Freitag, 30. September 2022

Dienst an der Gesellschaft – eine Frage des Geldes?

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Bennet Klawon
Bennet Klawon
Bennet Klawon ist zuständig für den Bevölkerungs- und Katastrophenschutz. Manchmal richtet er bei Kochexperimenten selbst mittlere Katastrophen an.

Bei Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Das bezieht sich wahrscheinlich auch auf die Verteilung des Selbigen. Da können die Motive noch so edel sein, bei einer Ungleichbehandlung werden alte Ressentiments und Abneigungen gefördert. So geschehen bei dem vom Verteidigungsministerium eingeführten “Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz”. Dort erhalten die Rekrut*innen rund 1.400 Euro als Vergütung. Zum Vergleich erhalten die Bundesfreiwilligendienstleistende – Bufdis – nur gerade mal 400 Euro. Entsprechend groß ist der Unmut bei manchem in den zivilen Hilfsorganisationen, dass ihnen diese “Konkurrenzorganisation” die Ressource “junger Mensch” mit viel Geld streitig macht. Beide Programme sollen Schulabgängern den Einstieg in ein Engagement erleichtern oder auch den Weg in ein Ehrenamt ebenen.

Nun stehen beide Programme in direkter Konkurrenz zueinander. Das ist schade. Denn eigentlich sollte es egal sein, über welche Organisation man sich für die Gesellschaft engagiert. Doch das liebe Geld keilt dazwischen. Auch sollte das Geld nicht bei einem Engagement im Vordergrund stehen. Doch seien wir ehrlich, dass eine “angemessene” Bezahlung für eine Vollzeitbeschäftigung auch eine Form von Anerkennung ist. Der Beigeschmack, der sich aus der ungleichen Bezahlung herrührt, ist dabei vor allem für die “Zivilisten” bitter, denn mein Bier (wenn die Bars irgendwann wieder aufmachen) bezahlt sich nicht mit Applaus und Idealismus.

Jedoch verdeckt diese Diskussion über Geld ein viel größeres Problem, das seit der Aussetzung der Wehrpflicht stetig wächst: den Mangel an jungen Menschen in allen möglichen Bereichen. Konnte man sich früher noch darauf ausruhen, dass sich jedes Jahr tausende junge Männer zum Wehrdienst oder zum Zivildienst verpflichten mussten, stand man nun plötzlich vor dem Problem, Angebote zu machen, damit die freigewordenen Stellen irgendwie weiter besetzt werden. Auf einmal hat sich das Machtgefälle zugunsten von Jüngeren gedreht. Ein seltener Umstand, in einer immer älterwerdenden Gesellschaft. Es müssen Angebote von der Gesellschaft und den jeweiligen Stellen unterbreitet werden, warum es sinnvoll ist, dass man bei ihnen ein freiwilliges Dienstjahr, egal ob nun bei der Bundeswehr oder einer Hilfsorganisation, absolvieren sollte.

Eine faire und gleiche Bezahlung muss deshalb her, damit sich Schulabgänger nach ihrem Interesse und nicht nach der besseren Bezahlung bei ihrem gesellschaftlichen Engagement entscheiden müssen. Außerdem gibt es kaum einen einfacheren Weg Wertschätzung zu zeigen. Hier sind vor allem neben dem Verteidigungsministerium, das Bundesinnenministerium, Umweltministerium oder das Gesundheitsministerium gefragt.

Gedankenspiele in der Politik für ein verpflichtendes soziales Pflichtjahr beweisen dabei die Ideenlosigkeit und degradieren junge Schulabgänger zur bloßen Verfügungsmasse. Den Freiwilligendienstleistenden im Heimatschutz sei ihr Lohn gegönnt, doch im gleichen Maß sollten ihn auch Bufdis erhalten. Dies wäre ein erster Schritt und relativ leicht zu bewerkstelligen, wenn man es mit Gerechtigkeit ein bisschen ernst meint.

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