Mittwoch, 29. November 2023

Transformation demokratisieren

Keine Eintagsfliegen

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Lernende öffentliche Institutionen als Voraussetzung für gesellschaftliche Anpassungsfähigkeit

Der Weg in die Zukunft ist kein Sprint, sondern ein Marathon in Sprints. Und dabei geht es in den nächsten Jahren um nichts weniger, als die Neuprogrammierung des menschlichen bzw. öffentlichen Haushalts auf einem Planeten, den wir in einen Schnellkochtopf verwandelt haben. In Zeiten von ineinander verschränkten Krisen, die unvorhersehbare Dynamiken erzeugen, müssen wir die Art und Weise, wie wir als demokratische Gesellschaften Entscheidungen treffen und umsetzen, umfassend anpassen.

Der Öffentliche Dienst und staatliche Institutionen spielen bei dieser gesellschaftlichen Transformation eine entscheidende Rolle. Die Gestaltung von Langzeitprojekten wird maßgeblich beeinflussen, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren entwickelt. Statt auf schnelle Lösungen zu setzen, sind Strategien notwendig, die kurzfristige Krisenreaktionen mit transformativen Ansätzen kombinieren, um bestehende Systeme nicht nur zu optimieren, sondern vorausschauend und zukunftsfähig auszurichten.

Um diese großen Systemwandelprozesse zu demokratisieren, ist Partizipation entscheidend. Statt die Verantwortung denjenigen zu überlassen, die in der Vergangenheit von Privatisierung und Exklusion profitiert haben, sollten Akteure die Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft beeinflussen, für die das Gemeinwohl im Mittelpunkt steht. Indem nicht nur lokale und regionale, sondern auch kontinentale und planetarische Perspektiven einbezogen werden, können in öffentlichen Beteiligungsprozessen Lösungen entwickelt werden, die zukünftige Generationen berücksichtigen und trotzdem auf die aktuellen Bedürfnisse der Menschen vor Ort eingehen. Dabei ist ein ganzheitlicher Umgang mit Trade-offs – also das Abwägen von Vor- und Nachteilen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Rahmenbedingungen – besonders wichtig, um bestmögliche Entscheidungen für das Gemeinwohl zu treffen.

Was wird es uns als Gesellschaft kosten, wenn öffentliche Institutionen nicht lernen? 

Um sicherzustellen, dass Projekte nicht nur kurzfristig erfolgreich sind, sondern langfristige positive Veränderungen bewirken, ist die Anpassung von öffentlichen Investitions- und Förderinstrumenten entscheidend. Kooperationsklauseln und partizipative Governance-Ansätze sind wegweisend, um öffentliche Mittel auf die langfristigen Bedürfnisse unserer Gesellschaft auszurichten. Indem Risiken nicht nur auf Lebenszeit, sondern über die nächsten hundert oder zweihundert Jahre hinweg betrachtet werden, ändern sich auch die Evaluierungshorizonte der langfristigen Auswirkungen. Neue Institutionenmodelle wie civic-public-partnerships oder commons-public-partnerships können hierbei als neue Standards dienen.

Lässt sich Systemwandel steuern? 

Die Transformationswissenschaft zeigt, dass wir uns von der Idee verabschieden müssen, alles kontrollieren zu können. Deswegen müssen Regulierung und Bürokratie in Zukunft als Werkzeuge dienen, die ein gemeinsames Lernen beschleunigen. Lernende Gesetze, Strategien und Institutionen bilden die Grundlage für eine anpassungsfähige Gesellschaft.

Mit unserer Arbeit bei Politics for Tomorrow möchten wir Menschen im Öffentlichen Dienst ermutigen, ihren persönlichen Einflussbereich auszubauen, um sozial robuste Veränderungen in komplexen Systemen herbeizuführen und die soziale Robustheit zu fördern. Kreativität ist für uns ein kollektiver Muskel, der uns in Team, Organisation und Netzwerken befähigt, mit Mut und Neugier die aktuellen Herausforderungen anzunehmen.

Was wäre, wenn … wir uns innerhalb des Öffentlichen Dienstes gegenseitig befähigen, langfristig zu denken und zu handeln? 

Mit Lernprogrammen, Pilotprojekten und der Entwicklung neuer Standards z.B. “Handbuch Öffentliches Gestalten” leisten wir einen Beitrag, um öffentliche Strukturen aufzubauen, die kollektive Intelligenz fördern und zukunftsfähige Entscheidungen begünstigen.


Caroline Paulick-Thiel ist seit 2015 Direktorin von Politics for Tomorrow, einer überparteilichen Initiative, die an der Schnittstelle von Staat und Gesellschaft kooperiert und den Aufbau institutioneller Kapazitäten für eine sozial-digital-ökologische Transformationen fördert.

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