss von Fernsehsendern auf den Filmförderungsprozess als kritisch betrachten, da dieser im Widerspruch zu den ursprünglichen, filmkulturellen Zielsetzungen der deutschen Filmförderung steht. Da die Fernsehsender beispielsweise in NRW 60% der Fördergelder beitragen wird versucht das unternehmerische Risiko bei der Auswahl von Förderprojekten zu minimieren und nach „altbewährten Rezepten“ auszuwählen. 

Nach der Meinung vieler Filmexperten braucht es also in Deutschland dringend eine Reform der Filmförderung, die auf ihre ursprüngliche Zielsetzung den Fokus legt und die kreativen Filmemacher bedingungslos fördert, sodass sich die deutsche Filmkultur wieder diversifizieren kann. 

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