Freitag, 30. September 2022

Der Reparaturbonus Thüringen

Reduce – Reuse – Recycle

Must read

Eine Erfolgsstory von Anfang an

Jahr für Jahr wächst die Menge an Elektroschrott, die die Menschheit auf der Erde produziert. Deutschland nimmt dabei eine weltweite Spitzenposition ein. Denn ein Neukauf ist für uns oft finanziell attraktiver und vor allem bequemer als eine Reparatur. Das gilt besonders für kleinere Alltagsbegleiter wie Kaffeemaschinen oder ein Radio. Sie sind in größeren Supermärkten jederzeit verfügbar. Verklebte Gehäuse, fest verbaute Akkus, überteuerte Ersatzteile und fehlende Reparaturanleitungen tun ihr übriges, um eine Instandsetzung zu verhindern. Das Radio fliegt auf den Müll.

Im besten Fall werden seine Bestandteile über Wertstoffhöfe oder Elektrogeschäfte recycelt. Landet das Gerät im Hausmüll, gehen mit ihm auch wertvolle Rohstoffe verloren. Besser für die Umwelt wäre es gewesen, dem Radio eine zweite Chance zu schenken. Es zumindest zu versuchen. Denn: Werden Elektrogeräte länger genutzt, verbraucht das nicht nur weniger Metalle, seltenen Erden, Wasser und Chemikalien. Es wird auch weniger CO2 ausgestoßen, weil weniger Geräte hergestellt und entsorgt werden müssen.

Das Europäische Umweltbüro hat 2019 ausgerechnet, dass allein die Verlängerung der Lebensdauer aller Waschmaschinen, Notebooks, Staubsauger und Smartphones im EU-Raum um nur ein Jahr rund vier Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen würde. Das entspricht laut Umweltbüro dem jährlichen CO2-Ausstoß von zwei Millionen Autos. (Hier geht’s zur Studie.) Und genau da setzt der Reparaturbonus Thüringen an.

Mit ihm soll die Lebensdauer von Elektrogeräten verlängert werden. Im Mai 2022 startete die zweite Projektphase. Das Pilotprojekt lief von Mitte Juni bis Mitte Oktober 2021. Vorbild war der Reparaturbonus in Österreich. Der Reparaturbonus Thüringen wird gefördert vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. Die Umsetzung übernimmt die Verbraucherzentrale Thüringen. Dort werden die Anträge gestellt und bearbeitet. Im Jahr 2021 handelte es sich um eine bundesweit einzigartige Initiative. Mittlerweile gibt es auch einen probeweisen Reparaturbonus in Leipzig.

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund und Dr. Ralph Walther, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Thüringen, auf der PK zum Reparaturbonus 1.0.

Damit in Deutschland alle Verbraucher*innen profitieren und um das Reparieren wieder ins Bewusstsein der Menschen zu rücken, fordert der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) einen zeitlich begrenzten Anreiz auch auf Bundesebene. Der vzbv setzt sich zudem für ein Recht auf Reparatur ein – das bedeutet zum Beispiel, dass die Hersteller verpflichtet wären, Ersatzteile zur Verfügung zu stellen.

Der Reparaturbonus Thüringen soll also:

  • Reparaturen finanziell attraktiver machen.
  • Das Reparieren wieder in die Köpfe der Menschen bringen.
  • Die Umwelt schonen.
  • Erkenntnisse für einen langfristigen Ansatz bringen.

Was wird gefördert?

Gefördert wird die Reparatur von Elektrogeräten. Einige wenige Ausnahmen gibt es, wie E-Bikes, Heizungsanlagen oder elektrisch verstellbare Möbel. Verbraucher*innen erhalten einen Zuschuss von 50 Prozent der Rechnungssumme, maximal aber 100 Euro pro Jahr. Die Rechnungssumme muss mindestens 50 Euro betragen. Die Antragsstellenden müssen mindestens 18 Jahre alt sein und ihren Hauptwohnsitz in Thüringen haben.

Und wie läuft’s?

Sehr gut! Der Reparaturbonus Thüringen war von Anfang an eine Erfolgsstory. Die Pilotphase von Mitte Juni bis Mitte Oktober 2021 endete mit mehr als 6.500 bewilligten Anträgen aus allen Ecken Thüringens. Spitzenreiter beim Reparaturbonus 1.0 waren mit rund einem Viertel der reparierten Geräte Mobiltelefone. In den überwiegenden Fällen lag ein Displayschaden vor. Ebenfalls sehr oft ließen die Antragsstellenden Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kaffeemaschinen reparieren.

Die Reparaturen wurden 2021 zur Hälfte von lokalen Fachhändlern durchgeführt, zu einem Viertel von Werkstätten. Die übrigen Reparaturen verteilten sich auf Elektrofachmärkte und den Kundendienst der Hersteller. Das Fördervolumen lag bei rund 500.000 Euro.

Seit Ende Mai läuft nun der Reparaturbonus 2.0. Bislang wurden etwas mehr als 5.000 Anträge gestellt. Im Fördertopf sind diesmal 600.000 Euro. Neu ist, dass die Anträge online eingereicht werden können und zwar hier: www.reparaturbonus-thueringen.de. Außerdem wurde das Projekt um Repair-Cafés und -initiativen erweitert. Den Bonus gibt es dort nicht auf die Reparaturleistung an sich, denn diese geschieht in der Regel ehrenamtlich durch versierte Hobbyhandwerker. Gefördert wird dort der Kauf des nötigen Ersatzteils.

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund und Dr. Ralph Walther, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Thüringen, auf der PK zum Reparaturbonus 2.0 im Mai 2022.

So könnt ihr den Thüringer Reparaturbonus 2.0 beantragen:

  • Auf www.reparaturbonus-thueringen.de den Online-Antrag ausfüllen und Rechnung sowie Zahlungsbeleg hochladen.
  • Wer ein Repair-Café besucht hat, muss einen sogenannten Laufzettel des jeweiligen Cafés hochladen sowie Rechnung und Zahlungsbeleg für das Ersatzteil.
  • Mit dem Online-Antrag wird gleichzeitig ein Benutzerkonto angelegt. Dort können die Antragsstellenden den Bearbeitungsstatus einsehen, ihre Daten ändern und Dokumente nachreichen.
  • Ist der Antrag bewilligt oder abgelehnt, erhalten die Antragsstellenden eine E-Mail. Das Geld wird auf das angegebene Konto überwiesen.   
  • Fragen zum Bonus? Auf www.reparaturbonus-thueringen.de finden sich Antworten auf die häufigsten Fragen (FAQs) und eine Liste mit Beispielgeräten. Oder ihr ruft unsere Reparaturbonus-Hotline an: 0361 555 14 35, Montag bis Freitag 13 bis 15 Uhr.

(Foto: Verbraucherzentrale Thüringen)

Mara Mertin ist Pressereferentin der Verbraucherzentrale Thüringen.


- Werbung -

More articles

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Latest article

Nach Wacken ist vor Wacken

Überschäumende Stimmung

Auf die Straße!

Kryptografie