Dienstag, 27. Februar 2024

Nachhaltigkeit als Aufgabe für die öffentliche Verwaltung besser verstehen

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LunchBreak for Future an der Universität Speyer

Für nachhaltige Entwicklung als eines der wichtigen gesellschaftlichen Themen unserer Zeit müssen auch Staat und Verwaltung viel Verantwortung für zukunftsfähige Veränderungen übernehmen. Orientierung dazu bieten die 17 Nachhaltigkeitsziele oder Sustainable Development Goals (SDGs), die 2015 von der UN verabschiedet wurden. Nachhaltige Entwicklung bedeutet dabei die Verfolgung ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Ziele in ausgewogener Weise und mit einer langfristigen Perspektive. Energiewende, nachhaltige Stadtentwicklung, Gesundheit und Bildung sind nur einige Themen der SDGs. Verwaltungen selbst werden im Ziel 16 thematisiert. Dabei liegt der Fokus auf der Entwicklung leistungsfähiger, verantwortungsvoller Institutionen, von denen Verwaltung eine ist.

Für die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele müssen umsetzbare Strategien und Maßnahmen entwickelt und für die einzelnen Länder angepasst werden. Hier spielt die öffentliche Verwaltung eine entscheidende Rolle, denn sie setzt die Rahmenbedingungen, um nachhaltige Transformationen zu ermöglichen und anzustoßen. Sehr unterschiedliche Themen müssen dabei berücksichtigt werden. Energiewende und Mobilität sind drängende Herausforderungen auf Bundes-, Länder- und Kommunalebene. Dazu kommen Fragen der Biodiversität, des Flächenverbrauchs und des Wassermanagements. Doch auch ökonomische Herausforderungen wie nachhaltiges Wirtschaften und soziale Themen wie Partizipation und Teilhabe fordern neue Ideen.

Da kreative Ideen am besten miteinander durch Kommunikation und Austausch entstehen, wurde vom Innovationslabor „Wissens- und Ideentransfer für Innovation in der Verwaltung“ (WITI) an der Universität Speyer ein neues Gesprächsformat ausprobiert – ein „Lunchbreak for Future“. Die „LunchBreak“-Sessions sind kurz, diskussionsanregend und finden immer zur Mittagszeit statt. Hier diskutieren Wissenschaftler*innen, Studierende der Universität sowie Praktiker*innen und weitere Interessierte über das Thema „Nachhaltigkeit als Aufgabe für die öffentliche Verwaltung“.

Die Reihe lief bisher sehr erfolgreich im Studienjahr 2020/2021 und soll im nächsten Semester fortgesetzt werden. Dabei wurden sowohl neue Ergebnisse aus der Wissenschaft als auch Erfahrungen aus der Praxis vorgestellt.

Ausgangspunkt war eine globale Perspektive auf die Nachhaltigkeitsziele: Wie kann es gelingen, die SDGs, die sehr allgemein formuliert sind, in verschiedenen Ländern umzusetzen? Der erste Beitrag eröffnete dazu Einblicke in die Arbeit der UNO und stellte einige im Auftrag der UNO entwickelte Tools vor, die Verwaltungen bei der Umsetzung unterstützen und ihnen ermöglichen, den Stand ihrer Nachhaltigkeitsbemühungen zu bewerten. Da Nachhaltigkeit eine Aufgabe ist, die nur in Zusammenarbeit verschiedener Akteure zu bearbeiten ist, thematisierte der nächste Beitrag das Forschungsformat Reallabore. Reallabore ermöglichen es, Herausforderungen vor Ort, in der eigenen Stadt, mit Akteuren aus Verwaltungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam zu bearbeiten und Lösungen zu finden, die genau zur Stadt und dem eigenen Kontext passen. Ein weiterer Impuls befasste sich mit der Mobilitätswende als wichtige kommunale Herausforderung. Besonders spannend war der Blick auf das Thema Parkraumbewirtschaftung und hier die Perspektive der Bürger*innen. Aufschlussreich waren auch die Impulsbeiträge aus der Praxis: der Mannheimer Oberbürgermeister diskutierte mit einer Stadtforscherin über die Rolle von Stadt und Wissenschaft für nachhaltige Umgestaltung der Städte. Zwei Hamburger Jurist*innen befassten sich mit nachhaltiger Beschaffung, womit Verwaltungen viel Einfluss auf nachhaltigere Produktion nehmen können. Der neue Oberbürgermeister von Wuppertal sprach über die Herausforderungen, die sein Amt mit sich bringt. Diese verschiedenen Themen wurden durch den abschließenden Vortrag zu Nachhaltigkeit und Verwaltungsinnovation abgerundet.

Die Reihe soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden. Informationen über die Termine sind zu finden unter: https://www.witi-innovation.de/

Die Vorträge sind über den Witi-You-Tube-Channel zugänglich.

Dr. Editha Marquardt leitet seit 2018 das Projekt „Town & Gown – Zur Verbesserung der Zusammenarbeit von Stadt und Hochschule“ im WITI-Projekt an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer. Die Stadtforscherin befasst sich mit aktuellen Stadtentwicklungen in der Wissensgesellschaft, Transformationen zur Nachhaltigkeit sowie Reallaborforschung. Eine wichtige Rolle spielen dabei transdisziplinäre Ansätze.

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