Montag, 20. Mai 2024

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Hans Carl von Carlowitz (1645 – 1714), Oberberghauptmann aus Freiberg (Sachsen) gilt als Begründer des Prinzips der Nachhaltigkeit. Angesichts einer drohenden Rohstoffkrise formulierte von Carlowitz 1713 erstmals, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung, durch Säen und Pflanzen nachwachsen konnte. Heute hat sich das Verständnis von Nachhaltigkeit erweitert und bezieht sich unter anderem auf den Erhalt und die Nutzung der natürlichen Ressourcen in einer Weise, die zukünftigen Generationen ermöglicht, ihre Bedürfnisse ebenfalls zu befriedigen. Dies erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der ökologische, soziale und ökonomische Aspekte berücksichtigt.

Die Wiederbewaldung in Hessen ist ein wichtiger Baustein dieser ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie. Denn Wälder erfüllen eine Reihe von wichtigen Funktionen: Sie dienen als CO2-Speicher und tragen damit zur Reduktion von Treibhausgasen bei. Sie schützen Boden und Wasser und sind wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Sie bieten Rohstoffe wie Holz und dienen der Erholung und dem Tourismus. Ein gesunder Wald ist somit von zentraler Bedeutung für die Biodiversität und die Ökosystemdienstleistungen, die er erbringt.

Für das Bundesland Hessen sind Wälder und die durch sie erbrachten Leistungen von hoher Bedeutung. Über 42 Prozent der Fläche Hessens sind mit Wald bedeckt. Allerdings sind diese Wälder stark gefährdet, insbesondere durch den Klimawandel und den Borkenkäferbefall. Der Klimawandel führt zu längeren Trockenperioden und höheren Temperaturen, was die Anfälligkeit der Bäume für Schädlinge erhöht. Der Borkenkäferbefall an Nadelbäumen hat in den letzten Jahren große Schäden verursacht und stellt eine enorme Herausforderung für die Forstwirtschaft dar. Aber auch die heimischen Laubbaumarten wie die heimische Buche leiden unter den trockenheitsbedingten Schäden.

Insgesamt sind von den Folgen der Dürrejahre 2018 bis 2020 und 2022 ca. 90.000 ha Kahlflächen in Hessen entstanden, dies sind über 10 Prozent der Waldfläche. Allein 39.000 ha im Staatswald im Eigentum des Landes und ca. 51.000 ha im Kommunal- und Privatwald.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen und den Wald in Hessen langfristig zu erhalten, ist die Wiederbewaldung dieser Kahlflächen ein wichtiger Schritt. Dabei geht es darum, geschädigte Flächen wieder mit Bäumen zu bepflanzen oder sich von selbst zu verjüngen, um die Schutzwirkung des Waldes zu erhöhen und die ökologischen Funktionen wiederherzustellen. Dabei ist es wichtig, auf eine hohe Artenvielfalt zu achten und klimastabile Mischwälder aufzubauen, um die Stabilität des Ökosystems zu gewährleisten. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden durch den den Hessischen Staatswald bewirtschaftenden Landesbetrieb Hessen-Forst von 2018 bis 2022 auf insgesamt 5.525 ha ca. 14 Mio. junge Bäume gepflanzt. Die damit einhergehenden Kosten in Höhe von ca. 26 Mio. Euro im Jahr 2022 investiert der Landesbetrieb Hessen-Forst in die Zukunftssicherung des Waldökosystems. Perspektivisch werden sich die Investitionen für die Wiederbewaldung und die Sicherung der Kulturen auf ca. 34 Mio. Euro im Jahr 2023 und 2024 erhöhen. Generell stellen diese Anstrengungen eine Ergänzung zu der bevorzugten und kostensparenden natürlichen Wiederbewaldung mit heimischen Baumarten dar und unterstützen die Transformation der Wälder hin zu einem klimaresilienteren Waldökosystem.

Um die für den Standort zukünftig passenden, klimaresilienteren Baumarten auswählen zu können, wurde im Rahmen des „Integrierten Klimaschutzplanes 2025“ des Landes Hessen das Projekt „Klimarisikokarten Forst – Verbesserte Beratungsgrundlagen für neue Herausforderungen an hessische Waldbesitzer“ durch die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA), Hessen-Forst und den Hessischen Waldbesitzerverband umgesetzt. Hierbei wurden Empfehlungen für die Baumartenwahl und Bestandesbehandlung unter den Bedingungen des Klimawandels erarbeitet, um so die vielfältigen Funktionen der Wälder langfristig zu sichern. Auf der Grundlage der Ergebnisse der NW-FVA wurden Karten online zur Verfügung gestellt, auf denen für die gesamte hessische Waldfläche Vorschläge für eine zukünftige Waldbestockung, sogenannte Waldentwicklungsziele zu sehen sind. Diese bilden die Grundlage für die Wiederbewaldung im Staatswald und für die Förderung der privaten und kommunalen Waldbesitzer*innen.

Die Wiederbewaldung für Kommunal- und Privatwaldbesitzende ist kein einfaches Unterfangen, denn sie erfordert eine langfristige Planung und für die Waldbesitzenden einen hohen finanziellen und personellen Aufwand. Das Land Hessen unterstützt deshalb die Kommunal- und Privatwaldbesitzenden bei der Wiederbewaldung durch zwei verschiedene Förderprogramme aktiv. Die Richtlinie für die forstliche Förderung sowie die Extremwetterrichtlinie. Diese enthalten u.a. Förderprogramme für die Anlage von neuen Wäldern und die Erhaltung bestehender Wälder. Aufgrund des hohen Bedarfs, beläuft sich das Bewilligungsvolumen der beiden Förderungen für das Jahr 2023 auf ca. 6,7 Mio. Euro (forstliche Förderung) und auf ca. 31,6 Mio. Euro (Extremwetterrichtlinie). Um den kalamitätsbedingt rasant gestiegenen Bedarf an Fördermitteln bewältigen zu können, unterstützte der Landesbetrieb Hessen-Forst die Bewilligungsstelle des Regierungspräsidiums Darmstadt personell. Dadurch war es z.B. möglich im Jahr 2021 ca. 28 Mio. Euro an Fördermitteln auszuzahlen.

(Grafik: Eigene Darstellung Schwanke)

Insgesamt ist die Wiederbewaldung der Kahlflächen in Hessen ein wichtiger Baustein einer nachhaltigen Entwicklung, die den Schutz der natürlichen Ressourcen und die Bedürfnisse zukünftiger Generationen in den Fokus stellt. Die Arbeit des Landesbetrieb Hessen-Forst und die Unterstützung der Kommunen durch das Land Hessen leisten dabei einen wichtigen Beitrag, um die Wiederbewaldung erfolgreich umzusetzen und den Wald mit all seinen Funktionen langfristig zu erhalten.


Alexander Schwanke ist 28 Jahre alt und hat seinen Abschluss in Forstwirtschaft an der FH Erfurt im Jahr 2020 absolviert. Daraufhin folgte ein zweijähriges Referendariat, welches mit einem Staatsexamen abschloss. Seit Juni 2022 ist er für das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz als Haushaltsreferent tätig.

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