Montag, 26. September 2022

Du kannst es sein: Klimafreundlich, klimaneutral & klimapositiv!

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Der Beitrag der Einzelnen

Was kann der oder die Einzelne für den Klimaschutz schon tun? Ganz schön viel, keine Frage. Aber bringt das auch was? Was sind denn die besonders wirksamen Handlungsmöglichkeiten von dir und mir? Das Umweltbundesamt hat hierzu einige spannende Antworten und mit dem CO2-Rechner, dem Verbraucherportal und der Denkwerkstatt Konsum hilfreiche Tools. Wenn wir dann noch ein paar Fehlannahmen und Vorurteile beiseite räumen, können wir heute schon effektiv klimafreundlich handeln, klimaneutral leben und klimapositiv wirken.

Klimafreundlich handeln

Im Durchschnitt haben wir in Deutschland einen CO2-Fußabdruck von rund elf Tonnen. In zehn bis 20 Minuten kannst du mit dem UBA-CO2-Rechner selbst ermitteln, wie hoch dein eigener ist. Wie wird dieser aber spürbar kleiner? Mit dem Leitsatz „Hauptsache anfangen“? Eher nicht. Du müsstest z.B. über 50.000 Plastikfolien von Salatgurken oder über 20.000 Stunden Videostreaming vermeiden, um eine Tonne CO2 einzusparen. 20.000 Stunden, das sind mehr als zwei Jahre! Auch haben wir alle den lieben langen Tag noch an andere Dinge zu denken, als nur an die CO2-Optimierung von Konsumentscheidungen. Statt sich deshalb allzu lange über Peanuts den Kopf zu zerbrechen, sollten wir besser die Big Points des klimaschädlichen Konsums in den Fokus rücken: Energieerzeugung, Heizung und Warmwasser, Auto und Flugreisen sowie den Konsum tierischer Produkte. Mit wenigen solcher Big Points könnten wir im Durchschnitt unseren CO2-Fußabdruck sogar halbieren (siehe Abbildung).

(Grafik: Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum)

Jetzt hat natürlich jede*r andere Möglichkeiten und vor allem auch andere Vorlieben. Was nützt es mir als Mieter*in zu wissen, dass ich mit guter Wärmedämmung ganz viel CO2 einsparen könnte? Um die eigenen, machbaren Big Points zu finden, kann der CO2-Rechner individuelle Möglichkeiten aufzeigen. Darüber hinaus helfen noch zwei Tipps:

  • Mit Klimaschutz Geld sparen: Mit einem Sparduschkopf kann ich nicht nur mehrere hundert Kilogramm CO2 einsparen, sondern auch 100 Euro und mehr an Warmwasserkosten pro Jahr. Unter zehn km Fahrrad fahren (statt Auto), Carsharing (statt eigenes Auto), LED-Leuchtmittel oder bei der Wohnungssuche bewusst „eine Nummer kleiner“ wählen: Hier lassen sich viel Geld und (!) CO2 einsparen.
  • Die eigenen Alltagsstrukturen ändern: Sparduschkopf, energieeffizienter Kühlschrank, ein zeitgesteuerte Thermostatventil für das Bad, Ökostrombezug, Carsharing-Mitgliedschaft oder grünes Girokonto. Immer gilt: Einmal gemacht, dauerhafte Wirkung, ohne (!) dass ich ständig daran denken oder mein Verhalten grundlegend ändern müsste.
(Grafik: Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum)

Ob Big Points oder Peanuts: Im UBA-Verbraucherportal finden sich viele ganz konkrete Tipps zu verschiedenen Kaufentscheidungen, die es einfacher machen klimafreundlich zu handeln.

Klimaneutral leben

Das große gemeinsame Klimaschutzziel lautet Klimaneutralität. D.h. es dürfen nicht mehr CO2 und andere Treibhausgase emittiert werden, wie durch Wälder, Meere, Böden etc. wieder „geschluckt“ werden können. Wir sprechen von der „Netto-Null“. Auf individueller Ebene können wir dieses Ziel heute schon mittels freiwilliger Kompensation erreichen. Das hat rein gar nichts mit „Ablasshandel“ oder „Freikaufen“ zu tun. Vielmehr kann ich so mit einer Spende gezielt Klimaschutzprojekte auf der ganzen Welt ermöglichen und unterstützen, die das an CO2 einsparen, was ich selbst (noch) nicht schaffe. Wenn ich klimaneutral lebe, trage ich nicht mehr zum Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre bei. Nebenbei setze ich mir mit dieser „freiwilligen CO2-Steuer“ einen finanziellen Anreiz, zukünftig mehr CO2 einzusparen. Deshalb arbeitet das Umweltbundesamt übrigens seit 2020 komplett klimaneutral, d.h. alle Treibhausgasemissionen der Behörde werden am Jahresende kompensiert.

Der Einsatz für den deutschen Durchschnittsausstoß von knapp unter einer Tonne CO2 pro Monat beträgt bei myclimate, Klima-Kollekte und anderen gemeinnützigen Anbietern mit hohen Qualitätsstandards rund zwanzig Euro pro Monat (abzüglich der Steuerersparnis dank Spendenquittung). Noch einfacher funktioniert es über den Verein 3 fürs Klima (www.3fuersklima.de), der die Auswahl wirkungsvoller Klimaschutzprojekte für einen übernimmt und alle guten Anbieter im Portfolio hat.

Klimapositiv wirken

Die freiwillige Kompensation weist uns darauf hin, dass ich auch bei und mit anderen zusammen CO2 einsparen kann. In diesem Sinne kann ich nicht nur meinen eigenen CO2-Fußabdruck reduzieren, sondern auch den von anderen Menschen. Das fängt in der Familie oder Wohngemeinschaft an. Der Ökostrombezug oder der Sparduschkopf machen den CO2-Fußabdruck von allen Mitbewohner*innen kleiner. Die Weitergabe von Tipps im Freundeskreis oder das Engagement am Arbeitsplatz für Klimaschutzmaßnahmen können oft vielmehr CO2 einsparen, als eine einzelne Person selbst verursacht. Auch und gerade der gesellschaftspolitische Einsatz für klimafreundlichere Gesetze gehört dazu. Dieses Wirken gilt es zu vergrößern. Wir sprechen auch vom persönlichen „Handabdruck“, weil wir quasi andere an der Hand nehmen. Dazu muss niemand zum Missionar werden. Einfach selbst Vorbild sein und gute Tipps nicht verheimlichen lautet die Devise. Denn du benötigst keinen Führerschein, um Autobesitzer*innen die Vorteile von Carsharing erklären zu können.

(Grafik: hannaguenther.com)

Da geht noch was

Als Einzelne können wir nicht die Welt retten. Wir können auch nicht die Aufgaben von Politik und Wirtschaft übernehmen. Bei vielen Alltagsentscheidungen ist es auch gar nicht so einfach herauszufinden, was denn nun die klimafreundlichste Variante ist. Trotzdem kann jede*r heute schon klimafreundlich handeln, klimaneutral leben und klimapositiv wirken. Da geht bei jedem und jeder immer noch ein bisschen mehr! Das Umweltbundesamt hilft dabei.

Dr. Michael Bilharz (50) arbeitet Teilzeit, verantwortet beim Umweltbundesamt den CO2-Rechner, das Verbraucherportal und die Denkwerkstatt nachhaltiger Konsum, ist „Vater“ der Key Points und Big Points nachhaltigen Konsums und ehrenamtlich Sprecher des Vereins 3 fürs Klima. Er ist noch nie geflogen und besitzt keinen Autoführerschein.

(Foto: Martin Gross)

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