Montag, 28. November 2022

Stadtpuls – mit Sensoren die Stadt vermessen

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Die Fenster im Altbau an der Skalitzer Straße vibrieren im Takt der U1, der morgendliche Verkehr fließt im Rhythmus der Ampelschaltungen, Mülleimer füllen und leeren sich wieder und Temperatur und Tageszeit bestimmen, an welchen Orten wir verweilen: wie ein stetiger Puls durchfliessen Daten unsere Städte. Mit Stadtpuls hat das CityLAB Berlin eine offene IoT-Plattform geschaffen, die dabei unterstützt, Sensordaten zu erfassen, zu visualisieren und für weitere Datenauswertung bereitzustellen. Nun ist die Community gefragt, eigene Sensoren mit der Plattform zu verknüpfen, um gemeinsam den Puls Berlins zum Leben zu erwecken.

Wie laut ist es in meiner Straße? Wie hoch ist der CO2-Wert in meinem Klassenraum? Wie hoch ist die Feinstaubbelastung vor meiner Haustür? Die neue offene IoT-Plattform Stadtpuls des CityLAB hilft, Daten zu erfassen und erlebbar zu machen. 

So wie es Github für Open Source-Software gibt, stellt Stadtpuls die Sensordaten von IoT-Devices (Internet of Things) frei zur Verfügung. Jede:r kann dort eigene Sensoren über LoraWAN oder HTTP anschließen und die Messwerte für andere verfügbar machen. Gemessen werden kann alles, was Sensoren messen können, zum Beispiel Luftqualität, Lärm oder Helligkeit. Die erhobenen Daten können direkt auf der Plattform eingesehen werden, stehen aber auch maschinenlesbar als Download bereit und werden über eine REST-API Schnittstelle angeboten.

Die Startseite von Stadtpuls.com setzt auf leichte Zugänglichkeit. (Grafik: CityLAB Berlin)

Für wen ist Stadtpuls?

Stadtpuls richtet sich primär an die Zivilgesellschaft, die Zugriff auf Echtzeitdaten bekommt, die so bisher in Berlin nicht angeboten werden. Die Zentralisierung der bereitgestellten Sensordaten sowie die einfache Verwendung über eine moderne API ermöglicht es auch Laien, etwa bei schulischen Projekten, auf aktuelle Messwerte wie Temperatur, CO2-Gehalt der Luft, Lautstärke oder viele weitere Indikatoren zuzugreifen. Damit bereichert Stadtpuls die Open Data-Strategie des Landes Berlin.

Ester lötet einen der Lautstärkesensoren in der Werkstatt des CityLAB Berlin. (Grafik: CityLAB Berlin)

Geschichten erzählen mit Stadtpuls

Ein einzigartiges Feature von Stadtpuls ist die Möglichkeit, die Sensordaten in Echtzeit-Diagramme zu verwandeln und damit Geschichten zu erzählen, die sogenannten „Stadtpuls-Stories”. Damit baut Stadtpuls eine Brücke zwischen Citizen Science und datenbasierten Erzählformaten, wie man sie aus dem Datenjournalismus kennt. Die Stories sind alleinstehende Websites, welche auch auf Social Media geteilt werden können.

Die erste Stadtpuls Story “Der Rhythmus des Wrangelkiez” wurde in Kooperation mit dem Team der Open Data Informationsstelle (ODIS) erstellt und befasst sich mit dem Thema Lautstärke in der Stadt, in diesem Fall im Berliner Wrangelkiez. Insgesamt sieben IoT-Sensoren wurden an verschiedenen Standorten verteilt und zeichneten über die Dauer von einer Woche den ganz individuellen Puls des Szenebezirks. Lisa Stubert und Ester Scheck von ODIS wollten wissen: Wie wird die Lebensqualität im Kiez durch Lärm beeinflusst? Welche kleinräumigen und zeitlichen Muster gibt es in Kiezen? Gibt es Zeiten und Orte, die besonders laut oder leise sind? Wie gut können Lärmmuster gemessen werden und passen subjektive Eindrücke und gemessene Daten zusammen? Entstanden ist eine lesenswerte Geschichte von versteckten Hinterhöfen, einem lauten Supermarkt und einer Entführung.

Spannende Einblicke in das akkustische Profil des Szenebezirks Wrangelkiez in Berlin. (Grafik: CityLAB Berlin)

Beta-Launch

Mit dem Launch im Dezember letzten Jahres steht die neue IoT-Plattform noch ganz am Anfang und wird wahrscheinlich „forever beta“  bleiben, denn fertig ist so ein Projekt eigentlich nie. Und das ist auch gewollt, denn Stadtpuls ist gemacht für die Berliner Stadtgesellschaft und lebt vom Feedback und den Wünschen der Community. 

Schon heute kann man auf www.stadtpuls.com innerhalb von wenigen Minuten einen eigenen Account anlegen und neue oder bestehende Sensor Projekte via TTN oder HTTP Protokoll anbinden. Dabei hilft die ausführliche Anleitung, die ersten Hürden zu meistern. Stadtpuls stellt alle Daten in Form von grafischen Visualisierungen bereit, bietet Links zum Download der Messdaten sowie einen API-Endpoint für jeden angeschlossenen Sensor. So wird das Projekt gesehen und ermöglicht es Interessierten, mit den bereitgestellten Sensordaten zu arbeiten.

Innerhalb weniger Minuten kann ein bestehender Sensor an Stadtpuls angeschlossen werden. (Grafik: CityLAB Berlin)

Die einfach zu verwendenden Stadtpuls Story-Templates helfen bei den ersten Schritten, eigene Geschichten zu erzählen und ansprechend aufzubereiten.

Mitmachen

Wir freuen uns sehr, Stadtpuls gemeinsam mit der Community weiter zu entwickeln und haben viele Ideen für neue Features und spannende Stadtpuls-Stories. Besonders freuen wir uns auf frische Sensordaten über die Hauptstadt, bereitgestellt von Berliner Verwaltungen, städtischen Betrieben, Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder eben einfach Berliner:innen 🙂 . Dabei unterstützen wir gerne bei den ersten Schritten hin zu einer offenen und datengestützten Smart City Berlin. 

Detailansicht eines an Stadtpuls angeschlossenen Sensors. (Grafik: CityLAB Berlin)

Das CityLAB, ein Projekt der Technologiestiftung Berlin und gefördert von der Berliner Senatskanzlei, entwickelt als öffentliches Innovationslabor prototypische digitale Lösungen für die Stadt von morgen.

Ingo Hinterding ist Product Lead am CityLAB Berlin. Er studierte Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Interface Design an der Fachhochschule Aachen und verfügt über langjährige Erfahrung in Produktmanagement, Design und Softwareentwicklung sowohl als Freelancer als auch als Gründer diverser StartUps. Sein Fokus liegt auf der agilen Entwicklung pragmatischer Softwarelösungen für komplexe Problemstellungen.

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